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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

SZ meets Web-Idiotae

idiotaEs gibt Schranken, die müssen einfach geschlossen bleiben, zum Beispiel ist die Blut-Hirn-Schranke eine solche. Es wäre ja auch echt blöd, wenn sich das Hirn einfach in die Blutbahn ergießen würde. Eine weitere sinnvolle Schranke ist die zwischen den gehaltvollen Qualitätsmedien und dem ach so schrecklich rechtsfreien und chaotischen Internet. Hier werden selbst kleinste Übertretungen sofort bestraft.
Das musste die Süddeutsche erfahren, als sie ihr neues iPhone Applet viral vermarkten wollte. Die Strategie, sich das Bloggerlob der Web-Idiotae auf schnöde Weise zu erkaufen, erntete viel Spott. Qualität ist schließlich nicht käuflich - außer man ist Minister bei der FDP oder eben Kommerz-Blogger. Inzwischen wurde diese Aktion eingestellt und die Social Media Agentur Trigami nahm die Schuld auf sich. Wie problematisch diese pikante Geschichte ist, erklärt Thomas Stadler auf seinem Law-Blog: es könnte sich um unerlaubte Schleichwerbung handeln.
Wie gut, dass es im Internet solche Bezahlschranken gibt. Wenn einfach jeder jeden bezahlen dürfte, wäre das doch glatt Anarchie. Und eine solche Querfinanzierung des Graswurzeljournalismusses  verstößt mindestens gegen 8 verschiedene Paragraphen des Qualitätsjournalismusethos - und das ausgerechnet von der SZ! Es ist besser wenn die Qualitätsmedien ihre Inhalte mit Bezahlhürden beschränken. Das hat seine Berechtigung, ebenso wie die gegenseitige Ausschränkung von Blogosphäre von der umschränkten Qualität des unbezahlbaren Journalismus. Wem das nun zu beschränkt klingt, dem kann ich nur sagen: das ist es auch.
Zum Abschluss noch ein Schlussgeschranke Schlussgedanke. Lassen wir besser die Schranken unten, sonst ergießen sich die Aberbillionen an qualitativen Finanzkapital unkontrolliert und ungehindert in das rechtsfreie Internet. Das kann nun wirklich niemand wollen.


Vau verpasst

das-vEs ist ein schöner Traum gewesen, den uns die gewohnt naiven Top-Ökonomen professionell prognostiziert hatten: ein bisschen Weltwirtschaftskrise, dann kommt der V-förmige Aufschwung und es geht weiter-so wie gehabt.
Ja, es gab eine Erholung - etwas später als qualitätsmedial verkündet -, aber die Erholung ist vorerst gestoppt: Im Vergleich zum Vormonat brach der Maschinenbau um -7,6 % und die Automobilindustrie um -3,3 % ein. So stürmisch wie der Absturz kann der Aufschwung nicht mehr werden.

Die bisherigen Rettungsmaßnahmen haben zwar ihr Ziel erreicht, das Roulette dreht sich wieder und die Banken spendieren ihren Bänkern ihre Bonis - aber zu welchem Preis? Die Summen waren gewaltig, die strukturellen Probleme der Finanzwirtschaft bleiben: ihr aufgeblähter Wasserkopf. Ein weiteres Problem ist, dass jetzt langsam die Konjunkturpakete auslaufen und in Europa - im Gegensatz zu Asien - noch kein stabiler Aufschwung erzielt werden konnte. Weitere Gefahren für das weltweite Finanzsystem gibt es zur Genüge: der Pleite Dubais könnten weitere Folgen, sogar in Europa: Griechenlands Bonität wird deutlich herabgestuft.

Ein kurzer Blick in die Glaskugel verrät mir, die Erholung wird einen typischen WZL-Verlauf nehmen. Besonders der Mittelteil wird noch sehr lustig werden.


Hofberichtblogging (8) … goes mainstream

guttenbergWenn ich in den Spiegel schauen, wird es mir zunehmend unangenehm. Das liegt weder an mir noch an meinem Alter, sondern an der sinkenden Qualität der Zeitschrift. Das einstige journalistische Flaggschiff verkommt zusehends zu einer Boulevardzeitung, das im wesentlichen aus weichgespültem neoliberalen Mainstream besteht. Der kritisch investigativer Journalismus spürt nur noch den Klischees der Randgruppen nach, das Elitariat hingegen wird hofiert.

Dieser bedauernswerte Zustand hat eine Auffälligkeit erreicht, die selbst Qualitätsjournalisten nicht mehr negieren können. Der Bericht im Spiegel über die Afghanistanreise unseres Verteidigungsministers Guttenberg wird in der FAZ so kommentiert:

„Hofberichterstattung” ist gar kein Ausdruck. Sieht man genauer hin, dann fällt auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für blanke Selbstverständlichkeiten gepriesen wird.

