SZenso

unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Zurückbeis(s)en (3): Der Blut-, Schweiß- und Tränentango

zurueckbeissenIch mag Blut-, Schweiß- und Tränenreden, ihren aufstachelnden Pathos, mit dem jedes Wort durchtränkt ist und von dem jedes einzelne die gnadenlose Kraft besitzt, die hartzige Dekadenz aus Kopf und Gliedern aus zu treiben. Dieser unbändige Drang, die dem hypnotisierten Leser eingeimpft wird und ihn nach neuen Ufern verlangen lässt, ist die überfällige Antwort auf altersstarre Verkrustungen, die ihrem Aufbrechen harren. Der glühenden Rede folgt die epochale Tat!
Nur sollen solche Reden zu Blut-, Schweiß- und Tränen treibenden Taten anstacheln und sie nicht bereits beim Lesen fließen lassen, wie dies bei Marc Beises Tangotanz zumindest bei mir der Fall war.

An der deutschen Exportfixierung soll die Welt genesen, so das alternativlose Mantra des Klosterbruders des Neoliberalismus. Diese Kernthese der neoliberalen Ideologie hat ein Problem, das sie mit allen Ideologien teilt: die Realität. Wenn uns die Nachbarn, wie nun die französischen Finanzministerin Christine Lagarde, beständig und immer mehr vernehmbar kritisieren, liegt das allein daran, dass sie mit ihren Vorwürfen recht haben.

Eine der Lehren aus der Weltwirschaftskrise sollte nämlich sein, dass Ungleichgewichte Krisen verursachen. Im Fall der chinesischen Devisen erreicht diese Erkenntnis noch das neoliberal vernebelte Gehirn, im Falle unserer eigenen Exportsünden nicht mehr.

Dabei ist die Grundregel aus der Volkswirtschaft leicht verständlich: die Überschüsse des einen sind die Defizite des anderen. Die Defizite müssen und werden irgendwann abgebaut. Daher kann ein Land kann nicht unendlich lange Exportüberschüsse erwirtschaften, irgendwann erfolgt die Anpassung. Und diese erfolgt - hoppla - zu Lasten des Exporteurs. Denn der Exportüberschuss ist kein erwirtschafteter Gewinn, sondern vielmehr eine erbrachte Leistung, die noch nicht bezahlt wurde. Ob wir jemals einen entsprechenden Gegenwert erhalten werden, ist fraglich. Die “Bezahlung” könnte aus Staatspleiten oder Inflation bestehen. In der heutigen Zeit wahrlich kein unrealistisches Szenario mehr. Unser angehäufter Exportüberschuß würde sich einfach wohlwollend in Nichts auflösen.

Was würde eigentlich passieren, wenn alle Nationen Beises’ Exportwahn seines Wirtschaftstangos verfallen würden? Wohin sollen dann die ganzen Exporte exportiert werden? Ins Meer, auf den Mond oder zum Mars vielleicht? Dieser Weg bietet keine Lösung, er ist nur dumm, mehr nicht.

Das Festhalten an der neoliberalen Ideologie mit seiner krankhaften Exportfixierung wäre verständlich, wenn es Wohlstand schaffen könnte. Das kann sie aber nicht. Im Gegenteil,  überall wird unser Wohlstand abgewrackt und verhökert. Der Staat und die Gemeinden bluten aus und die einzige Gegenleistung ist der wachsende Reichtum des Elitariats. Es ist eine Ideologie der Kannibalisierung des Wohlstands anderer.

Wir brauchen keinen neoliberalen Tango del Beise, der deutschen Hüfte fehlt ohnehin die dafür nötige tänzerische Grazie. Wir brauchen Bier, Schunkelmusik und eine Wiedergeburt der Mädels vom Immenhof - ist doch wahr :-)

Lesenwerte Links zum Thema:


16. März 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch
Schlagworte


http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/delicious_24.png http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/google_24.png http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/myspace_24.png http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/facebook_24.png http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/yahoobuzz_24.png http://www.szenso.de/wp/wp-content/plugins/sociofluid/images/twitter_24.png

2 Antworten zu “Zurückbeis(s)en (3): Der Blut-, Schweiß- und Tränentango”

  1. willi
    16. März 2010 um 04:15

    Der Markt regelt das doch alles von selbst ! Man muss doch nur dran glauben. Gib deinem Herzen einen Stoß und überwinde deine Verzagtheit;-), dann klappt das schon und auch du wirst das Licht sehen und es wird strahlend hell sein. Du wirst Say,Smith und Friedman milde lächeln sehen, die dich freundlich willkommen heißen werden in Reich der Verzückung und des neoliberalen Wahns.

    Wenn nicht: Andere Drogen versuchen.

    Beise hat wohl aus der Tatsache, das er seinen Job bei der SZ im Gegensatz zu vielen Kollegen noch hat den irrtümlichen Schluss gezogen, dies sei in seiner Klugheit und überragenden Kompetenz begründet.
    Bei mit hat er die Tags Hassprediger, Fundamentalist, Irrläufer, Ewiggestriger.

  2. stillewasser
    16. März 2010 um 10:37

    @willi
    Ich mag Beise, bei ihm zeigt sich so schön die kindliche Naivität des Neoliberalismus. Er glaubt ganz ganz fest an ihn. Andere Ideen oder Konzepte, die sich mit Fakten und der Realität befassen, lässt er links liegen: “Nein, meine Suppe es ich nicht” So magert er vor sich hin …

Schlagworte

Aktionen