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Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes

zurueckbeissenIn einem lesenswerten Artikel verteidigt Marc Beise auf der Süddeutschen die Billiglöhner. Dies ist auch überfällig, denn beim Ausbau des Niedriglohnsektors wurde so einiges falsch kommuniziert. Der aktuelle Sicherheitsskandal auf dem Münchner Flughafen hat diesen Missstand schonungslos offen gelegt. Marc Beises Nachhilfe in Sachen Neoliberalismus ist daher überfällig. Insbesondere ein vermutliches Fehlverhalten der Billigsicherheitslöhner soll dem gewöhnlichen Fluggast und nichtsahnenden Terroristen seine Unschuld belassen haben. Wieso blieb eigentlich die in den Ausbildungsdrehbüchern beschriebene Schießerei aus? Wieso explodierte das als Bombe identifizierte Laptop nicht mit cineastischen Pyroeffekten bereits effektvoll im Scanner?

Diesen Fragen werden im Artikel von Marc Beise nicht beantwortet, dafür fördert seine messerscharfe Analyse eine überraschende Tatsache zu Tage: die Billigsicherheitslöhner stehen vollkommen ungerechtfertigt in der Kritik! Das Fliegen gehört nun mal zu den gewöhnlichen Wegwerfartikeln unserer Konsumgesellschaft, denn Geiz und billig sind geil - auch bei Sicherheitskontrollen. Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass Billiglöhner gut arbeiten sollen, aber eben nicht für Geld. Das Privileg, gutes Geld zu verdienen, gebührt allein unseren Leistungsträgern. In der Krise haben diese Stützen der Gesellschaft bilderbuchhaft vorexerziert, dass das neoliberale Dogma “mehr Geld = bessere Arbeit” völliger Schwachsinn ist. Sollte sich ein Neoliberaler diesen Slogan auf seinen Arsch tätowiert haben, hätte er jetzt ein fettes Problem. Hinter den Exzessen bei Managergehältern und Bänker-Boni stand keine bessere Leistung, sondern schlicht die erfolgreiche Akkumulierung von Unvermögen nach dem Peter-Prinzip.

Die populistische Forderung, an den Sicherheitsschleusen Beamte oder - noch schlimmer - gut bezahlte private Sicherheitskräfte zu postieren, geht daher am Kern des Problems vorbei. Denn billig muss billig bleiben, sonst lohnt es sich nicht mehr. Nur wenn den hart arbeitenden Sicherheitsleuten die notwendige Beachtung und ein gewisser Respekt nicht nur von den Passagieren sondern gerade von den Terroristen entgegen gebracht werden, entsteht für alle Beteiligten eine problem- und konfliktlösende Win-Win-Situation. Noch eine weitere wichtige Lehre aus diesem Vorfall ist: Würden die Sicherheitskräfte wie unsere Leistungsträger funktionieren, wären die Kontrollen zwar nicht mehr bezahlbar, dafür sänke das Sicherheitsniveau aber auch komplett auf Null.

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25. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch Satire
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4 Antworten zu “Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes”

  1. Frank Benedikt
    25. Januar 2010 um 04:23

    Gut das ;-)

  2. stillewasser
    25. Januar 2010 um 16:59

    Danke :-)

  3. willi
    29. Januar 2010 um 11:58

    Stümperei, was die da am Flughafen abgeliefert haben.
    So sieht das aus, wenn Profis bei der Arbeit sind:
    http://lilysussman.wordpress.com/2009/11/30/im-sorry-but-we-blew-up-your-laptop-welcome-to-israel/

  4. stillewasser
    29. Januar 2010 um 12:18

    @willi
    Das ist wirklich die Lösung! Wenn unsere Billigsicherheitslöhner am Flughafen schießen dürfen, dann würde sich die Frage nach der Motivation erübrigen. Und die Laptopindustrie würde sich sicherlich auch freuen …

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