SZenso

unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Der letzte macht das Licht aus

SZenso war zu seinen Gründerzeiten einst das Protestforum der Süddeutschen als diese den Freeze einführten, die Kommentaröffnungszeiten für ihre Südcafé-Community. Diese Serviceeinschränkung wurde - das ist Journalistenjargon par excellence   - als Qualitätsoffensive verkauft.

Aktuell gibt es wieder eine umfassende Qualitätsoffensive der SZ. Die Links haben jetzt nicht mehr so kryptische Zahlen, sondern sind suchmaschnienfreundlich lesbar. Das hilft Google, denn Google ist des Journalisten liebstes Kind.
Auch vor dem Südcafé haben die qualitativen Verbesserungen nicht halt gemacht. Erst ging gar nichts mehr und nach 2 Monaten gibt es immer noch gravierende Mängel.
Den Erfolg dieser geballten Qualitätsoffensiven ist in der Rangliste der beliebtesten Mitglieder sichtbar:

emptycafe

In der Liste erscheinen die Mitglieder sortiert nach der Anzahl ihrer Gästebüchereinträge. Und ja, der letzte Platz ist leer, d.h. in der Community der Süddeutschen gibt es am Wochenende die stolze Zahl von 8 - in Worten acht - aktiven Mitgliedern!
Mann, der Zuckerberg muss vor all der Qualität total neidisch auf die SZ sein!


Die „Kriegsakte“ der Süddeutschen

Von Frank Benedikt

auto-anthropophagMan muß ja als Leser der Süddeutschen Zeitung schon seit langen Jahren so einiges ertragen, nicht zuletzt die oft unsäglichen Kommentare eines Stefan Kornelius, aber heute, heute ist er zu weit gegangen. Diese wilden Phantastereien muß man sich nicht mehr anhören: Nordkorea hat mit der mutmaßlichen Versenkung einer Korvette einen „Kriegsakt“ begangen und „sucht die Konfrontation“. Wieviel Unwissen oder aber gezielte Desinformation gehört dazu, derlei zu schreiben?


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Neues aus dem Elitariat (9): die Elite am Boden

elit1kleinBöse Zungen behaupten, die Isländer hätten ihre Ramschpapiere im Schlot des Eyjafjallajökull entsorgt. Egal was im brodelnden Vulkan verbrannt wird, die Asche, die er kilometerweit in die Atmosphäre pustet und über ganz Europa verteilt, hat jedenfalls den ganzen Luftverkehr im Euroraum lahm gelegt.

Das hat für unser armes Elitariat grausame Auswirkungen: es muss auf dem Boden bleiben. Die Oberschicht kann nicht mehr wie gewohnt sorglos über den Dingen schweben, von oben aus dem Flieger herab auf die im anstrengungslosen Wohlstand dekadierte Masse schauen oder sich entspannt  der Abgehobenheit in all seiner Arroganz hingeben.  Stattdessen müssen unsere selbst ernannten Leistungsträger während der Vulkanstaub den elitären Himmel vernebelt auf dem kargen Boden des Prekariats eine äußerst unangenehme Zeit erleiden. Das gemeine, an seinem Wohnort harzgebundene Volk hingegen genießt die friedliche Stille über ihm:

Das Elitariat ist am Boden und das elitelose Volk fühlt sich wie im polnischen Himmel!


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Zurückbeis(s)en (3): Der Blut-, Schweiß- und Tränentango

zurueckbeissenIch mag Blut-, Schweiß- und Tränenreden, ihren aufstachelnden Pathos, mit dem jedes Wort durchtränkt ist und von dem jedes einzelne die gnadenlose Kraft besitzt, die hartzige Dekadenz aus Kopf und Gliedern aus zu treiben. Dieser unbändige Drang, die dem hypnotisierten Leser eingeimpft wird und ihn nach neuen Ufern verlangen lässt, ist die überfällige Antwort auf altersstarre Verkrustungen, die ihrem Aufbrechen harren. Der glühenden Rede folgt die epochale Tat!
Nur sollen solche Reden zu Blut-, Schweiß- und Tränen treibenden Taten anstacheln und sie nicht bereits beim Lesen fließen lassen, wie dies bei Marc Beises Tangotanz zumindest bei mir der Fall war.

An der deutschen Exportfixierung soll die Welt genesen, so das alternativlose Mantra des Klosterbruders des Neoliberalismus. Diese Kernthese der neoliberalen Ideologie hat ein Problem, das sie mit allen Ideologien teilt: die Realität. Wenn uns die Nachbarn, wie nun die französischen Finanzministerin Christine Lagarde, beständig und immer mehr vernehmbar kritisieren, liegt das allein daran, dass sie mit ihren Vorwürfen recht haben.

Eine der Lehren aus der Weltwirschaftskrise sollte nämlich sein, dass Ungleichgewichte Krisen verursachen. Im Fall der chinesischen Devisen erreicht diese Erkenntnis noch das neoliberal vernebelte Gehirn, im Falle unserer eigenen Exportsünden nicht mehr.


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Icelove

islandIsland stand schon einmal im Zentrum einer stürmischen Entwicklung. Als das einstige neoliberale Musterland mit seinen fragwürdigen Finanzprodukten Schiffbruch erlitt, musste die Regierung - es  drohte ein Staatsbankrott - die drei größten Banken des Landes in einer dramatischen Aktion verstaatlichen. Island konnte sich von seiner schweren Krise noch nicht erholen, die Altschulden drücken und die spärliche Wirtschaft ist am Boden. Aus dieser prekären Situation sucht Island verzweifelt einen Ausweg und zieht dabei auch unkonventionelle Lösungen in Betracht. Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, ist wirklich visionär:
Island soll der erste Datenfreihafen der Welt werden!


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Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes

zurueckbeissenIn einem lesenswerten Artikel verteidigt Marc Beise auf der Süddeutschen die Billiglöhner. Dies ist auch überfällig, denn beim Ausbau des Niedriglohnsektors wurde so einiges falsch kommuniziert. Der aktuelle Sicherheitsskandal auf dem Münchner Flughafen hat diesen Missstand schonungslos offen gelegt. Marc Beises Nachhilfe in Sachen Neoliberalismus ist daher überfällig. Insbesondere ein vermutliches Fehlverhalten der Billigsicherheitslöhner soll dem gewöhnlichen Fluggast und nichtsahnenden Terroristen seine Unschuld belassen haben. Wieso blieb eigentlich die in den Ausbildungsdrehbüchern beschriebene Schießerei aus? Wieso explodierte das als Bombe identifizierte Laptop nicht mit cineastischen Pyroeffekten bereits effektvoll im Scanner?


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SZ meets Web-Idiotae

idiotaEs gibt Schranken, die müssen einfach geschlossen bleiben, zum Beispiel ist die Blut-Hirn-Schranke eine solche. Es wäre ja auch echt blöd, wenn sich das Hirn einfach in die Blutbahn ergießen würde. Eine weitere sinnvolle Schranke ist die zwischen den gehaltvollen Qualitätsmedien und dem ach so schrecklich rechtsfreien und chaotischen Internet. Hier werden selbst kleinste Übertretungen sofort bestraft.
Das musste die Süddeutsche erfahren, als sie ihr neues iPhone Applet viral vermarkten wollte. Die Strategie, sich das Bloggerlob der Web-Idiotae auf schnöde Weise zu erkaufen, erntete viel Spott. Qualität ist schließlich nicht käuflich - außer man ist Minister bei der FDP oder eben Kommerz-Blogger. Inzwischen wurde diese Aktion eingestellt und die Social Media Agentur Trigami nahm die Schuld auf sich. Wie problematisch diese pikante Geschichte ist, erklärt Thomas Stadler auf seinem Law-Blog: es könnte sich um unerlaubte Schleichwerbung handeln.
Wie gut, dass es im Internet solche Bezahlschranken gibt. Wenn einfach jeder jeden bezahlen dürfte, wäre das doch glatt Anarchie. Und eine solche Querfinanzierung des Graswurzeljournalismusses  verstößt mindestens gegen 8 verschiedene Paragraphen des Qualitätsjournalismusethos - und das ausgerechnet von der SZ! Es ist besser wenn die Qualitätsmedien ihre Inhalte mit Bezahlhürden beschränken. Das hat seine Berechtigung, ebenso wie die gegenseitige Ausschränkung von Blogosphäre von der umschränkten Qualität des unbezahlbaren Journalismus. Wem das nun zu beschränkt klingt, dem kann ich nur sagen: das ist es auch.
Zum Abschluss noch ein Schlussgeschranke Schlussgedanke. Lassen wir besser die Schranken unten, sonst ergießen sich die Aberbillionen an qualitativen Finanzkapital unkontrolliert und ungehindert in das rechtsfreie Internet. Das kann nun wirklich niemand wollen.


