Hofberichtblogging (17): Grüße aus der Sommerresidenz
Unser neuer, dem Politikbetrieb tadellos angepasster Bundespräsident Wulff hat sich aus seiner Sommerresidenz zur Tragödie der Loveparade geäußert und die richtigen staatstragenden Worte gefunden. Er fordert eine “lückenlose Aufklärung der Ursachen” - eine durchaus gelungene und spitzfindige Anspielung auf die Massenpanik, wie ich finde.
Das war es dann auch, denn weitere Forderungen, wie der nach einem Rücktritt Sauerlands, würden die Urlaubsidylle auf Mallorca nur unnötig trüben. Schließlich ist es unserem Oberhaupt nicht zuzumuten, sich auf dem herrschaftlichen Anwesen eines Freundes mit den Niederungen der Politik zu beschäftigen. Und immerhin gehört Herr Sauerland, als CDU-Oberbürgermeister in der SPD-dominierten Ruhrregion, zu den Privilegierten im Hofstaate des konservativen Michels.
Und es ist richtig und wichtig, dass Wulff als Alpha-Tier mit der offensiven Zurschaustellung seiner Filzfreunde eine Duftmarke setzt und uns mit seinem Besuch der Villa seines Freundes auf Mallorca die enorme Reichweite seines Netzwerkes eindrucksvoll vorführt. Es ist eine hinterlistige Strategie, denn nur so ist Wulff vor Attacken des kleinen Koalitionspudels und dessen Wadenbeißers Westerwelle sicher.
Selbst den Urlaub zu einer gelungenen PR-Aktion zu nutzen, das ist - muss ich wirklch zugestehen - nicht nur vorbildlicher Einsatz, das ist schon hohe Politikkunst.
Wünschen wir unserem Wulff noch erholsame Tage unter Seinesgleichen, bevor er sich in Berlin wieder dem Pöbel stellen muss. Und wenn unser Bundespräsident seinen Thron Amtssitz im Schloss Bellevue wieder besteigt, darf er getrost seinen energisch geäußerten Appell nach Aufklärung der Loveparade-Tragödie vergessen. Denn politische Äußerungen im Ausland zählen bei uns zuhause nicht - das ist politischer Brauch.
Obwohl es nicht einmal nötig wäre. Das Auffinden von Verantwortungslücken und die daraus resultierende Schuldlosigkeit aller Beteiligten wäre die ideale Win-Win-Situation: Sauerland, Schaller & Co. wären per Günstlingsjustiz rehabilitiert und die Loveparade hätte ihr würdiges Ende gefunden. Denn es schlösse sich ein denkwürdiger Kreis, die prophetische Kraft des Mottos der ersten Loveparade käme zu ihrem verdienten Ausbruch:
In ganz Schland herrscht wieder “Friede, Freude, Eierkuchen“.
29. Juli 2010 von stillewasser |
Kategorie Hofberichtblogging Satire
Schlagworte Christian Wulff Loveparade
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