Die „Kriegsakte“ der Süddeutschen
Von Frank Benedikt
Man muß ja als Leser der Süddeutschen Zeitung schon seit langen Jahren so einiges ertragen, nicht zuletzt die oft unsäglichen Kommentare eines Stefan Kornelius, aber heute, heute ist er zu weit gegangen. Diese wilden Phantastereien muß man sich nicht mehr anhören: Nordkorea hat mit der mutmaßlichen Versenkung einer Korvette einen „Kriegsakt“ begangen und „sucht die Konfrontation“. Wieviel Unwissen oder aber gezielte Desinformation gehört dazu, derlei zu schreiben?
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21. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (9): die Elite am Boden
Böse Zungen behaupten, die Isländer hätten ihre Ramschpapiere im Schlot des Eyjafjallajökull entsorgt. Egal was im brodelnden Vulkan verbrannt wird, die Asche, die er kilometerweit in die Atmosphäre pustet und über ganz Europa verteilt, hat jedenfalls den ganzen Luftverkehr im Euroraum lahm gelegt.
Das hat für unser armes Elitariat grausame Auswirkungen: es muss auf dem Boden bleiben. Die Oberschicht kann nicht mehr wie gewohnt sorglos über den Dingen schweben, von oben aus dem Flieger herab auf die im anstrengungslosen Wohlstand dekadierte Masse schauen oder sich entspannt der Abgehobenheit in all seiner Arroganz hingeben. Stattdessen müssen unsere selbst ernannten Leistungsträger während der Vulkanstaub den elitären Himmel vernebelt auf dem kargen Boden des Prekariats eine äußerst unangenehme Zeit erleiden. Das gemeine, an seinem Wohnort harzgebundene Volk hingegen genießt die friedliche Stille über ihm:
Das Elitariat ist am Boden und das elitelose Volk fühlt sich wie im polnischen Himmel!
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20. April 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat Medienkritik Politik SZ Watch Satire | Keine Kommentare
Spieglein, Spieglein …
Spieglein, Spieglein in der Hand: sage mir, wer ist das größte Lügenblatt im Land?
Diese Frage stellt sich spätestens seit aus dem demokratischen ein unterwürfiges Sturmgeschütz geworden ist, wie die FAZ erstaunt feststellten musste, als sie die Hofberichterstattung des SPON über den Verteidigungsminister Guttenberg kritisierte. Nicht erst seit Henryk M. Broder, ein gerichtlich anerkannter Pornoverfasser, beim medialen Flaggschiff anheuerte, hat sich der Wind gedreht und der Spiegel schippert in den trüben Gewässern des Boulevards.
Noch hat das einst stolze Magazin mehr Schwarz im Logo und auch auf den Papier- und Online-Seiten, aber der Abstand zur Bild schmilzt von Woche zu Woche.
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27. März 2010 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Medienkritik Musik Neoliberalismuskritik Satire | Keine Kommentare
Asymmetrischer Kommunikationskrieg
Die Greenpeace Kampagne “have a break” war nicht nur erfolgreich, sie hat auch eine virale Diskussion über ethische Propaganda entfacht.
Ethik und Propaganda? Genau, es ist ein Widerspruch in sich und das ist ja auch das Spannende an dieser Auseinandersetzung.
Talkabout hat die Greenpeace Kampagne zunehmend heftiger kritisiert, weil die - inzwischen reiche, bekannte und einflussreiche - NGO in ihrer Kampagne Fakten unterschlägt und die Anschuldigungen gegen Nestlé nicht stichhaltig belegt. Ein Vorwurf, der gegen die Glaubwürdigkeit der Kampagne und gegen Greenpeace gerichtet ist.
Aber, muss eine Kampagne ethisch sein und was genau ist eine ethische Kampagne? Darüber kann trefflich diskutieren werden und genau das wird in zahlreichen Blogs und interessanten Kommentaren gemacht, die auf diese Kritik folgten. Der Metronaut konterte und sieht keinen Imageschaden für Greenpeace. Auch Greenpeace selbst bezieht zu den Vorwürfen Stellung.
Was ist nun die Ethik der PR in der alles durchdringenden Werbung und Hofberichterstattung? Der Profit ist solange unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Das klingt nett und richtig, beachtet aber einen wichtigen Punkt nicht. PR braucht eines: Aufmerksamkeit.
Entweder ich habe die finanzielle Mittel, um eine lange und auf allen Kanälen feuernde Kampagne zu finanzieren, oder ich setze auf emotionsgeladene Werbung, die sich von selbst verbreiten. Eine Low-Budget-Kampagne mit schönden Fakten, die lustlos präsentiert werden, erreicht einen Effekt von genau Null.
