Ackermann, ein “bad” Bänker?

Zu Beginn dieses Jahres blickte der Zeit Blog Herdentrieb in die Glaskugel, um Erhellendes über das düstere Zukunft der Finanzkrise sagen zu können. Eine der erstaunlichen Weissagungen war: Josef Ackermann werde sich schämen müssen, weil die Deutsche Bank unter den staatlichen Rettungsschirm krieche - und das bereits im ersten Quartal 2009. Diese Vorhersage hat sich in Teilen bereits bestätigt. Über den Einstieg der Post im Zuge der Übernahme durch die Postbank wird sich der Staat indirekt an der Deutschen Bank beteiligen. Herr Ackermann sieht sich dennoch ohne direkte Beteiligung des Staates und somit ohne Schämfaktor durch den Sturm Finanzkrise lavieren. Sein Optimismus wird nicht von allen geteilt, das Wasser unterm Kiel versiegt schneller als die Quartalsberichte gedruckt werden.
Woher kommen solch ungemütliche Prophezeihungen? Der private Banksektor erweist sich trotz der offenen Geldschleusen der Zentralbanken in weiten Teilen immer noch als trockene, öde Wüste. Die Fata Morgana eines gesunden privaten Banksektors in Deutschland, der nur vereinzelt falsch aufgestellte Banken trifft, hat sich in der heißen Luft aufgelöst. Die dürstenden Manager schleichen sich einer langsam, einer nach dem anderen, zur einzig verbliebenen Geldquelle - dem Staat. Nur scheinen Hitze und Dürre unsere Bittsteller gezeichnet zu haben. Nach dem Versprechungen von blühenden Landschaften, die zu Staub verfallen sind, erzählen sie uns ein weiteres Märchen von 1001 Nacht: Es ist die Legende von der Bad Bank.
Es ist eine alte, sehr alte Geschichte. Sie begann weit vor der großen Finanzdürre, zu einer Zeit, als im Finanzeden des elitären Aufschwungs die ersten Oasen giftig und trüb wurden. Im Jahre 2003 gerieten die Dresdner Bank, Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank ob ihrer dubiosen Investmentgeschäfte in Schwierigkeiten. Hinter verschlossenen Türen strickte Herr Ackermann an der Geschichte von der alternativlosen Bad Bank. Denn nach einer schwedischen Heldensage kann sie den Giftmüll der Finanzinstitute in Gold verwandeln. Ein Körnchen Wahrheit enthält diese Geschichte sogar. Werden die Verluste der Bad Bank auf die Steuerzahler abgewälzt, wird das Versagen der Finanzelite vergoldet. Damit dies nicht Eintritt, müsste die die Verantwortung und eine finanzielle Beteiligung an einer Bad Bank von den Banken selbst geleistet werden und, ein starker Staat müsste beherzt in den Finanzmarkt intervenieren. Jedoch sind solche Maßnahmen außerhalb aller gängiger Vernunft in unserem Lande, denn bisher wurden die Verursacher der Krise mit immer größer werdenden Rettungsschirmen bedacht. Demnach entspricht nur eine Blanko Bad Bank, für die allein der Steuerzahler krumm stehen muss, dem vorherrschenden Geist und bietet das perfekte, weich gepolsterte Auffangnetz für unsere gestrauchelten Finanzmanager. Dies lässt sich mit deutscher Gründlichkeit in einem Nebensatz des Klein gedruckten juristisch einwandfrei absichern und die Verantwortung kann ohne schlechtes Gewissen zum Staat abgeschoben werden, denn dies dient rein seinem neoliberalen Zweck.

Nach diesem ersten Geplänkel herrschte erst einmal eine unheilvolle Ruhe, es war die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem Kollaps des amerikanischen Investmentbankings meldete sich das Thema Bad Bank lautstark zurück und erreichte schnell in den Turbulenzen der Hypo Real Estate auch Deutschland. Es war wieder Herr Ackermann, der hartnäckigsten an der Legende der Bad Bank weiter strickte. Seit die Deutsche Bank einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro für das 3. Quartal 2008 erwartet, haben sich zum Branchenprimus Ackermann noch weitere Märchenerzähler gesellt, wie der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger oder der Bundesverband deutscher Banken. Trotz dieser Sirenengesänge aus den staubigen Finanz-, Politik- und Verbandswüsten widersetzt sich unser Finanzminister Herr Steinbrück bisher erstaunlich resolut diesen Plänen. Er sieht keine Möglichkeit der Finanzierung der 150 bis 200 Milliarden Euro, die eine bundesweite Bad Bank als Kapitalunterlegung seiner Schätzung nach benötige. Im Gegensatz zur Bankenkrise in Schweden dürfte diese auch wirklich nötig und in Anspruch genommen werden, denn eine Rückzahlung der faulen Kredite wird angesichts der weltweiten Rezession immer unwahrscheinlicher. Zudem überraschte die Finanzkrise bisher immer mit einer exponentiellen Steigerung der Dimension. Es ist daher nicht überraschend, dass bereits weit sagenhaftere Zahlen im Umlauf sind, Schätzungen gehen von einem finanziellen Giftmülllager von 300 Milliarden Euro in deutschen Banktresoren aus. Die Prognose des Internationale Währungsfond, die erst vor kurzem seine realen Prognosen der märchenhaften Dimension der Finanzkrise angepasst hatte und nun einen weltweiten Abschreibungsbedarf durch die Finanzkrise von 1,4 Billionen Dollar sieht, wird gezwungen sein, diese horrende Zahlen noch anheben zu müssen. Spätestens jetzt wird die Geschichte der Bad Bank zu einem düsteren Albtraum.
Die Weichen sind gestellt, die mediale Inszenierung einer alternativlosen Bad Bank ist angelaufen und sie wird, ausgestattet mit einer Blankoscheckeinlage als goldener Handschlag für krisenhaftes Missmanagement, letztendlich kommen. Das Einknicken der Regierung ist, wie in und außerhalb der Krise, nur eine Frage des Wahltermins. Doch wenn es soweit sein wird, heißt es vielleicht nicht mehr too big to fail, sondern too bad to save. Selbst ein Serienexportweltmeister kann nicht jeden Scheck einlösen.
17. Januar 2009 von stillewasser |
Kategorie Finanzkrise
Schlagworte Bad Bank Deutsche Bank Josef Ackermann
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