Zum 80. Todestag von Anne Frank
Der Leidensweg von Anne Frank gehört für mich zu den eindrücklichsten Schilderungen des Holocausts. Wie viele andere vor mir habe ich ihr Tagebuch in der Schule gelesen. Es ist die Nähe zu Annes Leben in ihrer kleinen, eingesperrten Welt, in die sie ihren Leser hinein zieht und ihn so zum Nachdenken über ihr tragisches Schicksal zwingt, das ihr Vermächtnis einzigartig macht. Mit den unschuldigen Worten einer Jugendlichen führt sie den menschenverachtenden Irrsinn der damaligen Zeit vor Augen. Zurück bleibt die erschütternde Erkenntnis, sie war ein Mensch und noch auf der Suche nach ihrem Leben, doch sie musste sterben, weil die damals herrschende Ideologie in unserem Land ihr das Lebensrecht absprach.
Anne Frank wäre heute 80 Jahre alt geworden.
Wie wichtig die Erinnerung an ihr Leben und ihr Leid gerade heute ist, zeigen die bedauerlichen Erfolge der Rechtspopulisten bei der Europawahl. In Krisenzeiten bricht die bewährte Bewältigungsstrategie der Repression gegenüber Randgruppen, wie Ausländer und Schwache, wieder auf, die uns in die dunkelste Epoche unserer Geschichte führte. Die dünne zivilisatorische Kruste unserer bürgerlichen Gesellschaft, die uns vor einem erneuten Abstieg bewahren könnte, ist eines der hinderlichen Ballaste, die im Zuge der Krise abgewrackt werden sollen. Wir wandeln wieder auf den alternativlosen Pfaden unserer Ahnen.
Für mich ist der Todestag von Anne Frank nicht nur ein Tag des Gedenkens, sondern einer der Mahnung.
12. Juni 2009 von stillewasser |
Kategorie Aktion
Schlagworte Anne Frank Holocaust Rechtspopulismus
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