Vom Aussterben bedroht

Ein offen satirischer Brief an das WWF:
Sehr geehrte Damen und Herren des WWF,
die Weltwirtschaft ist eingebrochen und der blasengetriebene Wachstumswahn vergangener Jahrzehnte ist in eine deflationäre Abwärtsspirale übergegangen. Die Natur darf sich eine kleine Verschnaufpause gönnen, bevor wieder der gewohnte weiter-so Raubbau an allen Ressourcen fortgesetzt wird.
Eine Gattung hat es allerdings in der aktuellen Krise äußerst hart getroffen und ist akut vom Aussterben bedroht. Sie ist an der Entstehung der Finanzkrise maßgeblich beteiligt und leidet nun selbst unter den gravierenden Folgen. Unter dem in der Wissenschaft bekannten Phänomen der Eichel-Steinbrück Finanzmarktderegulierung hat sich die Spezies des politicus denuncius (SPD) ihren eigenen Lebensraum in Deutschland erheblich zerstört. Die Hörigkeit gegenüber der Hochfinanz, die wie eine Heuschreckenplage über die SPD kam, veranlasste eine Politikwanderung der gesamten Partei. Sie verließ geschlossen die saftigen Wählerwiesen der Sozialdemokratie und wanderte lemminggleich in das karge, abgegraste Wüstenland der bürgerlichen Mitte. Die SPD hat sich somit völlig unbegründet ihrer ursprünglichen Nahrungsgrundlage beraubt.
Es ist eine unglaubliche Not unter den SPD-Politikern ausgebrochen, wichtige Machtpositionen mussten aufgegeben werden, die ersten Führer abtreten. Nahlesliegende Ersatzpersonal wurde gefunden, aber eine nachhaltige Überlebensstrategie gabrielt die neue Spitze nicht. Noch immer rennen diese verwirrten Politiklemminge den massenmedialen Fata Morganen nach, ohne jedoch eine rettende Oase finden zu können. Gerade im geologisch exponierten Gebiet der thüringischen Politikwüste kann aktuell ein tragischer politischer Massenselbstmord beobachtet werden. Erbarmungslos werden die unfreiwilligen Söhne der Wüste in der heißen Koalitionssonne gegrillt und genüsslich von den schwarzen Geiern verspeist.
Es ist eine politikökonomische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Umfangreiche Notmaßnahmen sind dringend erforderlich. Ein Aussterben dieser uralten Politikspezies erscheint innerhalb der nächsten ein bis zwei Legislaturperioden unvermeidlich zu sein. Als Sofortmaßnahme schlage ich vor, 5% Politikschutzgebiete für die SPD in allen deutschen Parlamenten einzurichten. Sämtliche SPD-Politiker müssen einem harten Zwangsentzug vom Lobbyismus unterzogen und wieder in den Themen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geschult werden, bevor sie wieder in die freie Politikwildbahn entlassen werden können.
Sollten das WWF allerdings zur Erkenntnis gelangen, dass die Spezies des SPD-Politikers für die Demokratie nicht systemisch ist, empfehle ich eine sofortige Notabwahl, um die Infizierung anderer Politiker und eine weitere Demokratiezersetzung der Politiknatur abzuwenden.
Hochachtungsvoll
Ihr SZenso
2. Oktober 2009 von stillewasser |
Kategorie Politik Satire
Schlagworte Naturschutz SPD
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