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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Das Hohelied des Lohnabstandsgebots

justiziaUps, da war doch mal ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hart IV. Die Regierung hat sich an die Arbeit gemacht und ihr Konzept der minimalen Menschenwürde vorgestellt. Als “Leitplanke” sollte bitte schön das “Lohnabstandsgebot” dienen, meint die FAZ. Denn die Sätze könnten - oh Graus - steigen und die Pension für Sauerland wäre gefährdet!
Das ist natürlich unvorstellbar, diese ungeheuerliche Ungerechtigkeit darf nicht sein, schließlich leben wir in Schland!

Sinniger wäre aber die Einführung eines Intelligenzabstandsgebotes: sollte die Intelligenzleistung eines Gesetzes unter einen IQ von IV abrutschen, dann darf es nicht mehr verabschiedet werden. Entsprechende Qualitätskriterien müssten auch für den Journalismus gelten, bevor er einen Artikel veröffentlichen darf.

Mann, das wäre der Tod des Neoliberalismus! Der totale Wahnsinn!


Alles Zufall

moneyDem Zufall zufällig zu begegnen, ist leicht, ihn überall aufzuspüren, wo er sein chaotisches Unwesen treibt, allerdings nicht. Die Prognosen des Oktopus Paul zur WM in Südafrika waren prophetisch genau. Damit unterscheidet sich der Oktopus fundamental von einem Wirtschaftsweisen. Denn die Vorhersagen der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sind nichts anderes als purer Zufall!

Wenn unsere Wirtschaftsweisen nur eine wirkungslose Kristallkugel als einen Wegweiser aus der Krise anzubieten haben, was könnte dann wirklich die Rettung bringen? Ist doch klar, Paul for president, Spongebob for Finanzbubbles and money for nothing.
Okay, das ist keine echte Lösung, aber es ist auch nicht schlimmer als die brüderlische Wirtschaftspolitik.

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Die G-Punkte des Finanzmarkts

moneyNein, nicht nur die WM ist spannend - obwohl, wenn Schland spielt endet die Spannung nach wenigen Minuten - auch die Finanzmärkte spielen eine nette Meisterschaft.
Die Spieler sind ganze Länder und sie kämpfen um die Trophäe: wer wird nach Kirgistan der nächste failed state? Wird es der südländische Heissporn Griechenland oder sichert sich doch Großbritannien nach dem WM-Aus den nächsten Loser-Titel?

Eines ist sicher, die Finanzmärkte werden bald viele weitere Höhepunkte erleben, denn im Gegensatz zu Frauen sind sie nicht nur auf einen Buchstaben fixiert. Die übrigen südeuropäischen Finanzschlampen spüren schon den Druck, den die Finanzmärkte in ihrem Vorspiel aufbauen. Er bereits groß genug, dass eine leichte Stimulation der P-, I- oder S-Punkte zum erwünschten Ausbruch führen.
Sollten die Herren der Finanzmärkte doch Fussballfans sein, dann hat allein Spanien noch eine Chance vorerst verschont zu bleiben, alle anderen PIIGS-Staaten sind bereits ausgeschieden.

Ich muss euch ehrlich gestehen, ich finde die perversen Praktiken der Finanzmafia echt abgefahren, sie toppen für mich sogar die fantastische Schland-WM in Südafrika.

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P.S: Dass ich mein unterirdisches Niveau erfolgreich unterbieten konnte, lag allein an der Hitze ;-)


Wir werden reicher!

moneyWieder einmal entzaubern die NachDenkSeiten einen dieser unsäglichen neoliberalen Mythen:
wir müssen nicht sparen, denn wir werden immer reicher!
Wie jeder - naja fast jeder - weiß, wachsen unsere Staatsschulden rasant, doch die wenigsten wisssen und ich wusste es bisher auch nicht:
unser Vermögen wächst schneller als die Staatsschulden!

Und solange das der Fall ist, stellen die Staatsschulden keine gravierende Gefahr dar - auch nicht für unsere nachfolgenden Generationen! Im Gegenteil: unser Geldsystem benötigt einen Schuldner. Würde es von heute auf morgen keinen Schuldner geben, würde unser Kreditsystem in sich zusammen fallen.
Wir brauchen also Schulden und der Staat hat gegenüber dem privaten Schuldner ein paar offensichtliche Vorteile, er ist zuverlässiger und weitaus stabiler. Statt wie gebannt auf die Schulden zu schauen, ist es für die Zukunft wichtiger, für eine innovative und moderne Gesellschaft mit einer gesunden Wirtschaft zu sorgen.

