Icelove
Island stand schon einmal im Zentrum einer stürmischen Entwicklung. Als das einstige neoliberale Musterland mit seinen fragwürdigen Finanzprodukten Schiffbruch erlitt, musste die Regierung - es drohte ein Staatsbankrott - die drei größten Banken des Landes in einer dramatischen Aktion verstaatlichen. Island konnte sich von seiner schweren Krise noch nicht erholen, die Altschulden drücken und die spärliche Wirtschaft ist am Boden. Aus dieser prekären Situation sucht Island verzweifelt einen Ausweg und zieht dabei auch unkonventionelle Lösungen in Betracht. Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, ist wirklich visionär:
Island soll der erste Datenfreihafen der Welt werden!
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21. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Finanzkrise Neoliberalismuskritik SZ Watch Zensur | Keine Kommentare
Lernen aus der Finanzkrise?
Die Kugel im Finanzkasino rollt wieder, die Finanzspekulationen gehen weiter-so wie vor der Krise. Welche Konsequenzen wurden bisher aus der Finanzkrise gezogen? Eine gute Frage, machen wir einen kurzen Check: Sind die Leerverkäufe in Deutschland noch verboten? Nein. Wird der Verbriefungsmarkt reglementiert? Kaum. Ist jede Bank immer noch systemrelevant? Na klar! Wurden die Bankbilanzen bereinigt? Etwas Make-up muss reichen.
Hm, kein sonderlich berauschendes Ergebnis. Wie wäre es dann mit dem ganz großen Wurf? Der Besteuerung von Finanztransaktionen, der sogenannten Tobin-Steuer? Die Argumente sind doch überzeugend:
(via fr-online)
Ein YouTube-Clip über einen einsichtigen und nicht zu 100-Prozent von Gier zerfressenen Bänker - das klingt irgendwie nach Grimms Märchen
[20.02. update] Jetzt habe ich zum Video auch die entsprechende Kampagne gefunden. Ihr könnt euch in eine internationale Unterstützerliste für eine Finanztransaktionssteuer eintragen. Die Liste der Erstunterzeichner ist wirlich beeindruckend. Und wenn ihr gerade dabei seid, schickt doch wahlweise an Frau Merkel, Herrn Westerwelle oder Herrn Seehofer eine E-Mail
Ich hoffe sehr, dass die Kampagne erfolg hat! [/update]
16. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Fundstücke Neoliberalismuskritik | 5 Kommentare
Ex-Exportweltmeister
Die deutschen Exporte sanken im Weltwirtschaftskrisenjahr mit - 15,9 % so stark wie noch nie in unserer Nachkriegsgeschichte. Während wir noch die Festigkeit der Bodenbildung prüfen, sind die meisten asiatischen Länder wie Südkorea, deren Exporte im Januar um stolze 47,1 % gestiegen sind, bereits aus diesem Jammertal der Rezession gkletter. Jetzt dürfen wir uns Ex-Exportweltmeister nennen und reichen den begehrten Exportweltmeisterpokal zum ersten mal an China weiter.
Von diesem ehrwürdigen Titel für Ökonomiefetischisten kann man sich viel kaufen, besonders wir als Seriensieger von 2003 bis 2008. Für die ehrlich erworbenen Preisgelder haben wir uns immerhin einen ansehnlichen Haufen an Schrottpapiere andrehen lassen, um unseren Wasserkopf des Finanzsystems und nun auch die Bad Banks damit zu füttern. Darauf müssen wir einfach nur stolz sein, denn etwas anderes bleibt uns nicht.
Mal so ganz im Ernst: ich glaube, es hätte eine bessere Anlagestrategien gegeben, um sich auf den Exportweltmeisterlorbeeren mal wirklich ausruhen zu können. Zum Beispiel hätten wir in die Bildung und somit in die Zukunft unserer Kinder investieren können. Es wurde zwar immer vollmundig von unserem Politikelitariat angekündigt, aber getan haben sie wie immer nichts. Im Gegenteil, sie haben die Zukunft unserer Kinder schlicht und einfach verharzt.
Bildquelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.
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10. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie China Elitariat Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Wirtschaftskrise | 2 Kommentare
Risse
Täglich, nein stündlich tun sich neue Risse auf. Ja, doch man sieht sie nur, wenn man genau hinschaut. Sie sind von einem zähen und klebrigen Kleister aus massenmedialem Stumpfsinn überdeckt. Es ist leicht, sie zu übersehen, es ist leicht, sie zu ignorieren:
Riss 1: Obama attackiert vorerst verbal die Wall Street und kündigt eine Art Glass-Steagall Act 2.0 an.
Die im Jahre 1933 eingeführte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken war eine der wichtigen Lehren, die aus der ersten Weltwirtschaftskrise gezogen wurde. Bill Clinton schaffte 1999 das Gesetz ab und ermöglichte erst dadurch viele der Exzesse der Wall Street, die zur aktuellen Weltwirtschaftskrise führte.
Dieser unerwartete und heftige Angriff Obamas zeigt, dass die Machtkämpfe im Zuge der Wirtschaftskrise noch nicht ausgefochten sind oder vielleicht noch nicht einmal richtig begonnen haben.
Riss 2: Die Talanx AG, einer der größten Versicherungskonzerne Deutschlands, klagt per einstweiliger Verfügung auf die Eröffnung eines Kontos bei der Bundesbank.
Es ist offensichtlich, dass der Versicherer den Banken und dem Einlagensicherungsfonds nicht traut und auch in Zukunft mit heftigen Finanzkrisen rechnet.
Riss 3: Griechenland geht bei China betteln.
Die EU möchte aus ideologischer Verblendung ein Non-Bailout-Exempel statuieren und lässt Griechenland sehenden Auges am ausgestreckten Arm verhungern. Ein Umweg über den IWF ist wenig attraktiv, denn er enthält im Kleingedruckten eine neoliberale Roßkur, die bereits das Balitkum erfolgreich in den Abgrund reißt. Insofern handelt Griechenland vollkommen richtig und es möchte sich dort Hilfe holen, wo wirkliche Hilfe angeboten wird - am anderen Ende der Welt in China.
Die Krise zeigt, dass die EU über eine wenig stabile Gemeinschaftswährung und ansonsten über keinerlei Gemeinschaft verfügt.
Das Gefährliche ist weder die ständig wachsende Anzahl der Risse noch deren Tiefe. Das Gefährliche ist, dass sie alle über eine gemeinsame Ursache verfügen: die wahnwitzige Ideologie des Neoliberalismus.
29. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Wirtschaftskrise | 3 Kommentare
Das Roulette dreht sich wieder
Die Krisenstrategie war erfolgreich, die Gefahr für das Finanzkasino ist für das erste abgewendet und selbst kleinere Störungen, wie die Zahlungsunfähigkeit eines Staatskonzerns. stören die Glücksspieler nicht. Es ist geschafft, alles geht weiter so wie gehabt. Das Roulette dreht sich wieder wie vor der Krise, die Finanzspekulationen treiben die Börsen wieder zu Höchstständen. Einfach nur schön
Doch gerade im nörgelischen Deutschland findet sich immer ein Kritiker, der diese Friede-Freude-Eierkuchen-Sichtweise nicht teilt. Ekkehard Wenger, Professor an der Universität Würzburg für Banken- und Kreditwirtschaft, klagt in für Qualitätsmedien ungewohnt deutlichen Worten den ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück an und schildert die unhaltbaren Zustände im Finanzministerium und den immer noch wirkungslosen Kontrollmechanismen des Finanzsektor.