Es freut mich sehr, dass die Journalisten endlich Kritik am Kritikwürdigen üben. Ihr dürft übrigens gerne diese Serie für mich fortführen, lasst mich einfach noch über das Elitariat lästern und ich bin glücklich :-)

Lesenswerte Links zum Thema:

  • Unterwürfiges Sturmgeschütz
  • Guttenberg, selbstleuchtend
    Wer dachte, SPON’s Hofberichterstattung sei nicht mehr zu toppen, der lese einfach mal diese Stilkritik des Verteidigungsministers zur Afghanistanreise - ein unglaubliches Armutszeugnis des Qualitätsjournalismuses
    Alle Achtung! Die SZ demonstriert eindrucksvoll, wie satirisch gut Hofberichterstattung sein kann.

Tageswatch

tagesschaublogWie bekommt man die Nachrichten aus aller Welt in das 15-minütige Sendeformat der Tagesschau? Früher dachte ich, so naiv wie ich nun mal bin, jeder Tag produziert einfach nicht mehr an Nachrichten. Erst als ich auf Reisen ging und für mehrere Monate den Kontinent wechselte, verlor ich diesen kindlichen Glauben. Ich lernte nicht nur, dass auf der Weltkarte Europa nicht immer im Zentrum liegen muss, sondern auch, dass die Ereignisse eines fernen Landes wie Deutschland für manche so gar nicht interessant sind. Eine andere Kultur, getrennt durch ein Weltmeer, legt seinen Nachrichtenfokus auf andere Schwerpunkte als unsere Medien.
Nach der Rückkehr war es enttäuschend, wenn man von seinen Abenteuern während der Streiks und den Unruhen erzählen wollte, die schließlich zum Sturz des ecuadorianischen Präsidenten führten. Als Standartanwort hörte ich nur: “Hä? Davon habe ich hier gar nichts mitbekommen.”


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Fahndungserfolg!?

zensurstoppschildDas BKA hat einen Fahndungsaufruf gestartet. Es wurde wieder eines dieser Millionen unvorstellbar grausamen Kinderpornographiefilmen im Internet entdeckt, eben eines dieser Delikte, in dem das BKA eine vom Bundesfamilienministerium ausgesprochene Kompetenz besitzt. Der Verdächtige konnte nicht ermittelt werden, daher war das BKA gezwungen, einen medienwirksamen Fahndungsaufruf mit Bildern und einer Stimmenprobe zu starten. Und siehe da, nach nur einem Tag klickten die Handschellen. Das BKA handelte schnell und konsequent, die Qualitätsmedien standen hilfreich zur Seite, der mutmaßliche Verbrecher konnte gefasst werden und die Welt ist wieder sicher und gut!

Wirklich? Eigentlich schon. Nur, ein paar pikante Details dieser Erfolgsgeschichte fehlen noch: das Video stammt aus dem Jahr 1993, der Verdächtige ist für diese Tat längst verurteilt worden und er lebt nach der Verbüßung seiner Strafe in einem betreuten Wohnprojekt. Der Verdächtige ist nach der Festnahme wieder auf freiem Fuß, da in seiner Wohnung nichts verdächtiges gefunden wurde, nicht einmal ein Computer. Wie allerdings dann das Video ins Internet gelangen konnte, bleibt ein Rätsel.

(via radio-utopie)


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Die Burka der Blogger

burkaDas Netz konnte sich Jahrzehnte lang nach seiner eigenen Philosophie und seinen Regeln entwickeln, das tat ihm sehr gut. Die ersten Berührungen mit der Offlinewelt fanden erst mit der Kommerzialisierung des Internets statt. Seit dem ist Frage des Urheberrechts in der digitalen Welt für die Musik- und Filmbranche ein Dauerbrennerthema.
Doch aus dieser tastenden, manchmal knirschenden Annäherung wird zunehmend ein ausgewachsener Kulturkampf. Anfangs bot das Internet mit seiner modernen Technologie neue, kostensparende Vertriebs- und Marketingkanäle. Mit den ersten Internetkonzernen jedoch, die das Netz zu einer Google machten, wurden völlig neuen Geschäftsmodelle eingeführt. Ganze Geschäftsbereiche mit einer langer Tradition, wie den Qualitätsjournalismus, gerieten daraufhin in unerwartet schwere Bedrängnis. Während Internetfirmen die Struktur und Möglichkeiten des Netzes nutzen, versuchen netzfremde Firmen und Konzerne ihre gewohnten Kontrolle und Deutungshoheit, die sie aus ihrer Offlinewelt kennen, im Netz möglichst uneingeschränkt durchzusetzen. Justiz, Politik und Medien sind dabei ihre willigen Helfer, die ihnen - wie sie es ja aus ihrer Welt gewohnt sind - zur Seite stehen, und sie beim Versuch des Zugriffs auf das Netz tatkräftig unterstützen. Das ganze wird mit einem schön einfachen Slogan legitimiert: das Netz ist ein rechtsfreier Raum, er muss dringend kontrolliert werden!


