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Hartz IV für Griechenland

griechenlandWow, wir sind wieder wer! Wer sein Blut auf den Schlachtfeldern der Ehre vergießt und Herz und Motor Europas ist, der darf ruhig auch mal sagen, wo es lang geht. Und eines ist ja wohl klar, wenn wir in spät römischer Dekadenz versinken, dann gibt es unseren südländischen EU-Mitgliedern noch lange nicht das Recht, es noch besser zu machen als wir!

Was würden wir ohne unsere gute, alte Bildzeitung machen? In ihrer moralisch autoritären Arroganz vermag sie dank der Kraft ihrer Schlagzeilen die richtigen Worte der Hetze in das willige Hirn der stumpfen Masse zu klopfen. Nur das eine oder andere Weichei wendet sich von der gerechten Empörung des Volkes ab, aber ansonsten steht die Heimatfront geschlossen gegen den innereuropäischen Feind!

Für Probleme gibt es immer einfache Lösungen, vor allem der Probleme anderer! Am Euro kann es nicht liegen, der ist - wie wir alle wissen - ganz lieb und teuer. Und schließlich haben sich die Griechen trickreich und hinterlistig in die Währungsunion hinein gemogelt. Damit konnte doch wirklich keiner rechnen, vor allem kein EU-Finanzpolitiker. Und das ein Exportweltmeister wirtschaftliche und somit auch finanzielle Ungleichgewichte schafft, das ist und bleibt nun mal alternativlos. Die Spekulanten auf dem Finanzparkett sind  gewiss nicht für die griechische Tragödie verantwortlich, denn sie verrichten nur Gottes Werk. Die enormen Militärausgaben sind auch keine Ursache der Misere, sie sind vielmehr eine sinnvolle Investition in die Zukunft - der Griechenlands und unsere.

Wer ein komplexes Problem nicht auf einen einfachen Nenner bringen kann, der kapiert nicht, wie die Welt funktioniert: wenn es ums Geld geht, haben wir Deutsche das sagen und alle anderen halten ganz einfach das Maul! Wenn wir sagen, die faulen Griechen mit ihrem korrupten und prassenden Staat, sind ganz alleine Schuld, dann ist das auch so! Ach, und so einem Pack darf man natürlich keinen eigenen Staat überlassen. Es wird Zeit, dass die EU nach dem Rechten schaut und dort mal richtig ausmistet!

Psst, habt ihr es eigentlich bemerkt? Griechenland wird der erste inoffizielle EU-Hartz IV Bezieher!  Endlich gibt es eine Schicht unterhalb unserer Unterschicht! Künftig kann sich der Hartzer, wenn wieder seine Menschenwürde minimiert wird, sich mit dem Gedanken trösten, dass es in Griechenland noch ärmere Schweine gibt als ihn. Das nenne ich mal eine gute Außenpolitik.
Danke Merkel, danke Guido!

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30. April 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Satire
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5 Antworten zu “Hartz IV für Griechenland”

  1. Hartmut Holz
    30. April 2010 um 15:09

    Klar, dass der deutsche Steuerzahler für die finanzielle Misere, in Griechenland, aufkommt.

    Dieses Land hätte erst gar nicht in die Euro Zone aufgenommen werden dürfen. Aber die Schwierigkeiten,
    die Griechenland hat, wurden ja von der dortigen Regierung ganz geschickt kaschiert.

    Die Verantwortlichen, der EU, sollten jetzt daraus lernen und die Eruopäische Union nicht mehr weiter erweitern.

  2. stillewasser
    30. April 2010 um 15:48

    @Hartmut Holz
    Ich hatte lange gezögert, etwas über die griechische Tragödie zu schreiben. Es ist ein vielschichtiges und tiefgreifendes Problem, das uns noch lange erhalten bleibt.

    Der Euro ist ein politisches Konstrukt. Leider sind fundamentale Prinzipien des Wirtschafts- und Finanzmarkts nicht beachtet worden und mussten sich dem politischen Diktat unterordnen. Die Maastricht-Kriterien sind untauglich und nichts anderes als ein Geburtsfehler, wie sich jetzt zeigt.

    Zu den griechischen Tricksereien: Es gehören zu einer erfolgreichen Täuschung zwei dazu. Mir bereitet es ziemliche Bauchschmerzen, wenn es die EU nicht schafft, solche Tricksereien zu erkennen und zu beheben. Ich persönlich glaube sowieso, sie waren bekannt und wurden stillschweigend geduldet.

    Eine Erweiterung wäre jetzt ein finanzpolitisches Selbstmordkomando. Die Frage ist vielmehr, ob der Euro die Krise überstehen wird. Die Zahl der Zweifler wächst, seit kurzem zählt auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz zu ihnen:
    http://www.weissgarnix.de/2010/04/30/so-is-the-euro-itself-in-danger-in-a-word-yes/

  3. Rüdiger Steinbeck
    1. Mai 2010 um 08:29

    Ausgezeichnetes Statement!
    Jedoch wird schon am ersten Kommentar deutlich, das leider nur wenige verstehen, was der Autor mit seinem gesunden Zynismus dabei unmissverständlich zum Ausdruck bringt.
    Armes, dummes Deutschland,
    Du bist es nicht wert stolz auf dich zu sein.

  4. ebook leser
    1. Mai 2010 um 11:49

    10 Jahre dauert die Sanierung Griechenlands. 140 Milliarden Euro für die ersten 3 Jahre. Das ist ein Fass ohne Boden und wofür. Dass unsere Politiker geschlafen haben. Ich finde das unfassbar. Die ganzen Politiker, egal ob die deutschen oder die aus Griechenland haben ihre Unfähigkeit bewiesen. Warum ist das für die ohne Konsequenzen? Darüber sollte man mal nachdenken.

  5. stillewasser
    1. Mai 2010 um 20:58

    @Rüdiger Steinbeck

    Ja, außer Zynismus bleibt mir wenig.
    Wenn ich verstanden werde, wäre das etwas ganz tolles, denn ich verstehe mich selbst nicht ;-) Im Ernst, wenn sich die Leser mit meinen Artikeln beschäftigen, bin ich mehr als zufrieden. Ich kann nur einer der vielen steten Tropfen sein.

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