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Trollologie (2): Der Trollstalker

Stalker

Mag das Paarunsgverhalten bei Trollen eine kurzweilige Angelegenheit sein, so sind die übrigen Trollverhaltensweisen stets von einer hartnäckigen und enormen Ausdauer geprägt. Beim Stalken zeigen die Trolle komplexe, vielschichtige und ungeahnt kreative Verhaltensweisen. Eine harmlose und sehr sonderbare Form ist das sogenannte autostalken.

Autostalking

In das Autostalking verfallen Trolle gerne, wenn sie kein Opfer gefunden haben oder ihr ausgesuchtes Ziel entkommen konnte. Daher ist diese Verhaltensweise oft bei jungen oder unerfahrenen Trollen zu beobachten. In Ermangelung eines Stalkingzieles wenden sie die einfache, aber dennoch geniale Strategie an:

Das beste Opfer bin ich selbst, weil ich alle meine Schritte im voraus kenne.

Durch dieses Vorgehen gewinnen die Trolle einen Gesprächspartner, das Gefühl des Begehrtwerdens und eine nahezu 100 prozentige Erfolgsaussicht ihrer Stalkerei. Ich wollte diese These zuerst nicht glauben, aber das Studium von seitenlange Selbstgespräche von Autostalkern in ihren eigenen Gästebüchern hat mich schließlich eines Besseren belehrt. Eine lustige Variante ist, dass sie zu ihrer eigenen Zerstreuung sich Textfragmente vorzugsweise aus Wikipedia in ihr Gästebuch kopieren und dann damit beginnen, mit diesen zu diskutieren. Bei erfahrenen Autostalker konnte ich beobachten, wie sie ihre eigene Stalkerei ignorierten, damit sie es mit sich selbst nicht zu einfach hatten.

Einen Autostalker sollte man nicht auf sein merkwürdiges Verhalten hinweisen, da er auf jede Störung äußerst aggressiv reagiert. Zudem besteht die Gefahr, dass er aus seinem Muster ausbricht und zum Trollstalker mutiert, dessen erstes Opfer man selbst wird.

Stalkernoia

Der Trollstalkernoiker fühlt sich ständig von Stalkern verfolgt. Wenn es jemand noch nicht wusste, wird er vehement über diesen Sachverhalt aufgeklärt: Stalking lauert an jeder Ecke! Der Trollstalkernoiker handelt nach dem Motto:

Wenn jemand mit mir redet, kann es nur ein Stalker sein!

Ein einfaches “Hallo” reicht aus und man wird der unglaublichsten, übelsten und hartnäckisten Trollerei bezeichnet. Diese Vorwürfe werden nicht einmal, zweimal, nein, sie werden einem bis ins dunkle Grab nachgetragen! In anderen Worten, das Opfer des Trollstalkernoiker wird zum Täter und der eigentliche Täters wird zum Opfer stilisiert. Dabei wendet der Troll gerne die beliebte und bewährte Trolltechnik an: wer am lautesten schreit, der hat recht!

Wer einmal in die Fänge eines Trollstalkernoikers gefangen war, der wird aus leidvoller Erfahrung wissen, wie teuflisch gut diese Stratgie ist.

Ein Tipp des Trollveteranen: Lassen sie sich scheinbar auf die Anschuldigungen ein, schweifen ein bisschen mit ihm umher und gehen dann mit ihm zu seiner eigenen Profilseite. Sie müssen ihm dann nur noch erklären, dass diese Kopie wohl der übelste Stalker sei, denn sie je gesehen hätten. Und so wird im Handumdrehen ein Trollstalkernoiker zum Autostalker.

Präventives Stalken

Eine fortgeschrittene Methode ist das präventive Stalking. Es erfordert einiges an Vorbereitung. Nach der Wahl eines Opfers werden zufällig harmlose Diskussionen angefangen. Wenn der Troll mit den Stalkingattacken anfängt, kann er auf diese doch nicht mehr so harmlosen Diskussionen verweisen und sagen:

“Schau, du hast mit dem Stalken angefangen und bevor du noch mehr zum Stalker wirst, musste ich dir zuvor kommen!”

Auch hier werden wieder Opfer und Täter vertauscht. Als effektive Gegenmaßnahme hat sich die Weitergabe einer Telefonnummer an den Trollstalkernoiker erwiesen. Falls bekannt, am besten die eigene Telefonnummer des Trolls weitergeben oder andernfalls die einer beliebigen Telefonseelsorge.

Sekundäre Trollstalkerei

Leider besteht eine erhebliche Gefahr, dass bei diesen ständigen Wechseln der Täter und Opfer Rollen die Trollrollenidentifikation gestört wird. Ein zuvor völlig gesundes Opfer kann so selbst zum Trollstalker mutieren. Das führt zur schönen Situation, dass Täter und Opfer eine Symbiose eingehen und beide zu stalkenden Tätern werden. Lustigerweise hat somit jeder der Kontrahenten mit seinen Vorwürfen der Stalkerei im Grunde vollkommen Recht.

Diese Form der Ansteckung auch zuvor gesunder Foristen ist bei Trollattacken generell sehr hoch.


20. Januar 2009 von stillewasser | Kategorie Trollologie
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