Die Krise ist immer für eine Überraschung gut, eine etwas erheiternde Geschichte am Rande: Amerikanische Banken können ihre eigenen Ramschhypotheken nicht mehr finden und scheitern bei Gericht bei der Durchsetzung von Nachzahlungen und Zwangsräumungen. Das große Geld kann im Kleinen ganz schnell zu einer Luftnummer werden
Lesenswerte Links zum Thema:
- Selbstbedienung pur
- [22.12.09] Kapitulation vor dem Monopoly-Monster
Dies seien “die profitabelsten Zeiten, die es jemals gegeben hat”, sagt ohne jedes Zeichen von Scham Bill Winters, der Chef des Investmentbanking von J.P. Morgan. - [01.02.10] Leerverkäufe wieder erlaubt
BaFin kippt Notmaßnahme.
5. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (3): dement werden sie alle
Was macht eigentlich unser Elitariat im wohlverdienten Ruhestand? Schauen wir einmal nach:
Um unseren sprücheklopfender Ex-Finanzminister Steinbrück ist es still geworden. Er wurde jetzt Aufsichtsratsmitglied der Thyssen Krupp AG. Hm, merkwürdig. Weshalb steigt ein solches Prachtelitariat mit solch ausgezeichneten Qualifikationen nicht zum Olymp der Finanzwelt auf? Der Grund könnte sein, dass jeder in dieser Branche seine Eigenschaft kennt, vom Gegenüber willenlos über den Tisch gezogen zu werden und dies danach mit markigen Sprüchen als eigenen Sieg zu verkaufen. Egal, nur als altes Eisen hat er eine äußerst zweifelhafte Wahl getroffen.
Und wie hieß eigentlich sein Vorgänger nochmal? Ja, richtig, Hans Eichel. Was macht er denn so? Er hat sich wohl bei seiner Alterversorgung verspekuliert und klagt daher eine Extra-Pension ein.
Und bereits deutliche Alterserscheinungen zeigt unser Topökonom Herr Sinn. Er drängt auf eine Zwangsverstaatlichung des Bankensektors: das billige Zentralbankgeld wird nachhaltig in Boni und Dividenden investiert, die Geschenke der EZB werden jedoch nicht wie erwartet an Firmen und Privatleuten weitergereicht. Man muss wirklich ein altersweiser Topökonom sein, um diese Entwicklung nicht vorhersehen zu können.
24. November 2009 von stillewasser | Kategorie Elitariat Finanzkrise Politik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Die dicke Lippe unserer Kanzlerin
Nachdem unsere Kanzlerin die im Wesentlichen so einigermaßen gelungen Bankenrettung verkündete und sich zukünftig nicht mehr dem Erpressungspotential der alten Arroganz des Elitariats beugen wird, ist eine gewisse Übermütigkeit bei unserer Madame eingekehrt. In ihrer, wie ich finde, nicht nachahmenswerten Weise merkelt sie gegen die Bänker:
“Wir sind mit dem Heraustreten aus der akuten Form der Krise in einer Phase, wo manch einer im Finanzsektor schon wieder, wie ich finde, ein ziemlich große Lippe riskiert [..] Gemessen an unserer industriellen Basis haben wir keine überentwickelte Bankenlandschaft”.
Wir hatten auch noch nie eine überentwickelte Politiklandschaft, in sofern habe sich die beiden gleich unperfekten Partner bis zum Ausbruch der Krise perfekt ergänzt.
Ob sich das alte, streitende Ehepaar wieder versöhnen wird? Klar, denn die bevorstehende Paartherapie beim Lobbyisten wird sicherlich sämtliche Verstimmungen beseitigen. Und für diese schöne heile Welt unseres Elitariats zahlen wir doch gerne die Rechnung.
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21. November 2009 von stillewasser | Kategorie Elitariat Finanzkrise Politik Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (2): Wir reiten die Monsterwelle
Der gemütliche Spätsommer neigt sich dem Ende entgegen. Für das gemeine deutsche Völkchen bricht nun die prekäre Zeit des bitter kalten Winters an, die Umverteilungsgewinner des Elitariats jedoch dürfen weiterhin auf der Sonnenseite des angenehm feudalen Lebens verweilen.
