Die „Kriegsakte“ der Süddeutschen
Von Frank Benedikt
Man muß ja als Leser der Süddeutschen Zeitung schon seit langen Jahren so einiges ertragen, nicht zuletzt die oft unsäglichen Kommentare eines Stefan Kornelius, aber heute, heute ist er zu weit gegangen. Diese wilden Phantastereien muß man sich nicht mehr anhören: Nordkorea hat mit der mutmaßlichen Versenkung einer Korvette einen „Kriegsakt“ begangen und „sucht die Konfrontation“. Wieviel Unwissen oder aber gezielte Desinformation gehört dazu, derlei zu schreiben?
Unwissenheit sollte man bei jemandem wie Herrn Kornelius nicht voraussetzen, denn er hat Politikwissenschaften und Geschichte studiert und sein Handwerk auf der Henri-Nannen-Schule gelernt. Bei der Süddeutschen ist er seit 2000 Leiter des außenpolitischen Ressorts, wie jeder beispielsweise beim Branchendienst Kress nachlesen kann. „Unwissend“ dürfte er demnach nicht sein. Was ist er aber dann?
Ein Desinformant? Ein Agent Provocateur? Cui bono? Nordkorea hat unter dem Diktator-Lebemann Kim Jong-Il bestimmt andere Sorgen, als ausgerechnet jetzt den geparkten Krieg mit seiner südlichen Hälfte fortzusetzen (Panmunjeom war ja nur ein Waffenstillstand). Selbst wenn die Nordkoreaner die Korvette versenkt hätten, wäre dies nur ein – zugegeben ernster – Zwischenfall, aber kein Kriegsgrund, weshalb Kornelius auch nicht die Zurückhaltung Südkoreas preisen muß. Für Lockerbie wurde Gaddafi verantwortlich gemacht und Libyen bombardiert – warum also nicht im Zweifelsfalle „tit-for-tat“? Südkorea ist nicht so schwach, wie der Autor einen glauben machen möchte und hat den mächtigsten Verbündeten der Gegenwart an seiner Seite: die USA. Diese sind immer noch Schutz- und Garantiemacht und würden die Gelegenheit, einem der auf der „Achse des Bösen“ verorteten Länder eine „Lektion zu erteilen“, bestimmt nicht gerne ungenützt lassen.
Gebombt wird aber (derzeit) nicht und Herr Kornelius muß sich fragen lassen, woher er seine Weisheiten bezieht, die er da in einem großen Medium in die Welt posaunt. Vielleicht ist er aber auch nur damit überfordert, Neologismen wie „betonisiert“ zu schöpfen. Um meinen Kollegen Jens Berger zu zitieren: „Man weiß so wenig“
21. Mai 2010 von stillewasser |
Kategorie Krieg Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch
Schlagworte Nordkorea Stefan Kornelius
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