Von der Voodoo- zur Vampir-Ökonomie
Todgesagte Leben länger, die Voodoo-Banken melden sich immer noch leblos, aber gestärkt auf der Bühne der Weltwirtschaftskrise zurück. Das frische, rote Blut der Zentralbanken gab ihnen ihre übernatürlichen Kräfte zurück. Jetzt haben sie Hunger nach mehr vom diesem Lebenssaft, der die Wirtschaft am Leben erhält.
JP Morgan feiert ihre V-förmige Katapultierung aus der Krise. Eine scheintote Voodoo- wird zur hungrigen Vampir-Bank. Die Krise ist überwunden, das Spiel von gefressen und gefressen werden beginnt von Neuem.
Doch neben all dem Voodoo und Vampir-Banken gibt es noch eine dritte Sorte, sie nennt sich schlicht und einfach Verlierer. Einer muss sich schließlich für diesen kaum noch möglich gehaltenen Aufschwung aus der Krise opfern. Einer dieser heldenhaften Verlierer ist die Bank of Amerika.
Wie kommt es zu dieser erstaunlichen 2-Klassen Gesellschaft der Banken? Der Grund ist einfach, am Tropf des mit billigen Geld gefluteten Kapitalmärkte hängen die wiedererstarkten Voodoo-Banken, während die Arbeitslosigkeit in den USA unerbittlich steigt und die Banken mit traditionellem Kerngeschäft in den Abgrund der Weltwirtschaftskrise reißen. Eine gelungene Rollenverteilung, welche die amerikanische Regierung meisterhaft inszeniert hat.
Eine polanskireifes Schauspiel bei diesem schaurigen Tanz der Toten bietet die amerikanische Mittelstandsbank CIT. Sie ist seit längerem angeschlagen ist und es besteht kaum noch eine Hoffnung auf Rettung. Ein etwas pikantes Detail könnte ihr dabei das Genick brechen: die Gläubigerbanken sind über Kreditausfallderivate (Credit default swaps, CDS) gegen eine Pleite der CIT abgesichert. Jetzt ist für die Gläubiger eine Insolvenz der taumelnden Bank attraktiver als eine erfolgreiche Umschuldung. In anderen Worten, die finanzkrisenauslösenden CDS werden von den staatlich aufgepeppten Investmentbanken erfolgreich eingesetzt, um angeschlagene Banken mit traditionellem Kerngeschäft auszuschlachten.
Der Sieger heißt vor wie nach der Krise: der gierige und ungezügelte Kapitalmarkt.
Ich muss dem amerikanischen Finanzminister Tim Geithner meine ehrliche Hochachtung aussprechen, seine Rolle als Spinne im Netz des Wall-Street-Finanzklüngels spielt er einfach nur oscarreif. Ich wette, er hat sein Drehuch für die ersten 3 Teile der Finanzkrisensaga bereits an unseren Serien-Apokalyptiker Roland Emmerich verkauft. Bei diesem grandiosen Vorspiel bin ich auf das Finale gespannt. Bestimmt hat Geithner irgendwo noch eine Giga-Finanzblase in der Hinterhand. Welche wird das nur sein?
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17. Oktober 2009 von stillewasser |
Kategorie Finanzkrise Satire USA Wirtschaftskrise
Schlagworte Bank of Amerika CDS CIT Roland Emmerich Tim Geithner
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