Vertrauensvolle Experten
Das Gesetz zur Finanzmarktregulierung von Obama umfasst stolze 2.300 Seiten und wider erwarten enthält es nicht nur heiße Luft, sondern eine echte Sensation: Ratingagenturen werden zu Experten erhoben!
Waren sie das nicht schon immer? Nein, die Agenturen äußerten nur Meinungen und wenn diese “Meinungen” Schaden anrichteten, dann waren die Leute einfach selbst Schuld - sie hatten schließlich den Blödsinn geglaubt.
Nach der Reform ist für die Ratingagenturen alles anders. Als bisher unerkannte Finanzexperten haben ihre Meinungen nicht nur mehr Gewicht bekommen, sondern auch Folgen: sie haften nun für ihre Bewertungen.
Und was war die Reaktion? Waren Günstlinge der Reform stolz ob der präsidialen Beförderung? Nein, sie untersagen ihren Kunden ihre Ratings zu verwenden und stellen keine neuen mehr aus. In anderen Worten, sie vertrauen ihrer eigenen, neu gewonnenen “Experten”-meinung nicht.
Das Lustige an diesem Zirkus der Finanzelite ist, dass diese ungewollten Experten eine ungeheure Macht haben, sie können mit ihren Bewertungen Fonds, Firmen oder Staaten in den Ruin treiben. Wem das Ganze nun spanisch oder griechisch vorkommt, der hat die Komik des Spiels verstanden.
22. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik | 2 Kommentare
Wir basteln uns eine Subprime-Krise
Also, wenn es eine weltweite Finanzkrise gab und die Ursache bekannt ist, was mache ich da? Wie wäre es, die Keimzelle der Krise ins eigene Land zu importieren? Genau, das wäre doch purer Schwachsinn, aber es ist exakt das, was im Moment bei uns passiert.
Schauen wir kurz zurück. Im Frühsommer 2007 begann die Finanzkrise im US-Immobilienmarkt. Auslöser war der sogenannte Subprime Markt. Hypothekenkredite wurde an Personen mit geringer Bonität vergeben und aufgrund der flexiblen Verzinsung mit risikoreichen Bedingungen für den Kreditnehmer und - wie die Krise verdeutlichte - letztendlich auch für den Gläubiger.
Immer weniger der “schlechten” Kreditnehmer konnten ihre Hypotheken zurückzahlen, die Zinsen für alle laufenden Subprime-Hypotheken stiegen und führte zu weiteren Zahlungsausfällen, immer mehr Kredite platzten. Dieser sich selbst verstärkende Teufelskreis ließ den ganzen Subprime-Markt kollabieren. Neue “Finanzprodukte” sorgten dafür, dass diese faulen Subprime-Kredite über komplexe Verbriefung weltweit verteilt wurden. Erst dadurch konnte ein im Grunde isoliertes Problem fast zu einer Kernschmelze des gesamten Finanzsystems führen.
In Spanien folgte auf seinem Immobilienboom, der ebenso wie in den USA auf riskanten Hypothekenkrediten basierte, das unvermeidliche Platzen. Auch in diesem Fall waren die variablen Zinsen der Hypothekenkredite die Keimzelle des zerstörerischen Teufelskreises, der direkt in die Krise führte.
Deutschland hatte bisher keine vergleichbare Immobilienkrise, denn die hier üblichen Hypothekenkredite haben meist langfristige Zinsbindungen und diese wirken gerade in Krisenzeiten stabilisierend.
Das ist ja alles gut und schön, jetzt aber übernehmen wir das amerikanische und spanische “Erfolgsmodell”: Unser neuer Niedriglohnsektor sorgt für benötigte Masse an Schuldner mit niedriger Bonität und die Bankenkrise sorgt für Hypothekenkredite mit variablen Zinsen und somit risikoreichen Konditionen für beide Seiten.
So einfach ist es, ein erfolgreiches Krisenmodell zu importieren. Jetzt dürfen wir endlich auch unseren Immobilienmarkt mit schlechten Krediten aufpumpen. Und wenn er dann platzt, dürfen wir uns alle freuen - einfach toll!
