Es war wieder einmal Wahl
Eigentlich interessieren mich diese politikstrategischen Planspiele nicht besonders: wer wird wo mit wem regieren? Im Gegenteil, ich halte dieses Hobby der Pontologie für gefährlich. Schon allein der Begriff koalieren löst bei mir abgestandene Assoziationen zu schmuddeligen Sexpraktiken aus. Ich halte das koalieren in der Öffentlichkeit oder gar in den vögelfreien Räumen des Internets für mehr als bedenklich. Ich kann es daher auch nicht mehr nachvollziehen, weshalb unsere Familienministerin zum Schutze unserer politisch unverdorbenen Jugend noch keine Zensur für die perversen Koalitionspraktiken gefordert hat. Da muss sich doch jeder anständige Mitbürger empören und nach einem sofortigen Verbot rufen!
Man schaue sich das doch einmal an! In einem merkwürdigen Balztanz vereinigen sich Politiker zum Wohle des Volkes. Bei der Wahl ihres Balzobjekt sind die Politiker nicht wählerisch, egal welche Farbe oder welche Orientierung, es wird mit allem koaliert, was nicht violett ist.
In der Zwischenzeit hat sich auch schon aufgrund der enormen Nachfrage eine mehrere hundert Billionen Euro schwere Koalitionsporno-Industrie gebildet. In letzter Zeit kämpft sie jedoch - im Gegensatz zu den alamierenden Meldungen unserer Regierung - mit heftigen Umsatzeinbußen, die eindeutig hausgemacht sind. Die Vorspiele werden zunehmend langweiliger und am alles entscheidenden Wahltag wird der Höhepunkt immer flacher. Doch das Schlimmste ist das fehlende Happy End, der Film endet stets mit einem Koalitionsvertrag. Das führt bei allen Beteiligten - den Darstellern, der Filmindustrie und auch den Voyeuren - zu postkoitalen Kopfschmerzen, die nach den ständigen Wiederholungen längst einer ausgewachsenen Dauermigräne gewichen sind.
Diese starren Balzregeln der Gattung lupis politicus lassen nicht die kleinste Abweichung zu, ansonsten führt die eindimensionale Balz nicht zum Erfolg. Genau dieses Verhalten konnte man diesmal wieder in freier Wildbahn in Thüringen, Sachsen und im Saarland beobachten. Die Volksparteien verlieren: die CDU massiv und die SPD verharrt in ihrem selbstgegrabenen Prozenteloch - ohhhh. Die Linke profitiert am meisten und Oskar erobert sein saarländisches Königreich zurück. Okay, das brachte etwas Leben in die träge Handlung des Films. Die Schockstarre beim Zuschauen wurde jedoch nur teilweise und leider auch nur kurzzeitig gelockert. Wieder einmal lieferten die Filmstudios die übliche schmale Kost ab.
So, und jetzt heißt es wieder weiter-so warten bis zum nächsten Film:
Die Bundesbalzkanzlerin - Valium oder Viagra?
31. August 2009 von stillewasser |
Kategorie Politik Satire
Schlagworte Lantagswahl Saarland Sachsen Thüringen Wahl 2009
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