Medienpolitik in der Krise
In der Krise gelten andere Spielregeln, natürlich auch für die Medien. In einem Interview erklärt der hessische Ministerpräsident der Nach-Ypsilanti-Ära, Roland Koch, weshalb der Vertrag des ZDF-Chefredakteus Brender aufgrund rapid fallender Quoten auslaufen müsse. Diese offensichtliche Quotenkrise könnte jedoch eine unbemerkte Machtdemonstration verdecken. Der starke politische Druck auf einen öffentlich-rechtlicher Chefredakteur dürfte zur Sicherstellung des Parteienproporzes in den Kremien der Medienanstalten dienen. Jedenfalls sehen viele im Vorgehen Kochs einen schwerwiegenden Eingriff in die Rundfunkfreiheit und stehen Brender bei.
Dieser nun seit einigen Tagen schwelende Konflikt hat eine neue Dimension bekommen. Nach Informationen von Spiegel Online befürwortet die Bundeskanzlerin Merkel eine Absetzung Benders. Dieser Wendung ist verständlich. Die Rettungsmaßnahmen der Regierung in der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen statt in unnötigen Worten in angemessenen Bildern zelebriert werden. Die für die Bürger nachhaltigen Unterschriften unter die Blankoschecks für die Finanzjongleure bedürfen gemäß einer guten Kriseninszenierung der entsprechenden medialen Präsentation.
Schön, dass die Kanzlerin in der Krise bereit ist, ein Opfer - hier in Form eines undiplomatischen Chefredakteurs - zu bringen
3. März 2009 von stillewasser |
Kategorie Medienkritik
Schlagworte Angela Merkel öffentlich-rechtlicher Rundfunk Nikolaus Brender Parteienproporz Roland Koch
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