Übrigens, die Maastricht-Kriterien entstammen keiner ökonomischen Theorie, sondern sind das Produkt elitärer Befindlichkeiten zum Zeitpunkt der Eurogründung. Wie unsinnig diese Kriterien sind, zeigt Japan. Das Land hat ein Staatsdefizit von über 200% und liegt somit über dem 3-fachen der Maastricht-Kriterien und hat dennoch keinerlei Probleme, sich am Finanzmarkt mit Krediten zu versorgen.
Die Maastricht-Kriterien als Grundlage für unsere zukünftige Entwicklung heran zu ziehen, ist einfach nur verrückt. Lassen wir diese alterstarrsinnigen Geister zurück und trennen wir uns vom kleinkarierten Bild der schwäbischen Hausfrau. Das meine nicht nur ich, sondern im Grunde außer Deutschland der Rest der Welt, so auch einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager George Soros.

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If we want, we can

nopeNa, das ist ja mal ein ungewohntes Wort aus dem Munde unserer Kanzlerin! Merkel  wirft dem großen Bruder Obama das schröderische Basta-Wort entgegen: NOPE!

Danke, das ich diesen Tag erleben darf! Das überfällige Nein zum Krieg!
Morgen ziehen wir unsere Jungs aus dem sinnlosen Krieg ab und holen sie nach Hause. Dann setzten wir uns mit unseren Freunden in den USA und der EU zusammen und legen mit einer modernen, aufgrund der deutscher Handschrift entsprechend gemäßigten expansiven Wirtschaftspolitik und zusammen mit dem Abbau von Ungleichgewichten den Grundstein für den Wachstum der Weltwirtschaft, der auch den Arbeitsmarkt erfasst, und sorgen so wieder für mehr Wohlstand für alle.

Halt! Ich habe wieder einmal vergessen, dass wir in einer alternativlosen Welt leben und das heißt natürlich: wir führen weiterhin einen irrsinnigen Krieg und bilden uns ein, in der Hochfinanz eine Führerrolle einzunehmen und unsere Ideologie entgegen dem Willen der restlichen Welt und zum Wohle der Superreichen durchsetzen zu können.
Und merkeln wir uns, in Krisenzeiten dürfen wir niemals den wahren Feind aus den Augen verlieren! Die Armen und Schwachen in Afghanistan und hier.


Das ist jetzt echt nicht wahr, oder?

euWir Leben im Jahr zwei nach dem Fall Lehmans und im glorreichen Jahr des Lissabon-Vertrags. Die Geheimnisse der Finanzkrise sollten zumindest in den Grundzügen bekannt und die EU müsste nach der schweren Geburt ihres neuen Vertrages langsam erwachsen geworden sein. Europa, der Geburtsort der Aufklärung, müsste die ihm neu gegebenen Mittel nutzen, um all seine vorhandenen Ressourcen zu bündeln und sich mit all seiner Kraft aus der Krise zu befreien.

Und was muss ich stattdessen heute lesen?

EU-Parlamentarier ärgern sich über die Macht der Bankenlobby - und suchen Hilfe beim Volk.

Das ist jetzt echt nicht wahr, oder? Für was haben wir diesen ganzen Haufen an Bürokratie eigentlich? Nur zur Verwaltung der eigenen Inkompetenz? Die EU-Parlamentarier haben kein Rezept gegen den Bankenlobbyismus? War der Eddi etwa mit dem Ausmisten nicht erfolgreich?
Und wer soll den Karren aus dem Dreck ziehen? Die Idioten, die den ganzen Mist aus zu baden haben? Wo sind die Koryphäen der ökonomischen Zunft? Wo sind Politiker mit Verstand und Kompetenz? Wo sind die kritischen Medien? In ganz Europa Fehlanzeige?

O Mann, es schmerzt wirklich, wenn Befürchtungen von der Realität noch übertroffen werden.

[update] Eine Nacht hatte ich Zeit und meine Verärgerung über das Verhalten der EU-Parlamentarier wird größer. Zum Glück bin ich nicht alleine, wenn auch andere bei diesem Trauerspiel noch Mitleid empfinden können. [/update]


Wer hat Angst vor der schwäbischen Hausfrau?

trachtEs ist schon eine lustige Geschichte. Wir versuchen das finanzpolitische Provinzmodel der schwäbische Hausfrau nach Spanien und den anderen südeuropäischen Ländern zu exportieren, während unser großes Vorbild, die USA, eine panische Angst gegen diese kleinbürgerliche Strategie entwickelt. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman formuliert seine Abneigung mit deutlichen Worten und fordert ein hartes Vorgehen gegen unsere Besessenheit des Sparens:

And it’s also important to send a message to the Germans: we are not going to let them export the consequences of their obsession with austerity.
Nicely, nicely isn’t working. Time to get tough.

Woher kommt diese Angst? Unsere Kanzlerin beim Spätzlebacken am heimischen Herd wirkt doch alles andere als bedrohlich! Wieso werden namhafte Finanzexperten überm Teich so nervös? Vielleicht hilft ein Blick in die Geschichtsbücher. Das Kapitel über den Reichskanzler Brüning zeigt, wenn Deutsche sparen ist das nicht immer zum Wohle der Welt:

Brüning betrieb in insgesamt vier großen Notverordnungen eine einschneidende Spar- und Deflationspolitik: Er erhob neue Steuern bei gleichzeitiger Senkung staatlicher Leistungen und er wirkte auf eine Absenkung von Löhnen und Gehältern hin. Damit hoffte er, den deutschen Export zu erhöhen, doch weil Deutschlands Handelspartner eine ähnliche Politik betrieben und zudem ihre Zölle erhöhten, musste diese prozyklische Politik scheitern; sie verschärfte letztlich nur die Wirtschaftskrise in Deutschland.