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15. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise | Keine Kommentare
Ein wenig Durchblick
Ab und zu ist er selbst in den Qualitätsmedien zu finden: der Durchblick, welchen Zweck die chaotischen Maßnahmen der schwarz-gelben Regierung dienen. Es bedarf schon eines heißen Sommerlochs gepaart mit einer Fußball-WM, damit ein gelungener Gastbeitrag das Ziel der aktuellen Regierungspolitik offenlegt:
Leider sind wir in Deutschland und haben eine Finanz-, aber keine Fußballkrise. Unsere Mutti darf sich daher sorglos und kindisch über die Siege unserer Mannschaft und über ihre gelungene Politikstrategie jubeln, ihr Volk wird ihr freudentaumelnd folgen.
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6. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Sozialstaatsdebatte | Keine Kommentare
Die G-Punkte des Finanzmarkts
Nein, nicht nur die WM ist spannend - obwohl, wenn Schland spielt endet die Spannung nach wenigen Minuten - auch die Finanzmärkte spielen eine nette Meisterschaft.
Die Spieler sind ganze Länder und sie kämpfen um die Trophäe: wer wird nach Kirgistan der nächste failed state? Wird es der südländische Heissporn Griechenland oder sichert sich doch Großbritannien nach dem WM-Aus den nächsten Loser-Titel?
Eines ist sicher, die Finanzmärkte werden bald viele weitere Höhepunkte erleben, denn im Gegensatz zu Frauen sind sie nicht nur auf einen Buchstaben fixiert. Die übrigen südeuropäischen Finanzschlampen spüren schon den Druck, den die Finanzmärkte in ihrem Vorspiel aufbauen. Er bereits groß genug, dass eine leichte Stimulation der P-, I- oder S-Punkte zum erwünschten Ausbruch führen.
Sollten die Herren der Finanzmärkte doch Fussballfans sein, dann hat allein Spanien noch eine Chance vorerst verschont zu bleiben, alle anderen PIIGS-Staaten sind bereits ausgeschieden.
Ich muss euch ehrlich gestehen, ich finde die perversen Praktiken der Finanzmafia echt abgefahren, sie toppen für mich sogar die fantastische Schland-WM in Südafrika.
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P.S: Dass ich mein unterirdisches Niveau erfolgreich unterbieten konnte, lag allein an der Hitze
4. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Wer hat Angst vor der schwäbischen Hausfrau?
Es ist schon eine lustige Geschichte. Wir versuchen das finanzpolitische Provinzmodel der schwäbische Hausfrau nach Spanien und den anderen südeuropäischen Ländern zu exportieren, während unser großes Vorbild, die USA, eine panische Angst gegen diese kleinbürgerliche Strategie entwickelt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman formuliert seine Abneigung mit deutlichen Worten und fordert ein hartes Vorgehen gegen unsere Besessenheit des Sparens:
And it’s also important to send a message to the Germans: we are not going to let them export the consequences of their obsession with austerity.
Nicely, nicely isn’t working. Time to get tough.
Woher kommt diese Angst? Unsere Kanzlerin beim Spätzlebacken am heimischen Herd wirkt doch alles andere als bedrohlich! Wieso werden namhafte Finanzexperten überm Teich so nervös? Vielleicht hilft ein Blick in die Geschichtsbücher. Das Kapitel über den Reichskanzler Brüning zeigt, wenn Deutsche sparen ist das nicht immer zum Wohle der Welt:
Brüning betrieb in insgesamt vier großen Notverordnungen eine einschneidende Spar- und Deflationspolitik: Er erhob neue Steuern bei gleichzeitiger Senkung staatlicher Leistungen und er wirkte auf eine Absenkung von Löhnen und Gehältern hin. Damit hoffte er, den deutschen Export zu erhöhen, doch weil Deutschlands Handelspartner eine ähnliche Politik betrieben und zudem ihre Zölle erhöhten, musste diese prozyklische Politik scheitern; sie verschärfte letztlich nur die Wirtschaftskrise in Deutschland.
