sinniger Unsinn
Es ist mir immer unbegreiflich, wie es jemand wagen kann, an den Idolen der Kindheit zu kratzen. Ein solch kümmerlichen Versuch, sich auf einen aussichtslosen Schlagabtausch mit dem Popey der Populärissenschaften einzulassen, unternimmt der Spiegelfechter. Dabei kennt doch jedes Kind die eisenhaltige Argumentationsgewalt des Hans-Werner Sinns, die er aus dem Verzehr seiner berühmten Konservendosen aus neoliberalen Spinatsalat erhält. Ohne seinen unermüdlichen Einsatz wäre das Einverlaiben der neoliberalen Ideologie bereits mit der Muttermilch durch das allgegenwärtige INSM-Fertigmilchpulver noch heute unmöglich.
Und seien wir ehrlich, die Wahl zwischen der amerikanischen Voodo-Ökonomie nach Paul Krugman oder der genialen Basar-Ökonomie von Herrn Sinn ist doch keine ernsthafte!
Gerne würde ich alle Wundertaten des spinatigen Superhelden aufzählen, nur bin ich als Fürsprecher die falsche Person. Weder habe ich einen Rettungsschirm beansprucht, noch ein ungefülltes Milliardengrab für Staatsgelder geschaufelt. Aber im Kreise unserer krisen- und sattelfesten Eliten gibt es weitaus geeignetere Laudatoren. In einem Interview der Finacial Times Deutschland sieht der Linzer Volkswirt Friedrich Schneider als Ausweg aus der Krise eine experimentell orientierte, unorthodoxe Denkweise. In Deutschland kennt er nur eine einizge Person, die diesem Anspruch genügt - genau, Hans-Werner Sinn, den Chef des Münchner Ifo-Instituts! Kein Wunder also, dass Herr Sinn als einzig lebender Wissenschaftler die Krise nicht nur nicht vorhersagen konnte, sondern in seiner markanten Genauigkeit und Gründlichkeit die einzig wahre Ursache der Krise gefunden hat: den Laschheitswettbewerb!
Wie könnte man einem solchen einzigartigen Genius gerecht werden? Meine Worte reichen dafür einfach nicht aus, um die in Inkompetenz gemeiselte Ikone der Wissenschaft, die Lichtgestalt der Flimmerkisten in den sonntagabendlichen Politik-Talkrunden, den Twitter Follower des Messias 2.0 in angemessenen Worten beschreiben zu können. Aber lassen sie mich wenigstens einen dunklen Fleck auf der blütenweißen Weste des Herrn Sinn reinwaschen. Es stimmt, er warnte wirklich nicht vor der Finanzkrise. Nur, weshalb sollte sich ein Mensch mit den Fähigkeiten, den Geburtstag Elvis Presleys auf den Tag genau oder die Bilanzierungsregeln für den Weltuntergang bestimmen zu können, sich mit einer Bagatelle wie der Weltwirtschaftskrise befassen? Es gibt wahrlich wichtigere Aufgaben für einen Ökonomen seiner Größe!
Daher erst- und nochmals mein unermüdlicher Hinweis auf die unsagbare Ungerechtigkeit:
Der Wirtschaftsnobelpreis hätte zweifelsfrei im letzten Jahr an Herrn Hans-Werner Sinn verliehen werden müssen!
Trotz der schwedischen Ignoranz hat sich Herr Sinn als Anführer der neoliberalen Neandertaler im Elfenbeinturm der Popularwissenschaften einen gebührenden Platz in den Analen der Wirtschaftswissenschaften gesichert. Er wird als einer der einflussreichsten Persönlichkeiten unserer aktuellen Epoche der finanzpolitischen Steinzeit in die Geschichte eingehen.
Die größte Offenbarung steht uns jedoch noch bevor. Als bekennender Verschwörungstheoretiker habe ich aus sicherer Quelle erfahren, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise aus INSM-Kreisen unter der Federführung Herrn Sinns inszeniert wurde. Die Krise ist nichts anderes als ein unglaublicher Akt der Selbtaufgabe! Die Neoliberalen opfern sich in Form einer biblischen Heuschreckenplage, um uns von einem aus dem Ruder gelaufenen Finanzsystem zu erretten! Von dieser einzigartigen heroischen Tat werden noch unsere Kind und Kindeskinder mit der gebührenden Respektlosigkeit reden!
10. März 2009 von stillewasser |
Kategorie Satire
Schlagworte Hans-Werner Sinn
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