Große Jungs, große Spielzeuge
Wer kennt noch die Namen Johannes Ludewig oder Heinz Dürr? Sie waren einst Vorstandsvorsitzende der Bahn AG. Sie sind unter dem langen Schattens, die Hartmut Mehdorns fast 10jährige Amtszeit an der Spitze der Deutschen Bahn wirft, zur Bedeutungslosigkeit verblasst. Keiner seiner Vorgänger erreichte seine Medienpräsenz, keiner konnte dieses riesige, unüberschaubare Konglomerat an über 500 Tochterunternehmen in einer Person bündeln. Kam der Zug zu spät oder sah man nur noch die roten Rücklichter, wenn man selbst nur eine Minute nach der planmäßigen Abfahrtszeit auf den Bahnsteig hastete: schuld war nicht die Bahn - nein, schuld war immer Mehdorn! In solchen Momenten stellte sich mir immer die Frage, auf wen um Gottes Willen flucht eigentlich Herr Mehdorn, wenn ihn die Konsequenzen seiner Optimierungen selbst treffen? Die Antwort gab der Bahnchef in einer Fernsehsendung: statt sich der Tortur einer Zugfahrt zu unterziehen, sammelte er lieber entspannt Bonusmeilen bei Konkurrenzunternehmen.
Mehdorn hat die Deutsche Bank erfolglos an die Börse gebracht, diese Leistung soll und darf nicht hoch genug geschätzt werden. Nur solides Management ist zu solch herausragenden Leistungen fähig, welche sich beeindrucken in seinem Lebenslauf niederschlugen: einen Weltmarktführer wie Heidelberger Druck an seinen Zenit zu führen, firmiert fortan im Management-Jargon unter dem Begriff “mehdornen“. Auch die Rosskur zur Börsentauglichkeit des Unternehmens, welche schwer auf den ICE-Achsen lastete, schwächte nicht entscheiden Europas Spitzenposition des Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Diese Herkulesaufgabe bleibt, seit sich Mehdorn in der Datenschutzaffäre mit voller Fahrt voraus ins Abstellgleis manovrierte und die unsanfte Bekannschaft mit den harten politischen Prellböcken machte, seinem Nachfolger überlassen.
Dieser steht nun fest, es wird wohl Rüdiger Grube werden. Bisher tobte sich dieser Topmanager bei Daimler an Autos und bei EADS an Flugzeugen aus. Zum absoluten Managerparadies Grubes fehlte daher noch die Modelleisenbahn. Nicht jeder ist von diesem Spieltrieb begeistert und zweifelt an dem pädagogischen Konzept, dem die Politik huldigt. Gerade die Eisenbahn scheint den kindlichen Grobheiten der Manager nicht gewachsen zu sein, wie schon der Fall Märklin eindruckvoll belegte. Oder unterschätze ich wieder einmal die Politik: einen Automanager an die Bahnspitze zu hieven, dient allein der Vorbereitung, die liebgewonnen Konjunkturspritze des Abwrackens nun auch auf Züge auszuweiten.
Lesenswerte Links zum Thema:
- [05.04.09] Fortgesetzte Enteignung
Die Zukunft der Bahn sollte eine öffentliche Angelegenheit sein. Die Nominierung des neuen Konzernchefs zeigt, dass die Koalition genau das verhindern will.
3. April 2009 von stillewasser |
Kategorie Politik
Schlagworte Deutsche Bahn Hartmut Mehdorn Managementfehler Märklin Rüdiger Grube
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