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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Ich ziehe beim Wahllos immer die Niete

Ich gestehe, ich habe bisher beim Ziehen des Wahlloses immer Pech gehabt. In mir keimt langsam die Vermutung, in der Wahlurne werden nur Nieten eingesammelt. Diesmal möchte ich mich in meiner Wählerdummheit nicht so alleine fühlen und schließe mich ganz feige diesem Aufruf an:

100blogsfuerlinke

Ich habe Angst. Die schon jetzt absehbaren Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise werden grausam sein. Mit dieser Wahl gibt es die historisch einmalige Chance, einen Einfluss auf die Bewältigung der Weltwirtschaftskrise in unserem Land zu nehmen.
Die drohende Kernschmelze im Finanzsystem hat sich nur wenig abgekühlt, aber die Bänker wollen wieder mit den Brandbeschleunigern spielen. Die jetzige Politik der großen Koalition wird diesem Drängen trotz ihrer steinbrückbeißerischen Polemik nichts entgegen setzen. Wohin kann das nur führen? Eigentlich möchte ich die Antwort auf diese Frage nie erfahren.

Die Linke Politik mag schlecht sein, aber für mich war und wäre eine große Koalition katastrophal und schwarz-gelb schlicht apokalyptisch. Vor einiger Zeit wollte ich noch die Piraten wählen und ein Zeichen zum Ändern setzen. Es ist sicher gut, sie zu wählen trotz ihrer Steuerbord Schlagseite. Nur für mich sind andere Fragen wichtiger geworden: Ich fordere einen schnellen und geordneten Rückzug aus Afghanistan, diesen robusten Stabilisierungseinsatz im Kampfmodus lehne ich strikt ab. Zudem verlange ich von den Reichen in unserem Land eine Beteiligung an den Krisenschäden, um die geplanten Einschnitte im Sozialstaat möglichst zu verhindern.
Daher kann ich alternativlos nur die Linke wählen.

Ausführlichere und besser formulierte Gründe, diesmal die Linke zu wählen, findet ihr in diesem Aufruf einer Wählerinitiative:

“Unser Land steckt im Strudel einer tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise. Zweifel und Ängste haben die Menschen erfasst. Das Vertrauen in das System und seine Lenker ist erschüttert. Denn wo der Sachwert des Profits über den Persönlichkeitswert des Menschen regiert, müssen die Grundrechte verkommen: Die parlamentarische Demokratie wie die bürgerlichen Freiheiten, die sozialgebundene Marktwirtschaft wie das Streben nach hoher Bildung und Kultur für alle. Das Ende der Systemkonkurrenz im Osten hat die Schamgrenze der gewissenlosen Profiteure auf Null gesenkt. Sie nehmen die heutigen und kommenden Generationen für ihre Plusmacherei in Geiselhaft. Ihre politischen Geschäftsführer in den Regierungen und Parlamenten sorgen dafür, dass die Gewinne privatisiert und die Verluste der Allgemeinheit aufgebürdet werden.

Das können wir nicht hinnehmen. Arbeit und Einkommen sind bedroht. Kinder und Alte sind der Armut ausgeliefert. Frauen und Mütter werden noch immer benachteiligt. Bildungs- und Kulturstätten sind auf das Mittelmaß reduziert. Ost und West, Arm und Reich driften immer weiter auseinander. Und jeder weiß: Das dicke Ende kommt noch!

Bei der bevorstehenden Bundestagswahl ist daher zu entscheiden, ob jene, die das Staatsschiff auf Grund gesetzt haben, weiter am Steuer bleiben dürfen. Viele Mitbürger gehen gar nicht mehr wählen. Sie wagen auch nicht die Linken zu wählen, obwohl die ihnen oft aus der Seele sprechen. Aber: “Was können die schon ändern?” Mit wenigen Mandaten natürlich wenig, mit vielen Mandaten aber mehr. Lassen wir es doch drauf ankommen, auch, wenn wir, öfter mit den LINKEN hadern! Das ist immerhin die einzige Partei im Bundestag, die NEIN sagt zu jeglichem Krieg, auch, wenn er als “humanitäre Hilfsaktion” bemäntelt wird.

Das ist die einzige Partei, die den Rüstungsexport verdammt, denn was diese Welt braucht, sind Existenzmittel und nicht Vernichtungsmittel.

Das ist die einzige Partei, die frühzeitig vor den Folgen des Turbo- Kapitalismus und des gnadenlosen Sozialabbaus gewarnt hat, so dass nun die anderen Parteien ihre Forderungen abschreiben.

DIE LINKE wird wegen alledem in Ost und West zunehmend geschätzt und eben deshalb von den Herrschenden in Staat, Wirtschaft und Medien verteufelt.

Deshalb raten wir: Gehen Sie wählen. Wählen Sie LINKS. Leisten Sie kritischen Beistand auch nach der Wahl. Wenn wir mehr Demokratie und Bekennermut wagen, kann sich vieles in unserem Land zum Besseren wenden.”


26. September 2009 von stillewasser | Kategorie Politik


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