An diesem Beispiel sieht man sehr schön: unser Exportwahn, gewürzt mit einer kräftigen Brise Sparzwang, ist weder ein neues noch eine besonders erfolgreiches deutsches Rezept. In anderen Worten bzw. wieder in Worten Paul Krugmans: That ’30s Feeling.
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18. Juni 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Wirtschaftskrise | 2 Kommentare
Krisengewinnler entlarvt!
Von Lutz Hausstein
Der ARD-Presseclub brachte es an den Tag. Dem völlig unabhängigen Publizisten Hugo Müller-Vogg ist es dank seiner unnachgiebigen Recherchen gelungen, die wahren Gewinner der letzten Krise zu identifizieren. Mit der Pulitzer-Preis-verdächtigen Erkenntnis, dass Renter und Hartz-IV-Empfänger die großen Gewinner der Krise sind, da sie auch in diesen schweren Zeiten über, durch die Bundesregierung gesicherte, stabile Einkommen verfügen, gelang es Müller-Vogg, den so lange gesuchten Baustein im großen Welten-Puzzle zu finden. Die logische Schlussfolgerung des diplomierten Volkswirtschaftlers lautet denn auch, diese Krisengewinnler heranzuziehen, um deren Folgen mitzutragen.
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1. Juni 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Satire Sozialstaatsdebatte | Keine Kommentare
Hartz IV für Griechenland
Wow, wir sind wieder wer! Wer sein Blut auf den Schlachtfeldern der Ehre vergießt und Herz und Motor Europas ist, der darf ruhig auch mal sagen, wo es lang geht. Und eines ist ja wohl klar, wenn wir in spät römischer Dekadenz versinken, dann gibt es unseren südländischen EU-Mitgliedern noch lange nicht das Recht, es noch besser zu machen als wir!
Was würden wir ohne unsere gute, alte Bildzeitung machen? In ihrer moralisch autoritären Arroganz vermag sie dank der Kraft ihrer Schlagzeilen die richtigen Worte der Hetze in das willige Hirn der stumpfen Masse zu klopfen. Nur das eine oder andere Weichei wendet sich von der gerechten Empörung des Volkes ab, aber ansonsten steht die Heimatfront geschlossen gegen den innereuropäischen Feind!
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30. April 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Satire | 5 Kommentare
Wetten du verlierst?
Die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC hat eine schöne Spitze des Eisbergs der Finanzkrise gesichtet: Im Mittelpunkt der Geschichte steht John Paulson, der ungekrönte König der Finanzkrise. Er nutzte die Krise wie kein anderer zum Gelddrucken.
So langsam werden alle Details dieses Geniestreichs bekannt und die sind mehr als brisant! Die Masche, das muss man sagen, war schlicht genial: vor der Krise sammelte Paulson mit seinem Hedgefond soviel Ramschpapiere des amerikanischen Hypothekenmarkts wie er konnte, verpakte sie zu einem dieser modernen Zinanzderivaten mit dem schönen Namen Abacus und - das ist der Clou - wettete auf deren Verfall!!!
Damit diese Wette auch im großen Stil durchgezogen werden konnte und sie sich so richtig lohnt, hat Paulson eine zahlungsfähige Wettgemeinschaft gefunden, unter anderem Goldman Sachs und die Deutsche Bank.
Tja, und jetzt wird es kriminell. Goldman Sachs wird nun vorgeworfen, ihren Kunden Produkte verkauft angedreht zu haben, auf deren Verfall sie selbst zusammen mit Paulson gewettet hatten! Die SEC meint, das ist Betrug und hat Anklage gegen Goldman Sachs erhoben.