An diesem Beispiel sieht man sehr schön: unser Exportwahn, gewürzt mit einer kräftigen Brise Sparzwang, ist weder ein neues noch eine besonders erfolgreiches deutsches Rezept. In anderen Worten bzw. wieder in Worten Paul Krugmans: That ’30s Feeling.


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Kleine Brötchen

moneyWir in Deutschland haben nach der offiziellen, massenmedial verbreiteten Diktion keine Kreditklemme. Nur unterschwellig ist in manchem Artikel zu lesen, dass die Unternehmen in der aktuellen Weltwirtschaftskrise ein richtig großes Problem haben: sie bekommen keine Kredite.
Gerade der Unterschicht wird aufgrund ihrer bekannten dekadenten Lebensweise meist kein Kredit mehr gewährt.
Gut, dass für die Gefahr, die es nicht geben sollte oder drüfte, eine Lösung gefunden wurde: der Mikrokredit.

Die Idee des Mikrokredits basiert auf einem Konzept des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Es wurde speziell für die Erfordernisse, die in Entwicklungsländern herrschen, entwickelt und dort auch erfolgreich erprobt. Das dieses Konzept ebenfalls zur Förderung der deutschen Wirtschaft eingesetzt werden kann, dürfte im Grunde niemanden überraschen. Der Umbau Deutschlands in ein neoliberales Musterentwicklungsland nach amerikanischem Vorbild ist in weiten Teilen bereits umgesetzt.

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Sparen ist für den Arsch

islandDer Geiz ist nach der Psychoanalyse von Sigmund Freud auf den analen Charakter zurückzuführen. Wenn also der Bürger, der für die Schulden der Finanzzocker bezahlen soll, sich wie der letzte Arsch vorkommt, so lässt sich diese gefühlte These wissenschaftlich fundiert belegen.
Die Isländer, die dem sarrazinischen Ideal des Kaltduschers entsprechen, widersetzen sich gerade dieser um sich schlagenden Verarschung. Sie haben mit 95% gegen den Plan ihrer Regierung gestimmt, der die Rückzahlung der isländischen Schulden regeln sollte. Warum sollten auch die Isländer in Kollektivhaftung für die Fehler ihrer Bänker genommen werden? Weshalb sollten sie für den Leichtsinn der ausländischen Anleger haften, die bei ihren Zockerbanken Geld angelegt haben?

Nicht nur auf der kleinen isländischen Insel soll gespart werden, auch in Amerika und vor allem in Europa soll mit fiskalischer Askese die spätrömische Dekadenz beendet werden. Doch jetzt einfach so mit dem Sparen anzufangen ist ein schwerer Fehler. Das sagt zumindest kein geringerer als der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz. Er sieht in der aktuellen Politik die große Gefahr, dass sie zu einer dauerhaften Stagnation führt.


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Ex-Exportweltmeister

wirtschaftswachstumDie deutschen Exporte sanken im Weltwirtschaftskrisenjahr mit - 15,9 % so stark wie noch nie in unserer Nachkriegsgeschichte. Während wir noch die Festigkeit der Bodenbildung prüfen, sind die meisten asiatischen Länder wie Südkorea, deren Exporte im Januar um stolze 47,1 % gestiegen sind, bereits aus diesem Jammertal der Rezession gkletter. Jetzt dürfen wir uns Ex-Exportweltmeister nennen und reichen den begehrten Exportweltmeisterpokal zum ersten mal an China weiter.

Von diesem ehrwürdigen Titel für Ökonomiefetischisten kann man sich viel kaufen, besonders wir als Seriensieger von 2003 bis 2008. Für die ehrlich erworbenen Preisgelder haben wir uns immerhin einen ansehnlichen Haufen an Schrottpapiere andrehen lassen, um unseren Wasserkopf des Finanzsystems und nun auch die Bad Banks damit zu füttern. Darauf müssen wir einfach nur stolz sein, denn etwas anderes bleibt uns nicht.

Mal so ganz im Ernst: ich glaube, es hätte eine bessere Anlagestrategien gegeben, um sich auf den Exportweltmeisterlorbeeren mal wirklich ausruhen zu können. Zum Beispiel hätten wir in die Bildung und somit in die Zukunft unserer Kinder investieren können. Es wurde zwar immer vollmundig von unserem Politikelitariat angekündigt, aber getan haben sie wie immer nichts. Im Gegenteil, sie haben die Zukunft unserer Kinder schlicht und einfach verharzt.

Bildquelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.

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