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25. März 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik | Keine Kommentare
Zurückbeis(s)en (3): Der Blut-, Schweiß- und Tränentango
Ich mag Blut-, Schweiß- und Tränenreden, ihren aufstachelnden Pathos, mit dem jedes Wort durchtränkt ist und von dem jedes einzelne die gnadenlose Kraft besitzt, die hartzige Dekadenz aus Kopf und Gliedern aus zu treiben. Dieser unbändige Drang, die dem hypnotisierten Leser eingeimpft wird und ihn nach neuen Ufern verlangen lässt, ist die überfällige Antwort auf altersstarre Verkrustungen, die ihrem Aufbrechen harren. Der glühenden Rede folgt die epochale Tat!
Nur sollen solche Reden zu Blut-, Schweiß- und Tränen treibenden Taten anstacheln und sie nicht bereits beim Lesen fließen lassen, wie dies bei Marc Beises Tangotanz zumindest bei mir der Fall war.
An der deutschen Exportfixierung soll die Welt genesen, so das alternativlose Mantra des Klosterbruders des Neoliberalismus. Diese Kernthese der neoliberalen Ideologie hat ein Problem, das sie mit allen Ideologien teilt: die Realität. Wenn uns die Nachbarn, wie nun die französischen Finanzministerin Christine Lagarde, beständig und immer mehr vernehmbar kritisieren, liegt das allein daran, dass sie mit ihren Vorwürfen recht haben.
Eine der Lehren aus der Weltwirschaftskrise sollte nämlich sein, dass Ungleichgewichte Krisen verursachen. Im Fall der chinesischen Devisen erreicht diese Erkenntnis noch das neoliberal vernebelte Gehirn, im Falle unserer eigenen Exportsünden nicht mehr.
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16. März 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch | 2 Kommentare
Schwein gehabt
Erst kam das Grauen in die kleine mexikanische Stadt La Gloria. Doch jetzt breitet sich das Unheil unaufhaltsam aus, erst langsam und dann immer schneller! Die Lage wirde immer hoffnungsloser, immer verzweifelter! Es gibt kein Entrinnen! Die Menschheit ist von ihrem Untergang bedroht! Keiner mag das entsetzliche Grauen bei seinen Namen nennen, nur heimlich flüstert man ihn sich furchtvoll zu: Schweinegrippe!
Was nach der Ankündigung eines schönden Hollywood-Thrillers mit einer schlechten B-Prominenz-Besetzung klingt, war nichts anderes als die Berichterstattung zur angekündigten Grippe-Epidemie. Wie sich jetzt zu fast aller Überraschung herausstellt, war es nur eine hysterische Überreaktion. Der Schweinegrippe-Erreger entpuppte sich als gewöhnlicher Grippevirus, der zudem erstaunlich harmlos war.
Wer sein Hirn nicht durch ein Marketingempfangsgerät ersetzt hatte, der konnte das schon früher wissen. Trotz aller Kommunikationskünststücke der Pharma-PR und der willigen Unterstützung ihrer Hofberichtspresse war eines seit Anbeging offensichtlich: Die angebliche Gefahr bestand überwiegend aus Spekulationen und möglichen Entwicklungen, für eine konkrete Bedrohung einer Pandemie fehlten einfach die harten Fakten.
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13. März 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Satire | Keine Kommentare
Icelove
Island stand schon einmal im Zentrum einer stürmischen Entwicklung. Als das einstige neoliberale Musterland mit seinen fragwürdigen Finanzprodukten Schiffbruch erlitt, musste die Regierung - es drohte ein Staatsbankrott - die drei größten Banken des Landes in einer dramatischen Aktion verstaatlichen. Island konnte sich von seiner schweren Krise noch nicht erholen, die Altschulden drücken und die spärliche Wirtschaft ist am Boden. Aus dieser prekären Situation sucht Island verzweifelt einen Ausweg und zieht dabei auch unkonventionelle Lösungen in Betracht. Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, ist wirklich visionär:
Island soll der erste Datenfreihafen der Welt werden!
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21. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Finanzkrise Neoliberalismuskritik SZ Watch Zensur | Keine Kommentare
Zurückbeis(s)en (2): Die Ausplünderung der Mittelschicht
Es ist bei einer Buchbesprechung üblich, es auch zu lesen. Beim neuen Buch von Marc Beise “Die Ausplünderung der Mittelschicht” habe ich es nicht gemacht, denn für mich zählt die zwanghafte Aneinanderreihung neoliberaler Thesen als Folter. Ich bin daher mehr als froh, dass der Oeffinger Freidenker das Buch gelesen und eine ausführliche Rezension darüber geschrieben hat.
