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Hofberichtblogging (1): Die NATO wird 60

nato-summitDie NATO feierte ihr 60-jähriges Bestehen mit einem beschaulichen Gipfelchen in Baden-Baden und, um der historischen Dimension gerecht zu werden, einem richtigen Gipfel in Straßburg. Das Bündnis wurde stets von Unkenrufen begleitet. Bei seiner Grundung prophezeite man dem Militärbündnis nur eine kurze Lebensdauer und nach dem Ende des kalten Krieges bescheinigte man dem kampflosen Sieger über den Warschauer Pakt die Bedeutungslosigkeit. Dennoch vermochte sich die NATO jedesmal neu zu definieren und konnte sich erfolgreich neuen Herausforderungen stellen.

Wieder steht dem Bündnis ein ähnlich bedeutsamer Wendepunkt bevor. Es ist einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass die Amtszeit von Jaap de Hoop Scheffer als Generalsekretär endet und für die Reise in eine neue Ära die Führung des Bündnisses wechselt.


Eine kleine Werbepause


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Mit dem Dänen Anders Fogh Rasmussen hat die NATO einen erbitterten Kämpfer für die westlichen Freiheitswerte gefunden. Unvergessen ist sein Einsatz für die Pressefreiheit im sogenannten Karikaturenstreit. Der Nominierung dieses aufrechten Kämpfers konnte die Blockadehaltung der Türkei nicht lange standhalten. Schließlich ist deren Kritik am zukünftigen Generalsekretär völlig aus der Luft gegriffen.

Die anlässlich für die Feierlichkeiten einbestellte Schar der Journalisten darf ob dieses historischen Ereignisses jubilieren. Sie sollte aber ihre kleinkarierte Forderung nach einer fairen Akkreditierung beenden, denn die Pressefreiheit der NATO meint nicht Freiheit für die Presse. Statt dessen sollten sie lieber die großzügigen Einladungen zu “embedded Journalisten-Tripps mit Piratenjadgen” annehmen und diese mit martialischer Hofberichterstattung für die NATO gutieren. Das Objektiv muss bei dieser Art der Kriegsberichterstattung gegen das Zielfernrohr getauscht werden - das ist nunmal alternativlos bei diesen Jobs.

Die neue Epoche der NATO, energisch eingeläutet mit der schleppenden Wahl des neuen Generalsekretärs, ändert ihre oberste Maxime, um sie den aktuellen geostrategischen und kulturellreligiösen Gegebenheiten anzupassen. Für den neuen Mann an der Spitze wirkt sie geradezu maßgeschneidert:

ohne clash kein cash

Diese Neuausrichtung der NATO findet zur rechten Zeit statt. Katalysiert durch die anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrisen, fallen dem Militärbündnis  neue Aufgabenfelder vor die Füße, die ungewöhnliche Wege erforden. Die NATO übernimmt die Rolle einer bad militäry und integriert toxische amerikanische Militärtechnik, wie das Raketenschutzschild. Auch die Nachfragegenerierung rückt wieder ins Visier, welche die Weltwirtschaft nachhaltig ankurbeln könnte. Neue Waffensysteme sind in der Erprobung, die mit chirurgischer Präzision ethnisch genau zu kollaterieren vermögen.

Gewarnt durch die finanziellen Katastrophen der letzten amerikanischen Kriege, arbeitet das Bündnis an einem risikoarmen Finanzierungskonzept für ihre Großprojekte: der sogenenannte  präventive Pre-Paid War. Die Kriegsspielgastgeber sollen in Zukunft die Destruktionen in ihre Infrastruktur und Zivilgesellschaft vor Einmarsch der NATO-Truppen an das Bündnis entrichten. Für ein eventuell vorhandenes Restguthaben nach der Intervention gelten die üblichen Kriegszinsen.

Ihre eigene Zukünftsfähigkeit möchte sich die NATO durch Investitionen in die Bildung sichern. Unter dem Projektnamen “Ego-Shooter sind ok, aber zum Amoklauf gibt es Alternativen” werden gezielt Jugendliche angesprochen und frühzeitig auf den Dienst im Bündnis vorbereitet. Vorher virtuell gelerntes Töten wird auf die Ausbildungszeit angerechnet. Nach unbestätigten Informationen sollen einige ausgewählte Schüler bereits ihre Laufbahn im Generalsstab begonnen haben.

Gut gerüstet stellt sich die NATO mit diesem Mix an modernen Militärkonzepten der Wirtschaftskrise entgegen und wird sie mit aller militärischer Gewalt entschiedem bekämpfen. Die Zukunft für das Bündnis ist auch für die nächsten 60 Jahre gesichert.

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8. April 2009 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Politik Satire
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