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Das Kreuz mit dem Kreuz

demokratischewahlSommer, heißer Wahlkampf und eine Weltwirtschaftskrise, die unsere Exportwirtschaft ins Bodenlose gestürzt hat. Harte Zeiten stehen und bevor. Noch haben wir nicht vergessen, wie die letzten Weltwirtschaftskrise über die Weimarer Republik in das dunkelste Kapitel unserer Geschichte führte. Das ist Warnung genug, damit alle demokratischen Kräfte in unserem Land sich gegen die drohenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen stemmen. In heftigen und kontroversen Debatten ziehen wir daher die bitteren Lehren aus der verhängnisvollen Geschichte des letzten Crashs und den unkontrollierten Exzessen der letzten Jahre. Dieser schonungslosen Ursachenforschung folgen die unvermeidbaren Konsequenzen: in der Finanzwirtschaft werden die maroden Banken, welche die Krise auslösten, gnadenlos abgewickelt, die Köpfe in den Vorstandsetagen der Finanzinstitute rollen aufgrund des eklatanten Missmanagements und eine neue, geleuterte Managerriege übernimmt das Steuer der kriselnden Banken. Reuige Politiker, welche die Entfesselung der Märkte durch verantwortungslose Deregulierung ermöglicht haben, nehmen unaufgefordert ihren Hut. Die Wissenschaft und die Medien unterziehen sich einer selbstreinigenden Kasteiung.
Und ist es nicht eine schicksalhafte Fügung, dass wir im Ausbruch der Krise eine Bundestagswahlen haben? Die Politik kann in dieser Ausnahmesituation die Stärke einer Demokratie unter Beweis stellen. Über Inhalte und Lösungvorschlägen zur Krise gewinnt sie den Wähler und nimmt ihn mit in die Verantwortung zur Krisenbewältigung. Der Wähler dankt es der Politik mit einem Kreuz an der richtigen Stelle.


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Das Internet ist dumm - und das ist auch gut so!

nulllinieWer die “German Techno-Angst” hautnah erleben möchte, der Frage in der heutigen Zeit einfach einen Politiker oder Qualitätsjournalisten nach dem Internet. Die ganze Abscheu vor dem Wandel bricht an die Oberfläche und all die üblen Vorurteile der Technik- und Zukunftshasser springen einem direkt ins Gesicht: das Internet ist ein rechtsfreier Chaosraum, von Extremisten bevölkert, die Politik muss schnell und in aller Härte eingreifen, “sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen”!

Die Politik möchte nach den positiven Erfahrungen mit dem Stoppschild das Internet mit einem ganzen Schilderwald beglücken, inklusive Tempo 30 auf allen Datenwegen und Mautstellen an jeder Kabelung. Es muss endlich das kleinkarierte Recht und die zwanghafte Ordnung für Jedermann herrschen, wie es im real existierenden Altersheim unserer Eliten bereits erfolglos vorexerziert wird!

Die existentielle Frage des Internets lautet nun, wie kann sich nur der arme, verunglimpfte Chaosraum gegen diese Übermacht wehren? Ganz einfach, das Netz muss sich nur zu seiner einzigen Stärke bewusst sein:

Das Internet ist dumm - und das ist auch gut so!

P.S: es ist ein verdammt befreiendes Gefühl, ein Teil dieser Stärke zu sein :-D


Dummheitsvermutung

nulllinieJa, ich bin in dem Alter, in dem die oberlehrerhaften Sprüche, wie “früher war alles besser”, zu nervigen Alltagsfloskeln werden. Rede ich allerdings über den Zustand der Medien, klingt es nicht mehr nervig, sondern ungläubig erschüttert.
Ich kenne noch den investigativen Journalismus, als Günter Wallraff Undercover die üblen Machenschaften der Bildzeitung aufdeckte oder der journalistischer Skandal der gefälschten Hitlertagebücher die ganze Nation einen Sommer lang bewegte und kritische Fragen über die Ethik des Journalismus auf warfen. Damals, in den guten alten Zeiten, waren die Beiträge in der Tagesschau noch länger als ein Werbeclip.


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Sklavenmarkt (5): Die Knechte des Qualitätsjournalismus

sklavenUnsere Zunft der Juristen ist, handelt es sich um die Ausgestaltung von Sklaven- und Knebelveträgen, stets von einer Kreativität beseelt, die ihre hingebungsvolle Mitmenschlichkeit für die Sorgen der Sklavenhalter offenbart. Ihre Worte gewinnen eine unbekannte Tiefe, die selbst im spröden Ambiente einer Vetragsurkunde ihre Wirkung nicht verfehlen. Stefan Niggemeier hat ein bisher unbekanntes und einmaliges Stück juristischer Poesie gefunden.

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