Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden (2)
Die Ermittlungspanne der Ermittler, die durch Politik und Medien verbreitet wurde, bestimmte heute zu einem Großteil die Berichterstattung über Winnenden. Im Auge des medialen Orkans befindet sich das offline geschaltete Forum KrautChan. Von dort stammt der Screenshot des Fakes. Der Ersteller dieses Fakes hat übrigens ein anonymes IRC Interview gegeben. Solange die Ermittler und Medien dessen Authentizität noch nicht bestätigt haben, könnte es echt sein.
Als Reaktion auf die ständig neu auftauchenden Vorwürfen in den Berichterstattungen der Mainstreammedien haben die Forenbetreiber den Hinweis die Startseite von KrautChan um einem spürbar genervten Hinweis ergänzt:
Wir möchten auch nochmal klarstellen, dass hier im Gegensatz zu den Unterstellungen diverser sogenannter Internet-Experten nichts gelöscht wurde, wir haben lediglich die Forensoftware offline genommen, da unser Server wie bereits gesagt nicht in der Lage ist, die momentanen Anfragen zu bedienen. Da aber so viel Interesse an dem besagten Thread besteht, haben wir ihn hier zur Verfügung gestellt. Bitte beachten, dass die Forenfunktionalität zurzeit nicht zur Verfügung steht und deshalb einige der Buttons und Links auf der Seite Fehlermeldungen liefern. Auch hat uns übrigens als Betreiber des Servers bisher außer der London Times niemand kontaktiert und um Informationen gebeten. Nicht eine einzige Anfrage. Stattdessen hat man lieber in der Öffentlichkeit seine Spekulationen verbreitet und es uns überlassen, diese zu finden und darauf zu antworten.
Während dieses kleine Forum stets authentisch reagierte und bisher keine einzige Formulierung zurücknehmen musste, bemüht sich der Qualitätsjournalismus um Gesichtswahrung. Auf der Süddeutschen zum Beispiel wird dieses kleine unscheinbare Graswurzelforum zu einem Internetdschungel hochstilisiert.
Doch nicht nur in KrautChan lauern hinter jeder Ecke Gefahren, die ARD hat in ihrem Brennpunkt noch weitere üble Quellen im Internet lokalisieren können. Und im ZDF berichtet Plasberg hart aber fair über die “dunklen Weiten des Internets“.
Neben all diesen grotesken Überzeichnungen finden in den Mainstreammedien erste kritische Auseinandersetzung mit den Ereignissen der unfassbare Tat statt. Es bedarf eines langen Atems, um die richtigen Fragen und gute Antworten darauf zu finden. Die politische und öffentliche Aufmerksamkeit zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe ist leider zu kurz. Winnenden wird langsam aus der Berichterstattung verschwinden, die Stadt kann nach dem ganzen Medienrummel zu sich finden und steht vor der kaum zu leistenden Aufgabe, die Folgen dieser unfassbaren Tat bewältigen zu müssen. Die Stadt wird nicht mehr dieselbe sein - und was werden Politik und Medien machen? An ihren zu oft aufgeführten Ritualen festhalten?
Von welchen Ritualen ich spreche? Nun, von diesen!
14. März 2009 von stillewasser |
Kategorie Medienkritik SZ Watch
Schlagworte Winnenden









