Das Hohelied des Lohnabstandsgebots
Ups, da war doch mal ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hart IV. Die Regierung hat sich an die Arbeit gemacht und ihr Konzept der minimalen Menschenwürde vorgestellt. Als “Leitplanke” sollte bitte schön das “Lohnabstandsgebot” dienen, meint die FAZ. Denn die Sätze könnten - oh Graus - steigen und die Pension für Sauerland wäre gefährdet!
Das ist natürlich unvorstellbar, diese ungeheuerliche Ungerechtigkeit darf nicht sein, schließlich leben wir in Schland!
Sinniger wäre aber die Einführung eines Intelligenzabstandsgebotes: sollte die Intelligenzleistung eines Gesetzes unter einen IQ von IV abrutschen, dann darf es nicht mehr verabschiedet werden. Entsprechende Qualitätskriterien müssten auch für den Journalismus gelten, bevor er einen Artikel veröffentlichen darf.
Mann, das wäre der Tod des Neoliberalismus! Der totale Wahnsinn!
3. August 2010 von stillewasser | Kategorie Neoliberalismuskritik Politik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Alles Zufall
Dem Zufall zufällig zu begegnen, ist leicht, ihn überall aufzuspüren, wo er sein chaotisches Unwesen treibt, allerdings nicht. Die Prognosen des Oktopus Paul zur WM in Südafrika waren prophetisch genau. Damit unterscheidet sich der Oktopus fundamental von einem Wirtschaftsweisen. Denn die Vorhersagen der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sind nichts anderes als purer Zufall!
Wenn unsere Wirtschaftsweisen nur eine wirkungslose Kristallkugel als einen Wegweiser aus der Krise anzubieten haben, was könnte dann wirklich die Rettung bringen? Ist doch klar, Paul for president, Spongebob for Finanzbubbles and money for nothing.
Okay, das ist keine echte Lösung, aber es ist auch nicht schlimmer als die brüderlische Wirtschaftspolitik.
Lesenswerte Links zum Thema:
2. August 2010 von stillewasser | Kategorie Politik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
“Rammt eure Zähne in ihr Fleisch und lasst nicht mehr los”
“Rammt eure Zähne in ihr Fleisch und lasst nicht mehr los”, das ist die neue Afghanistan-Strategie des NATO-Chefs Petraeus. Mit diesen Worten ist die diesjährige Saison des elitären und beliebten Volkssports “Menschenjagd am Hindukusch” offiziell eröffnet. Der Friedensnobelpreisträger Obama hat sich, damit diese neue Strategie ihre volle Wirkung entfalten kann, einem Verbot der geächteten Streubomben verweigert.
Na, da klingt doch alles viel erfolgversprechender als Brunnen bohren und Frauen beschützen! Nur, die Niederländer hauen einfach aus Afghanistan ab - feige Schweine sowas!
1. August 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Satire | Keine Kommentare
Der alte Geist der neuen Kommandotruppen
Ein starkes Stück Hofberichterstattung findet sich bei der Zeit. Unter dem Titel “Unter Kriegern” wird selbst an der Heimatfront embedded über die KSK der Bundeswehr berichtet. In blumigen Worten wird über die “geilen Macker” mit ihren “dicken Uhren” berichtet - die kriegslüsterne Bewunderung für die Elitesoldaten trieft aus jeder Zeile, jedem Komma der Autorin.
Lesens- und bemerkenswert ist auch das Verständnis des Pfarrers, der die Spezialkräfte betreut. Immerhin bestehen die Aufgaben der Truppe in der Jagd nach “Zielpersonen”, die nicht selten aus blutigen “Hausbesuchen” besteht. Den kirchlichen Segen erhalten die Krieger mit dem unbiblischen Begriff der Resilienz, der einen schonenden Umgang mit dem Töten erlaubt.
