SZenso

unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Lasst doch das Netz in Ruhe

internetLiebe Politiker,

es hat sich einiges bei mir angestaut und das würde ich euch gerne ins Gesicht sagen. Doch ich weiß ja, ihr wollt mich nicht hören. Ich kann nur als Bürger zu euch sprechen, aber diese Sprache versteht ihr nicht mehr. Mir bleibt daher nur das stumme, verzweifelte Schreien im vogelfreien Chaosraum :-(

Wie habt ihr eigentlich diese einfache Lektion vergessen können? Geld ist Macht! Und ihr habt euch die Macht einfach aus den Händen nehmen lassen und jetzt liegt sie in den Händen der Privatbänker. Es wäre ein grober, aber verzeihlicher Fehler gewesen, wenn ihr nicht auch bei der Bekämpfung der Finanzkrise kläglich gescheitert wärt. Als das Ausmaß des Versagens der Banken offensichtlich wurde, habt ihr nicht den Mut aufgebracht, die Macht über das Geld zumindest zeit- oder teilweise wieder in eure Hand zu nehmen. Nein, ihr habt zusammen mit den wahren Herren der Macht einen systemischen Schwachsinn ausgedacht, nur damit alles weiter so gehen könne wie bisher. Leider habt ihr euch - und somit auch uns alle - von den Banken lehrbuchmäßig über den Tisch ziehen lassen, wie ein Renter beim Riestern.

In der Wirtschaft habt ihr dem neoliberale Exportwahn angebetet und in religösen Talkmessen dessen stumpfsinnige Heilslehre verkündet: Wir müssen wie ein Weltmeister exportieren, dann können wir das ganze erwirtschaftete Vermögen nach oben oder ins Ausland schaffen. Dieser alternativlose, gottgewollte Weg bläst das globale Finanzkasino bis zur Selbstüberschätzung auf, zuhause aber auf dem Binnenmarkt führt es zu einer marktradikalen Sozialität. Dies ist der feuchte Traum einer jeden zivilisatorischen Hochkultur!
In der aktuellen Weltwirtschaftskrise fällt euch dann nichts weiteres ein, als zu sagen: wir müssen solange weiter um das goldene Kalb tanzen, bis der neoliberale Gott wieder aufersteht. Das nenne ich mal ein primitives Gottvertrauen!

Und jedesmal wenn die Herren Politiker an die Grenzen ihrer Befähigung gelangen, möchten sie Krieg spielen. So auch diesmal. Wir haben bereits zwei Weltkriege angefangen und verloren und unsere kriegstreibenden Politiker haben daraus ihre Lehre gezogen und als Kriegsspielübung ein armes, karges Land am Hindukusch auserkoren, an dem bereits zwei große Imperien gescheitert sind. All das nur, damit sie eine noch größere Spielwiese für ihre Unfähigkeit haben, in der als Nervenkitzel zusätzlich Blut fließt.

Es ist eine erschreckende Bilanz der letzten Legislaturperiode. Es liegt nicht in meiner Macht euch Politiker von all diesen Dummheiten abzuhalten, aber wir stehen wieder vor der Wahl und ich soll euch meine Stimme geben. Leider ist mir ein Kreuz zu wenig, ich würde euch gerne sagen: stopp, nicht weiter so! Es ist nicht möglich, ich weiß. Daher habe ich nur einen Wunsch an euch:

Lasst eure Finger weg vom Internet!


21. August 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Netzneutralität Wirtschaftskrise


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