Mit dem aufziehendem Winter endet auch die einschläfernde Krisenflaute. Die lange herbei gesehnte, herbstliche Finanzwellensurfsaison beginnt. Nach der verdächtigen Stille der vergangenen Monate wird es auch endlich Zeit, dass das freudlose Planschen in der nahezu grenzenlosen Liquididät des Zentralbankgeldes sein verdientes Ende findet. Der erfahrene Krisensurfer konnte das sanfte Rauschen der sich langsam nähernden zweiten Welle der Finanzkrise hören, die sich für die meisten unbemerkt am Horizont auftürmte. Das beständige Grundrauschen des Bankensterbens in Amerika wird lauter. Nach dem Zusammenbruch des Mittelstandsfinanzierers CIT ist die FED wieder dazu gezwungen, die Notenpresse auf Sturmstärke laufen zu lassen. In Britanien erreichen bereits die ersten Ausläufer der neuen Sturmsaison die Küste, die britischen Banken benötigen einen zweiten Bailout.
Der kalte Wind wird schärfer und das kräuseln der Wellen stärker. Die Vorzeichen sind günstig für eine noch nie dagewesene Krisenwellensurfsaison. Denn wer weiß, vielleicht gibt es diesmal sogar die lange prophezeite Monsterwelle. Falls es soweit sein sollte, wird es ein wahnsinns Ritt werden, Leute!
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6. November 2009 von stillewasser | Kategorie Elitariat Finanzkrise Politik Satire USA Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Wasserkopf Finanzwirtschaft
Die Verbriefungsmärkte, welche die Saat der Weltfinanzkrise legten, müssen wiederbelebt werden. “Diesem Anliegen muss höchste Priorität zugesprochen werden”, sagte der Deutschlandchef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Ansonsten droht - wer hätte das geahnt - die alternativlose Kreditklemme. Bei diesen bekannten Horrorszenarien aus Bänkerkreisen überkommt mich ein unheilvolles Déjà-vu, ob dies auch bei unserer neuen Alt-Kanzlerin der Fall ist?
Es sieht ganz danach aus, dass alle Verantwortlichen aus Politik und Finanzwirtschaft wirklich rein gar nichts aus der Krise gelernt haben. Jetzt soll also wieder der Turbo des ungezügelten Finanzkapitalismuses gezündet werden.
Nach der Krise ist vor der Krise.
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29. Oktober 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Politik | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (1): die Tigerente regiert
Unsere Elite befindet sich in einer prekären Situation, ihre Unfähigkeit mit der Moderne umzugehen hat uns eine Weltwirtschaftskrise im historischen Ausmaße beschert. Nur auf eines ist verlass: in Krisenzeiten scharrt sich der deutsche Michel um sein Elitariat, der überzeugende Wahlsieg der politischen Tigerente ist Beleg dieser Nibelungentreue. Und gemeinsam werden wir uns ans Werk machen, das Elitariat darf endlich - da es nun vollständig das Ruder übernehmen durfte - seine Vorstellung der perfekten Gesellschaft umsetzen. Darin lässt sich gut leben - so für die ca.0,002 % der Oberschicht. Aber immerhin ist das Elitariat mehr als Nichts!
Die Koalitionsverhandlungen haben die unnachahmliche Stärke unseres schwarz-gelben Dreampairs offenbart: der geniale Kniff mittels eines Schattenhausaltes das Wahlversprechen von Steuersenkungen inmitten der Wirtschaftskrise zu ermöglichen, entpuppte sich als grundgesetzwidrig. Doch so schnell gibt unser Elitariat nicht auf. Trotz dieser Widrigkeiten konnte die neue Regierung in ihrem Koalitionsvertrag eine neoliberale Horrorliste zusammen stellen, die ein Ende des Solidarprinzips unserer Gesellschaft einläutet und uns sicher in die nächste elitariatsverursachte Krise führen wird.
Es wird wenig Neues, aber viel Stoff zum Berichten aus dem Elitariat geben.
Fortsetzung folgt …
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25. Oktober 2009 von stillewasser | Kategorie Elitariat Finanzkrise Politik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare







