Spieglein, Spieglein …
Spieglein, Spieglein in der Hand: sage mir, wer ist das größte Lügenblatt im Land?
Diese Frage stellt sich spätestens seit aus dem demokratischen ein unterwürfiges Sturmgeschütz geworden ist, wie die FAZ erstaunt feststellten musste, als sie die Hofberichterstattung des SPON über den Verteidigungsminister Guttenberg kritisierte. Nicht erst seit Henryk M. Broder, ein gerichtlich anerkannter Pornoverfasser, beim medialen Flaggschiff anheuerte, hat sich der Wind gedreht und der Spiegel schippert in den trüben Gewässern des Boulevards.
Noch hat das einst stolze Magazin mehr Schwarz im Logo und auch auf den Papier- und Online-Seiten, aber der Abstand zur Bild schmilzt von Woche zu Woche.
Investigativer, gut recherchierter Journalismus mit aktuellen, pointierten Analysen, all das sind Eigenschaften des Spiegels, die dem neoliberalen Mainstream geopfert werden mussten: Die PR geht vor journalistischer Objektivität und die Qualität muss den schnellen Sensationsmeldungen weichen.
Heute gibt es nur noch wenige Artikel im Spiegel, die wehmütig an die gute alte Zeit des traditionsreichen Magazins erinnern. Die Berichterstattung des Spiegels zur Griechenlandkrise erfüllt dieses Kriterium jedenfalls nicht. Dr. Jahnke bezeichnet sie treffend mit Schmieren-Journalismus:
Warum können auch nur normal mit Intelligenz versorgte Journalisten eigentlich nicht begreifen, daß eine Bilanz zwischen zwei Ländern immer aus zwei Teilen besteht und daß nie nur ein Teil die Verantwortung trägt? Warum wird nicht begriffen, daß unterschiedliche Lohnkosten nicht nur zu Wettbewerbsnachteilen führen, sondern auch zu meist unberechtigten Wettbewerbsvorteilen? Wie doof sind eigentlich heutzutage SPIEGEL-Journalisten, die einmal zur Creme des deutschen Journalismus zählten? Das ist alles mehr als ärgerlich. Das ist ziemlich haargenau auf BILD-Niveau. Früher nannte man das „Schmieren-Journalismus”. Armes Deutschland!
Tja, und dann gibt es noch das hartnäckige Gerücht, der Spiegel sei links. Das ist Quatsch, vielmehr ist er ein Verein altersseniler Konvertiten, ehemaliger Linker also, die um die Aufmerksamkeit des Elitariats buhlen und daher gegen alles linke geifern. Trotz seiner offensichtlichen geistig-moralischen Kehrtwende wird der Spiegel weiterhin von links nach rechts gelesen werden müssen, denn stärker als das 68′er Traumata ist und bleibt seine Islamophobie.
Die Bandbreite hat ebenfalls in den Spiegel geschaut und erkennt ihn nicht wieder:
27. März 2010 von stillewasser |
Kategorie Fundstücke Medienkritik Musik Neoliberalismuskritik Satire
Schlagworte 68 Bandbreite geistig-moralische Wende Henryk M. Broder Spiegel SPON
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