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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Krieg muss sich lohnen

militaerkoehlerSchön, jetzt haben es auch die Qualitätsmedien bemerkt, was unser Bundeshotte so alles über Krieg und Wirtschaft gesagt hat, nachdem sie schon das Weißbuch der Bundeswehr nicht richtig lesen konnten. Natürlich war es wieder missverständlich, wieder eines dieser Kommunikationsprobleme - wenn man es nur richtig versteht, war es alles rechtens, was unser Oberhaupt  sagte.
Mit einem Friedensnobelpreisträger an unserer Seite und einem Wisch von der UN - ist wegen der Akten -  könne wir unser  Grundgesetz ruhig stecken lassen und bedenkenlos zu den Waffen greifen. Militär und Krieg ist doch das Normalste der Welt für uns Deutsche, schließlich sind wir die einzigen Weltkriegsweltmeisterverlierer.

Fassen wir uns mal kurz an die eigene Nase: wir haben die falsche Einstellung! Wenn wir uns ganz, ganz fest vornehmen, dann schaffen wir alles was wir wollen und ganz bestimmt gewinnen wir dann den Afghanistankrieg.
Und eines dürfen wir nicht vergessen: unser aller Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt! Das ist so sicher, wie “den Gürtel enger schnallen, um Wachstum zu schaffen und unseren Wohlstand zu mehren”, oder es hat den gleichen Effekt, wie “weniger tanken, um viel, viel weiter fahren zu können”. An diese Floskeln müssen wir einfach glauben, weil sie einfach keinen Sinn ergeben.

Okay, das Thema ist ernst, denn beim Geld hört schließlich der Spass auf. Rechnen wir lieber zur Auflockerung ein paar Lehrbuchbeispiele des Wirtschaftskriegs durch, um die Kriegsrendite exakt erfassen zu können:
Ein Handelsweg ist durch Piraten unsicher geworden. Eine Ausweichroute ist um 130 % länger, die Produkte verteuern sich dadurch im Durchschnitt um 3 %. Wie viel Liter  deutsches Soldatenblut darf fließen, damit alle ohne Reue weiter im Rabattrausch konsumieren können?
Oder eine andere Rechenaufgabe: wie können wir, wie unser Verteidigungs?minister großmundig amkündigte, im Verteidigungs?haushalt sparen, ohne das unsere Schlagkraft sinkt? Klar, das ist einfach, ihr habt natürlich recht: Mehr Ossis und 1 Euro Jobber an die Front.

Großes Potential sehe ich im direkten Sponsoring der Bundeswehr durch die Konzerne. Machen wir es wie unser großes Vorbild USA, die ihre irakischen Militärbasen Shell und Exxon tauften. Eine Möglichkeit der Umsetzung wäre, bei den Beerdigungen der Soldaten die triste schwarz-rot-goldene Flagge  durch ein ansprechendes gestaltetes Sponsorenleichentuch auszutauschen, das mit den Logos der am Militäreinsatz beteiligten Unternehmen bedruckt ist.
Übrigens, einen Börsengang der Bundeswehr halte ich mittelfristig für alternativlos, es wäre eine der wenigen krisenfesten Aktien die wir hätten.

Für diese Neuausrichtung der Bundeswehr ist die Wehrpflicht völlig ungeeignet. Ein denkender Bürger stirbt nun mal ungern für inkompetente Politik und billigen Konsumkitsch. Eine gut abgerichtete und bluthungrige Berufsarmee ist weitaus besser für die kommenden Aufgaben geeignet. Eine Professionalisierung vereinfacht nicht nur das Töten und Sterben, auch die Frontbilder und die Berichte der aufklärerisch korrekt eingebetteten Reporter können für die Heimatfront qualitativ hochwertiger produziert werden. Es ist eine Win-Win-Win-Situation aus dem neoliberalen Lehrbuch!

Also, alles ist bestens! Folgen wir unserer Mutti und unserem Bundeshotte, sie werden unsere Nation wieder in eine sieg- und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft führen!

Lesenswerte Links zum Thema:


28. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik Satire
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