Hofberichtblogging (8) … goes mainstream

guttenbergWenn ich in den Spiegel schauen, wird es mir zunehmend unangenehm. Das liegt weder an mir noch an meinem Alter, sondern an der sinkenden Qualität der Zeitschrift. Das einstige journalistische Flaggschiff verkommt zusehends zu einer Boulevardzeitung, das im wesentlichen aus weichgespültem neoliberalen Mainstream besteht. Der kritisch investigativer Journalismus spürt nur noch den Klischees der Randgruppen nach, das Elitariat hingegen wird hofiert.

Dieser bedauernswerte Zustand hat eine Auffälligkeit erreicht, die selbst Qualitätsjournalisten nicht mehr negieren können. Der Bericht im Spiegel über die Afghanistanreise unseres Verteidigungsministers Guttenberg wird in der FAZ so kommentiert:

„Hofberichterstattung” ist gar kein Ausdruck. Sieht man genauer hin, dann fällt auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für blanke Selbstverständlichkeiten gepriesen wird.

Es freut mich sehr, dass die Journalisten endlich Kritik am Kritikwürdigen üben. Ihr dürft übrigens gerne diese Serie für mich fortführen, lasst mich einfach noch über das Elitariat lästern und ich bin glücklich :-)

Lesenswerte Links zum Thema:

  • Unterwürfiges Sturmgeschütz
  • Guttenberg, selbstleuchtend
    Wer dachte, SPON’s Hofberichterstattung sei nicht mehr zu toppen, der lese einfach mal diese Stilkritik des Verteidigungsministers zur Afghanistanreise - ein unglaubliches Armutszeugnis des Qualitätsjournalismuses
    Alle Achtung! Die SZ demonstriert eindrucksvoll, wie satirisch gut Hofberichterstattung sein kann.

Fahndungserfolg!?

zensurstoppschildDas BKA hat einen Fahndungsaufruf gestartet. Es wurde wieder eines dieser Millionen unvorstellbar grausamen Kinderpornographiefilmen im Internet entdeckt, eben eines dieser Delikte, in dem das BKA eine vom Bundesfamilienministerium ausgesprochene Kompetenz besitzt. Der Verdächtige konnte nicht ermittelt werden, daher war das BKA gezwungen, einen medienwirksamen Fahndungsaufruf mit Bildern und einer Stimmenprobe zu starten. Und siehe da, nach nur einem Tag klickten die Handschellen. Das BKA handelte schnell und konsequent, die Qualitätsmedien standen hilfreich zur Seite, der mutmaßliche Verbrecher konnte gefasst werden und die Welt ist wieder sicher und gut!

Wirklich? Eigentlich schon. Nur, ein paar pikante Details dieser Erfolgsgeschichte fehlen noch: das Video stammt aus dem Jahr 1993, der Verdächtige ist für diese Tat längst verurteilt worden und er lebt nach der Verbüßung seiner Strafe in einem betreuten Wohnprojekt. Der Verdächtige ist nach der Festnahme wieder auf freiem Fuß, da in seiner Wohnung nichts verdächtiges gefunden wurde, nicht einmal ein Computer. Wie allerdings dann das Video ins Internet gelangen konnte, bleibt ein Rätsel.

(via radio-utopie)


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Bundeswehr geht in die Offensive

isafEs ist wieder soweit! Wir dürfen wieder so richtig Töten lernen und in Afgjhanistan in die Offensive gehen! Für unsere Bundeswehr ist es eine Prämiere: es ist der erste offizielle Nichtkrieg mit einem militärischen Angriff!

Es gab auch schon einen ersten Zwischenfall, die Bundeswehr hat einen jugendlichen Afghanen erschossen. Die Staatsanwalt hat in diesem Fall bereits die Ermittlungen aufgenommen. Dieses Vorgehens eines Rechtsstaates entspricht aber nicht einer modernen Behandlung der Soldaten, meint zumindest Stefan Kornelius von der SZ. Schließlich bringen wir die Demokratie nach Afghanistan und dabei dürfen uns  nicht irgendwelche schnöden Paragraphen im Wege stehen. Denn eines ist sicher, in einem Nichtkrieg müssen Kollateralschäden sein und das ist auch gut so, wir haben doch die überhöhte Moral auf unserer Seite! Oder gibt es vielleicht irgendeinen Zweifel, weshalb wir unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen? Naja, ein paar kleinere Einwände gäbe es da schon.

Und eines dürfen wir nicht vergessen, wenn der Abbau der rechtsstaatlichen Prinzipien in Afghanistan ersteinmal gelungen ist, können wir diesen erfolgsversprechenden Modellversuch ganz einfach nach Deutschland importieren. Wenn das keine Win-Win-Situation in Reinform ist!


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