Icelove
Island stand schon einmal im Zentrum einer stürmischen Entwicklung. Als das einstige neoliberale Musterland mit seinen fragwürdigen Finanzprodukten Schiffbruch erlitt, musste die Regierung - es drohte ein Staatsbankrott - die drei größten Banken des Landes in einer dramatischen Aktion verstaatlichen. Island konnte sich von seiner schweren Krise noch nicht erholen, die Altschulden drücken und die spärliche Wirtschaft ist am Boden. Aus dieser prekären Situation sucht Island verzweifelt einen Ausweg und zieht dabei auch unkonventionelle Lösungen in Betracht. Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, ist wirklich visionär:
Island soll der erste Datenfreihafen der Welt werden!
Island bereitet einen parlamentarischen Entwurf vor, der die besten Gesetze zur Informationsfreiheit aus allen Teilen der Welt zum Vorbild nimmt und zu einem einheitlichen Konzept eines Datenfreihafen zusammen fügt. Diese außergewöhnliche Idee stammt von Wikileaks, ein in aller Welt beachtete Projekt, das die anonyme Veröffentlichungen brisanter Dokumente ermöglicht. Wikileaks.org sucht nach einem neuen, sicheren Heimathafen, denn der bisherige in Schweden ist für die hohen Anforderungen nicht ausreichend. Die Anonymität der Quellen muss nicht nur technisch, sondern auch juristisch gewährleistet sein, sonst kann das Projekt nicht dauerhaft bestehen.
Auf neudenglisch ist das eine sogenannte Win-Win-Situation. Island könnte mit dem Konzept des Datenfreihafen zum Vorreiter der Informationsgesellschaft werden. Wikileaks hilft bei dessen Aufbau und erhält im Gegenzug das dringend benötigte sicheres Umfeld.
Wer dieses bisher einmalige Projekt unterstützen möchte kann sich auf der Seite Icelove in eine Unterstützerliste eintragen und dem isländischen Gesetzesvorhaben zum Erfolg verhelfen.
Und welche Schritte gibt es in Deutschland in Richtung Informationsgesellschaft? Unter der herrschenden Doktrin des weiter-so werden alle Diskussionen, Ideen oder Visionen abgewürgt, Deutschland ist im Internet bestenfalls ein Entwicklungsland. Als “Innovation” wird in diesem Land ein “modernes” Jugendschutzgesetz diskutiert, das im Internet “Sendezeiten” einführen möchte.
In Frankreich gibt es bereits das Hadopi Gesetz, das Internetsperren erlaubt, im Googleversum von YouTube gilt das Prinzip Löschen für Lobbyisten und der Rest der Welt sieht auch nicht besser aus. Das klingt alles fast schon wie Asterix und Obelix: “Wir schreiben das Jahr 31 nach ARPANET. Die Lobbyisten halten fast das ganze Internet besetzt. Nur eine kleine nordische Insel leistet ihnen noch Widerstand …”
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21. Februar 2010 von stillewasser |
Kategorie Aktion Finanzkrise Neoliberalismuskritik SZ Watch Zensur
Schlagworte Bananenrepublik Entwicklungsland Google HADOPI Informationsgesellschaft Island Wikileaks YoutTube













