Wasserkopf Finanzwirtschaft
Die Verbriefungsmärkte, welche die Saat der Weltfinanzkrise legten, müssen wiederbelebt werden. “Diesem Anliegen muss höchste Priorität zugesprochen werden”, sagte der Deutschlandchef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Ansonsten droht - wer hätte das geahnt - die alternativlose Kreditklemme. Bei diesen bekannten Horrorszenarien aus Bänkerkreisen überkommt mich ein unheilvolles Déjà-vu, ob dies auch bei unserer neuen Alt-Kanzlerin der Fall ist?
Es sieht ganz danach aus, dass alle Verantwortlichen aus Politik und Finanzwirtschaft wirklich rein gar nichts aus der Krise gelernt haben. Jetzt soll also wieder der Turbo des ungezügelten Finanzkapitalismuses gezündet werden.
Nach der Krise ist vor der Krise.
Kann das wirklich sein? Ja, denn bisher wurden nicht einmal die Symptome der Krise bekämpft. Das bisherige Rezept hieß nur: das alte systemische System muss wiederbelebt werden, koste es den Steuerzahler was es wolle.
Im letzten Jahr platzte die Subprime-Blase und der Finanzwelt ging die Luft aus. Die Regierungen mussten schnell reagieren, um den vollständigen Kollaps zu vermeiden. Bevor das aufgeblähte Finanzwesen in sich zusammen fallen konnte, wurde es mit Unsummen billigen Zentralbankgeldes voll gepumpt - egal wie marode die Institute waren, denn alle waren plötzlich systemisch und durften nicht mehr kollabieren. Eine notwendige Marktbereinigung im Finanzwesen, die sinnigerweise vor den imensen Staatshilfen hätte stattfinden sollen, gab es bisher nicht. Kein Wunder also, dass der Chef der deutschen Bankenaufsicht, Jochen Sanio, die Überkapazitäten im Bankensystem bemängelt und ein Bankensterben prophezeit. Die notwendigen Instrumente, um im Notfall auch systemrelevante Banken zerschlagen zu können, werden zur Zeit durch die neue Regierung geschaffen.
Die Krise nimmt merklich unbemerkt wieder Fahrt auf und strebt einem weiteren Kulminationspunkt entgegen. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob sich die Bänker wie gewohnt behaupten und der Wasserkopf des Finanzsystems wieder mit verbriefter Heißluft aufgeblasen werden darf oder ob es die Politik diesmal endlich wagt, die Ursache der Krise zu bekämpfen: mutig und konsequent die krankhaften Auswüchse aus dem Finanzsystems heraus zu schneiden.
Die aktuellen Signale aus der Politik sind äußerst nichtssagend: unser neuer Finanzminister Schäuble fährt nach seinen eigenen Worten erst einmal auf Sicht und das zudem mit der alten Mannschaft. Schäuble hält an der umstrittenen Personalie Asmussen fest tortz seiner tiefen Verstrickung mit der Finanzkriseund seiner unheilvollen Rolle während der Deregulierung des Finanzmarktes. Wieso gerade dieser SPD-Staatssekretär vor dem Fall in die Bedeutungslosigkeit von der neuen CDU-Regierung bewahrt wird, ist eine dieser unzähligen von unserer Qualitätsjournaille ungestellten Fragen. Egal, wer wie unser mit allen Wasser gewaschene Finanzminister den perfekten Nicht-Umgang mit Schmiergeldern beherrscht, für den ist das Umspritzen eines Parteibuches nur eine kleine Fingerübung.
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29. Oktober 2009 von stillewasser |
Kategorie Finanzkrise Politik
Schlagworte BaFin Jörg Asmussen Jürgen Fitschen Jochen Sanio Soffin TINA Wolfgang Schäuble
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