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1. August 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Medienkritik | Keine Kommentare
Die Vietghan Akten
Wikileaks hat einen neuen Scoop gelandet: über 91.000 zum größten Teil geheime Dokumente über den Afghanistankrieg hat die Whistleblower-Plattform veröffentlicht. Bevor der riesige Aktenberg frei gegeben wurde, durften der Guardian, der New York Times und der Spiegel ihn vorab begutachten, um ihre Echtheit zu überprüfen. Ja, sie sind es und sie erlauben zum ersten Mal einen umfassenden Blick auf den Krieg.
Wow, und was sind die neuen Erkenntnisse vom fernen Hindukusch?
Die Militärs und die Politik haben die Lage in Afghanistan falsch dargestellt - oh, das ist ja nicht zu fassen! Der Krieg ist schmutzig und es werden genau die Grenzen übertreten, die wir vorgeben zu verteidigen - nein, das kann doch nicht wahr sein! Wir, die Besatzer, sind nicht die Lösung, sondern ein Teil des Problems - ach du meine Güte, das konnte ja wirklich keiner ahnen! Und der Krieg ist schon lange verloren -na so was, das darf man doch gar nicht denken und erst recht nicht bloggen!
Was haben unsere Qualitätsmedien in der Zwischenzeit eigentlich gemacht? Haben sie diese offensichtlichen Fakten nicht selbst recherchieren können? Brauchte es dazu wirklich Wikileaks? Es ist erstaunlich, dass die Medien nicht selbst merken, dass sie sich mit der Veröffentlichung der Dokumente ihr eigenes Armutszeugnis ausstellen.
Es ist der längste Krieg, nach über acht Jahren wird die Sicherheitslage in Afghanistan immer schlechter. Militärisch ist Afghanistan nicht zu befrieden. Nicht umsonst hat es sich den Ruf als Friedhof der Supermächte erkämpft, Amerika und die NATO sollten dem Respekt zollen.
Ach ja, ich finde übrigens, wir sollten mit dem Krieg weiter machen. Er tut doch nicht weh, jedenfalls nicht hier, hinter den TV-Bildschirmen der Heimatfront. Und ob wir unsere Kinder zur Bundeswehr oder zur Loveparade schicken, das macht doch keinen Unterschied mehr.
28. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Medienkritik Satire | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (12): Noch einer verlässt das sinkende Schiff
Erst Koch, dann Köhler, irgendwie auch sein Nachfolger Wulff und jetzt Beust. Da fragt man sich schon und man würde es sich auch am liebsten so wünschen: können Rücktritte ansteckend sein? Das wohl nicht, aber man muss sagen: das ist schon eine ausgewachsene Massenflucht aus den Bundes- und Ministerpräsidentenämter.
So langsam beschleicht einem das Gefühl, auf der RMS Titanic zu sein, nur dass dank der modernen Technik der Eisberg früh genug gesichtet wurde und diesmal die richtigen Maßnahmen noch rechtzeitig ergriffen werden konnten: die Abschottung zur Unterschicht wurde verstärkt und das Elitariat auf dem Oberdeck bringt sich mit den letzten verbleibenden Rettungsbooten in Sicherheit - nur der Kapitän verpasst seinen Absprung.
Das Schlimmste an diesem Drama ist das Gedudel der Qualitätsmedien. Sie Singen einstimmig ihr Loblieb auf das Elitariat, obwohl ihnen selbst das Wasser schon bis zum Hals steht.
Ich jedenfalls habe in der aktuellen Krisensituation das vollste Vertrauen in unser Elitariat: Sollte sich die Situation noch weiter verschärfen, dann bestünde die realistische Hoffnung, dass sie sich alle verpissen würden. Die Ursache der Krise wäre dann beseitigt, die Folgen allerdings noch lange nicht.
19. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat Neoliberalismuskritik Politik Satire | Keine Kommentare
Und wer hat Schuld? …. Mutti!!!
Manno, das tat weh. 0:1 verloren, der Traum von der Weltherrschaftmeisterschaft ist geplatzt. Die Gründe für die Niederlage an der Südafrikafront sind offensichtlich: Unsere Mutti hat sich den Flug zum schwarzen Kontinent gespart und unsere tapfer kämpfenden Jungs einfach hängen lassen. Jeder weiß doch, ohne das anstachelnde Schweigen unserer Oberbefehlshaberin in WM-Zeiten gewinnt unsere Nationalarmeemannschaft keinen Blumentopf. Das war ein hinterhältiger Dolchstoß in den Rücken unserer heldenhaften Jungs!