[update] Der Finanzexperte Sylvain R. Raynes der New York Times über diese Transaktionen. berschreibt die Masche treffend mit folgendem Vergleich:
„Wenn man die Versicherung gegen ein Ereignis kauft, das man selber verursacht, dann ist es wie wenn man eine Feuerversicherung auf ein anderes Haus abschließt und es dann anzündet.” (Quelle: NachDenkSeiten) [/update]
Ein nettes Detail am Rande: eines der Opfer Paulons ist jedenfalls für uns Deutsche keine Unbekannte. Es ist die deutsche Mittelstandsbank IKB, die lustigerweise zuvor von dem Wettpaten Paulsons, die Deutsche Bank, noch ein kleines Paket an Ramschpapieren erhalten hatte. Oh ha, könnte man da sagen - aber wir sind ja in Deutschland und da lassen wir einfach ein bisschen Vulkanasche auf die Sache regnen und vergessen die ganze Geschichte lieber …
Lesenswerte Links zum Thema:
- ABACUS 2007-AC1 - “Gottes Werk”
- Die Wall Street bebt
Oh, die BaFin kündigt ein Auskunftsersuchen an die SEC an. Hat der zahnlose Tiger etwa sein Gebiss gefunden? - [19.04.10] Deutsche Bank unter Druck
- [23.04.10] Skandal bei Goldman? Schaut auf die Deutsche Bank!
Ja, wohin schießt das Sturmgeschütz auf einmal? Das ist die falsche Richtigung! Zurück in die Hofberichterstatterfront, aber zack! zack!
17. April 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik | 1 Kommentar
Kleine Brötchen
Wir in Deutschland haben nach der offiziellen, massenmedial verbreiteten Diktion keine Kreditklemme. Nur unterschwellig ist in manchem Artikel zu lesen, dass die Unternehmen in der aktuellen Weltwirtschaftskrise ein richtig großes Problem haben: sie bekommen keine Kredite.
Gerade der Unterschicht wird aufgrund ihrer bekannten dekadenten Lebensweise meist kein Kredit mehr gewährt.
Gut, dass für die Gefahr, die es nicht geben sollte oder drüfte, eine Lösung gefunden wurde: der Mikrokredit.
Die Idee des Mikrokredits basiert auf einem Konzept des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Es wurde speziell für die Erfordernisse, die in Entwicklungsländern herrschen, entwickelt und dort auch erfolgreich erprobt. Das dieses Konzept ebenfalls zur Förderung der deutschen Wirtschaft eingesetzt werden kann, dürfte im Grunde niemanden überraschen. Der Umbau Deutschlands in ein neoliberales Musterentwicklungsland nach amerikanischem Vorbild ist in weiten Teilen bereits umgesetzt.
Lesenswerte Links zum Thema:
15. März 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Wirtschaftskrise | 2 Kommentare
Sparen ist für den Arsch
Der Geiz ist nach der Psychoanalyse von Sigmund Freud auf den analen Charakter zurückzuführen. Wenn also der Bürger, der für die Schulden der Finanzzocker bezahlen soll, sich wie der letzte Arsch vorkommt, so lässt sich diese gefühlte These wissenschaftlich fundiert belegen.
Die Isländer, die dem sarrazinischen Ideal des Kaltduschers entsprechen, widersetzen sich gerade dieser um sich schlagenden Verarschung. Sie haben mit 95% gegen den Plan ihrer Regierung gestimmt, der die Rückzahlung der isländischen Schulden regeln sollte. Warum sollten auch die Isländer in Kollektivhaftung für die Fehler ihrer Bänker genommen werden? Weshalb sollten sie für den Leichtsinn der ausländischen Anleger haften, die bei ihren Zockerbanken Geld angelegt haben?
Nicht nur auf der kleinen isländischen Insel soll gespart werden, auch in Amerika und vor allem in Europa soll mit fiskalischer Askese die spätrömische Dekadenz beendet werden. Doch jetzt einfach so mit dem Sparen anzufangen ist ein schwerer Fehler. Das sagt zumindest kein geringerer als der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz. Er sieht in der aktuellen Politik die große Gefahr, dass sie zu einer dauerhaften Stagnation führt.
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10. März 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Politik Sozialstaatsdebatte Wirtschaftskrise | 3 Kommentare







