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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Die verschwundene Billion

5billionenEine Meldung der Hannoversche Allgemeine Zeitung sorgte für Helle Aufregung: Die Hypo Real Estate solle Geschäfte in der Größenordnung von 600 Milliarden Euro außerhalb ihrer Bilanzen führen. Die Aufregung im Blätterwald war groß, die Meldung machte schnell die Runde. Diese Schreckensmeldung basierte jedoch auf einem mangelndem Verständnis der Derivatgeschäfte.

Viel Wirbel um Nicht? Nicht ganz, jedenfalls zeigt diese Meldung, dass die Kompetenz über die Spielregeln des Finanzkasinos in dem Medien kaum und - was weitaus tragischer ist - diese bei den Mitgliedern des Kontrollgremiums des Bankenrettungsfonds Soffin ebenso wenig vorhanden ist.


Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen

Profilseite des SZ ModeratorsKommentarschreiber auf der SZ kennen diesen Satz, der oft anstelle des ursprünglichen Textes zu lesen ist:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Vermeindlich anstößige Kommentare werden stest vollständig gelöscht. Einige Kommentarschreiber sind daher dazu übergegangen, eine Sicherheitskopie zu erstellen und ihn beispielsweise im eigenen Gästebuch auf der SZ zu veröffentlichen. Aber auch dort ist der Text nicht sicher. Besonders perfide Texte werden auch aus diesem Bereich entfernt. So geschehen am Freitag kurz vor dem Wochenendfreeze mit folgendem Kommentar im Artikel Der Welt schlechtester Beifahrer - Steinmeier über Westerwelle von peer.armutat:

“Westerwelle ist in meinen Augen der Prototyp des karrieregeilen, selbstverliebten, skrupellosen 80er Yuppies. Ein egomaischer Hetzer wider die Soziale Marktwirtschaft, der vergessen hat, wo er herkommt, der vergessen hat, dass es der von ihm verteufelte Sozialstaat war, der ihm diesen Aufstieg überhaupt erst möglich gemacht hat. Ein undankbarer Patron, der den 68er Aufbruch, ohne den er sich heute als 175er vor dem Staatsanwalt fürchten müsste, verunglimpft. Ein prototypischer Karrierist, der von links unten nach rechts oben gekommen ist und, oben angekommen, die Strickleitern hochzieht. Westerwelle steht symbolisch für eine Generation, die leichtfertig alles über Bord wirft, was unsere Väter und Großväter oft unter Einsatz ihres Lebens und entbehrungsreich an sozialem Fortschritt erkämpft haben. Der Kerl widert mich an!”

Es sind harte Worte, welche dennoch den strengen SZ-Wortfilter überstanden haben. Dies ist der beste Beweis, dass in diesem Kommentar keine obszönen Worte enthalten sind. Auch ist die Kritik am Politiker Westerwelle meines Erachtens keinesfalls überzogen. Ohne Zweifel steht es der SZ als Hausherr zu, diese Meinungsäußerung zu löschen. Ein Verweis auf die netiquette oder AGB in diesem konkreten Fall ist mehr als fragwürdig. Es sei denn, es ist aus der Sicht der SZ eine Beleidigung, wenn der freie Bürger seine Meinung offen über unsere Politikelite äußert.


… und dann waren es nur noch 10

Bundeswirtschaftsminister mit 11. Vornamen WilhelmEs sollte nur ein kleiner Scherz werden. Im Wikipediaartikel über unseren neuen Wirtschaftsminister Freiherr von Guttenberg hat ein Unbekannter in die lange Liste der Vornamen einen 11. hinzugefügt: den Namen Wilhelm. Der frei erfundene Vorname wurde in nahezu allen namhaften Medien ungeprüft übernommen. Er war auf der Titelseite der Bildzeitung zu sehen, ebenso wie auf heute.de, spiegel.de, taz und in einem Artikel auf der Süddeutschen. Inzwischen ist dieser Scherz auf wikipedia und in den meisten Artikeln wieder korrigiert worden, so auch im SZ-Artikel.

Ein schönes Beispiel, wie fehleranfällig die Arbeit der Mainstreammedien ist.

[update] Köstlich zu lesen sind auch die Versuche der Rechtfertigung dieses peinlichen Fehlers der Qualitätsmedien von Spiegel und taz, die genüsslich von Stefan Niggemeier auf ihre inhaltlose Arroganz reduziert werden [/update]


Kritik unerwünscht

Erst heute bin ich auf einen interessanten Blogbeitrag gestoßen, der bereits etwas zurück liegt. Eine Initiative, die sich kritisch mit dem Köln-Luxemburger Bankhaus Sal. Oppenheim auseinandersetzt, hat zu einem ganzseitigen Interview auf der SZ mit Privatbankier Baron Christopher von Oppenheim einen kritischen Leserbrief verfasst. Der Abdruck wurde von der SZ  mit der Begründung abgelehnt, dies könne zu einer Millionenklage führen. Wer diesen kritischen Beitrag dennoch lesen möchte, findet ihn im Blog Business Crime Control.


Das Ende der Sonderenteisungen?

Speziell zur Landtagswahl in Hessen wurde im letzten Jahr die Kommentarfunktion auf der Süddeutschen geöffnet. Doch dieses Jahr unterblieb dieser freundliche Service für die diskussionsfreudige Community.

sonderenteisung

Vielleicht hatten die damaligen Proteste doch kleine, aber achtbare Erfolge erzielt. Im letzten Jahr gab es Sonderenteisungen zur Hessen- und Hamburgwahl, zur Oscarverleihung, zur Kommunalwahl in Bayern und der Fußballeuropameisterschaft.
Das Superwahljahr 2009 beginnt für die Community der Süddeutschen jedenfalls sehr frostig.

[update] Auch zur historischen Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Barack Obama wurde bereits 1 Stunde nach der Vereidigung die Kommentarfunktion pünktlich um 19 Uhr gefreezet. [/update]


Obamba

ObambaDer Artikel auf der Süddeutschen  Morddrohung gegen Obamba - “I’m going to fucking kill you” enthält einen peinlichen Schreibfehler. Der gewählte amerikanische Präsident wird mit einem Doppel-B zu Obamba. Diese Schreibweise lässt bösartige Konnotationen zu. Einige Stunden nachdem der Artikel veröffentlicht wurde, habe ich die Moderation auf diesen Fehler hingewiesen. Leider ist am Wochenende nicht nur die Kommentarfunktion gefreezet, sondern auch die Qualitätsabteilung. Dieser Fehler ist nun seit mehr als 24 Stunden auf der Frontseite zu lesen. Als letzter sichtbarer Link in der Rubrik Panorama wird er zum Glück demnächst ins Archiv verschwinden.

Übermorgen ist die Amtseinführung Obamas. Auf der Süddeutschen dann hoffentlich mit der richtigen Schreibweise.

[update] Der Tippfehler ist inzwischen korrigiert worden. [/update]


Du hast eine Meinung?

StillewasserEine Meinung hatte ich schon immer. Doch mit der wachsenden Auseinandersetzung mit der Realität reifte in mir die Erkenntnis, dass sie nicht jeden interessiert. Meine nervige Angewohnheit, sie auch unaufgefordert kund zu tun, dürfte nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sein. Und dazu kommt noch das Grundübel, dass ich trotz aller meiner Anstrengungen und die meines geduldigen Umfelds nicht ändern kann: Ich schaffe es einfach nie, die aktuell gewünschte und verbreitete Meinung zu akzeptieren. Stets muss ich hinterfragen und ziehe die merkwürdigsten Querverbindungen. Das hört sich doch alles ganz nach einem geborenen Blogger an!


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