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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Mixa

kreuzEs gibt Menschen, über die möchte ich nicht schreiben. Der Grund ist einfach: sie erhalten ohnehin einen viel zu großen massenmedialen Raum, den sie leider auch noch auszufüllen wissen. Ich meine damit Menschen wie Mixa, an deren Lippen die Qualitätsjournaille hängt und die jedes Räuspern in dem medialen Äther schicken, um es tausendfach verstärkt jedem Idioten ins Hirn zu prügeln.

Doch diesmal ist etwas sonderbares passiert. Herr Mixa ist zu weit gegangen. Tatsächlich, es gibt sie doch noch: eine Schmerzgrenze für Stumpfsinn.
Der Wind hat sich gedreht und die Journaille zerfleischt ihren einstigen Schlagzeilenserienlieferanten. Sie zeichnet ein Bild eines alkoholkranken Menschen, dessen Realitätssinn schwer gestört ist. Wenn dem so ist und diesmal glaube ich sogar unseren Medien, dann wirft das für unseren Journalismus ein ernstes Problem auf:
Eine solche Krankheit entwickelt sich nicht von heute auf morgen und bei der geschilderten schwere der Symptome müssten sie für jeden leicht erkennbar sein. Die entscheidende Frage lautet also:

Wie konnten unsere Qualitätsmedien diesen offensichtlichen Realitätsverlust eines Menschen so lange Zeit nicht bemerken?

Ich komme nur auf eine einzige Antwort: Die Qualitätsmedien selbst verfügen über keinen tragfähigen Realitätssinn.

Den Medien mache ich im Fall Mixa einen schweren Vorwurf: sie selbst haben durch das von ihnen geschaffene Produkt des Medienmenschen Mixa die Krankheit des Menschen Mixas verstärkt. Mixa wurde von unseren Medien in seinen kruden Anschauungen unterstützt, wie es selten Menschen in unserem Land erfahren durften.
Wenn jetzt berichtet wird, das Mixa für Kritik und gut gemeinte Ratschläge nicht mehr erreichbar war, so verwundert mich das nicht. Er konnte sich einreden, wenn es als Titelgeschichte in den großen Zeitungen steht, dann kann ich ja nur Recht haben. Und ich frage mich ernsthaft: wie viel Schlagzeilen sind wohl dabei entstanden, dass sich Mixa und ein Chefredakteur bei einem gemütlichen Zusammensein gemeinsam unter den Tisch gesoffen haben?

Unsere Medien haben sich völlig unkritisch zum Sprachrohr für realitätsferne Anschauungen gemacht. Das ist leider kein Einzelfall. Unsere Medien fühlen sich von persönlichkeitsgestörten Menschen geradezu angezogen. Je schräger die Meinung, desto größer wird die Schlagzeile. Diese Boulevardisierung hat längst selbst seriöse Zeitungen erfasst.

Der bisher einmalige Fall Mixas sollte genutzt werden, um die Rolle des Journalismus kritisch zu hinterfragen. Erst bauten die Medien einen kranken Menschen zu einer Meinungsikone auf und dann treten sie die persönliche Tragödie dieses Menschen in aller Öffentlichkeit breit. Ich halte beides für ein widerliches Armutszeugnis unserer Qualitätsmedien.


20. Juni 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik
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2 Antworten zu “Mixa”

  1. Peleo
    21. Juni 2010 um 07:58

    Schon wahr. Aber so a ganz unschuldigs Opferlamm ist der Mixa halt auch wieder nicht.

  2. stillewasser
    21. Juni 2010 um 15:12

    @Peleo

    Ich habe den Beitrag im Verlustschmerz geschrieben. Es kann sein, dass ich über das Ziel hinausgeschossen bin :-D

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