Ich vergreife mich dennoch mal an der Kernthese des Buches: die diffuse Mittelschicht, die empirisch ermittelt werden könnte, was aber tunlichst unterlassen werden sollte, beherbergt die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Diese möchten, können jedoch keine Leistung erbringen, weil sie daran gehindert werden. Schuld an dieser Misere ist natürlich der Staat, weil der Staat hat immer Schuld.
Für Beise fängt seine ominöse Mitte so etwa oberhalb von 100.000 € Jahresgehalt an, da erst ab dieser Höhe der schnöde Mammon auch als Motivator wirken kann.
Die Quintessenz dieser kausalisierten Tautologien ist, dass das lastvolle Leben der leistungsverhinderten oberen Mittelschichtso wie früher in den guten alten Zeiten der römischer Dekadenz auf die unteren Schichten gerecht verteilt werden muss, damit alle den freiheitlichen Blick nach oben auf die über alles schwebenden Eliten, die sich von allem losgelöst haben, geniesen können. Das alles funktioniert nur dann wieder wie FDP-geschmiert, wenn alle das Risiko der Eigenverantwortung auf sich nehmen, weil zuviel Fremdverantwortung sozialistische Arbeitsplätze schaffen könnte. Das darf nicht sein, denn Arbeit ist nur für die da, die sich etwas leisten können, nämlich das Jammern über das eigene Nichtsleisten.
Natürlich übernehme ich keine Garantie, dass ich das nicht gelesene Buch auch wirklich nicht verstanden habe. Wenn ihr also den Neoliberalismus in Textform gegossen in Händen halten wollt, kauft das Buch, oder wer sich nach meinem Plädoyer noch immer dem neoliberalen Götzendienst verweigern möchte, gehe zurück auf Hartz IV.
Lesenswerte Links zum Thema:
13. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Neoliberalismuskritik Satire | Keine Kommentare
Kinder.net
Das Netz muss sauber werden, denn wenn Kinder den ganzen Schmutz sehen ist das nicht gut. Das klingt nicht nur verständlich, das ist es auch. Aber wie soll denn bitteschön das ganze Netz jugendfrei werden? Selbst wenn es gelänge, alle Seiten in Deutschland zu säubern und gefährliche Inhalte hinter Zugangsschranken zu verbergen, was machen wir dann mit den ausländischen Seiten? Für alle sperren, denn irgendwie sind wir alle noch Kinder???
Jugendschutz ist wichtig und es müssen dringend Wege gefunden werden, damit sich Kinder und Jugendliche gefahrlos im Internet bewegen können. Nur darf über diesen Umweg die geplante, aber nicht eingeführte Zensur-Infrastruktur nicht doch noch umgesetzt werden.

(Grafik von marax79 via netzpolitik)
Hintergrundinformationen zum geplanten Jungendmedienschutzgesetz findet ihr auf AK-Zensur: “Der JMStV-Entwurf muss vom Tisch!” oder bei 1&1 zu den Unsicherheiten und Missverständnissen für Internetprovider. Bei Isotopp findet ihr Informationen zur Motivation und Hintergründe von Politik und Massenmedien zu diesem Gesetz sowie ein bereits 10 Jahre alter, aber immer noch aktueller Artikel “Why Internet Content Rating and Selection does not work” (in englisch), der die technischen und sozialen Gründe nennt, weshalb Inhaltsbewertungs- und beschränkungssysteme im Internet nicht funktionieren.
Ein kurioses und aktuelles Beispiel, wohin dieser Irrweg führt: In Australien verlangt die Zensurbehörde nach großbusigen Pornodastellern (in englisch), denn zu kleine Busen wertet die Behörde als Kinderpornographie.
30. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Cartoon Fundstücke Medienkritik Netzneutralität Politik Satire Zensur | Keine Kommentare
Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes
In einem lesenswerten Artikel verteidigt Marc Beise auf der Süddeutschen die Billiglöhner. Dies ist auch überfällig, denn beim Ausbau des Niedriglohnsektors wurde so einiges falsch kommuniziert. Der aktuelle Sicherheitsskandal auf dem Münchner Flughafen hat diesen Missstand schonungslos offen gelegt. Marc Beises Nachhilfe in Sachen Neoliberalismus ist daher überfällig. Insbesondere ein vermutliches Fehlverhalten der Billigsicherheitslöhner soll dem gewöhnlichen Fluggast und nichtsahnenden Terroristen seine Unschuld belassen haben. Wieso blieb eigentlich die in den Ausbildungsdrehbüchern beschriebene Schießerei aus? Wieso explodierte das als Bombe identifizierte Laptop nicht mit cineastischen Pyroeffekten bereits effektvoll im Scanner?
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25. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch Satire | 4 Kommentare