Tja, das ist schon eine deftige Ironie der Geschichte: Fast alle der PIIGS-Staaten, wie Italien oder Portugal, haben sich pflichtgemäß früh aus dem Turnier verabschiedet. Nur der letzte Mohikaner der asozialen PIIGS-Bande hat uns ein ein Bein gestellt. Dabei waren wir doch soooo sparsam, noch sparsamer als eine ganze Horde schwäbischer Hausfrauen.
Wir haben an Allem gegeizt was ging: Aggressivität, Spielfreude und Siegeswillen. Und was machen diese prassenden Spanier? Haben all das im Überfluss und schicken uns nach Hause ![]()
Was für eine herbe Niederlage der deutschen Tugenden, welch ein Rückschlag für das gesundheitskrankreformierte Schland.
Was bleibt uns? Sagen wir doch einfach: Danke Mutti!
8. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Politik Satire | Keine Kommentare
Ein wenig Durchblick
Ab und zu ist er selbst in den Qualitätsmedien zu finden: der Durchblick, welchen Zweck die chaotischen Maßnahmen der schwarz-gelben Regierung dienen. Es bedarf schon eines heißen Sommerlochs gepaart mit einer Fußball-WM, damit ein gelungener Gastbeitrag das Ziel der aktuellen Regierungspolitik offenlegt:
Leider sind wir in Deutschland und haben eine Finanz-, aber keine Fußballkrise. Unsere Mutti darf sich daher sorglos und kindisch über die Siege unserer Mannschaft und über ihre gelungene Politikstrategie jubeln, ihr Volk wird ihr freudentaumelnd folgen.
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6. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Sozialstaatsdebatte | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (17): Wulff im Schafspelz
War das eine spannende Bundespräsidentenwahl! Keiner konnte doch ahnen, das wirklich das im voraus feststehende Ergebnis eintreten würde! Und es grenzt doch an eine wissenschaftliche Sensation, dass die Totenstarre der schwarz-gelben Regierung langsam in einen sichtbaren Verwesungprozess über geht. Allein die Linke sorgte an diesem historischen Abend für eine Überraschung und wählte so wie sie es angekündigt hatte. Dabei hatte sie die einmalige Chance, die Mathematik außer Kraft zu setzen: wenn jemand mit absoluter Mehrheit gewählt wird, ist das noch lange keine demokratische Entscheidung!
So, jetzt kehrt langsam wieder die politische und mediale Routine ein und das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl kann professionell kommuniziert werden: Wulff ist der bessere Hotte!
Hm, was ist eigentlich mit dem anderen Kandidaten? Wie war nochmal gleich der Name? Ach ja, Gauck, der Bundespräsident der Herzen. Hach, das ist doch das Angenehme am alzheimernden Michel, er vergisst so schnell, sogar noch schneller als die Journaille.
Bald wird sich keiner mehr an Gauck erinnern, der noch vor kurzem das Zentrum der bürgerlichen Mitte, der Inbegriff der Versöhnung und Aufarbeitung oder schlicht der Übervater des Politikolymp war - aber all das endete mit dem dritten Wahlgang. Jetzt fallen all diese schönen Eigenschaften Kraft der Medien dem neuen Präsidenten zu. Einfach ein paar Jubelbilder um etikettieren und Wulff wird zum gefeierten Medienstar.
Schauen wir nicht mehr zurück, denn ein solcher Blick ist immer ohne Hoffnung. Es könnte ja wirklich sein, dass der Lieblingsschwiegersohn aller Lämmermütter doch noch sein Schafspelz ablegt und sein Andenfreund Koch unter dem wohlwollenden Schutz des Präsidenten den politischen Merkelmord wagt.
Die Zeichen stehen gut, denn die Medien wollen das Blut der Regierung sehen solange es rot ist und es sich noch nicht mit den schleimigen Fäulnisflüssigkeiten der im Amt verwesenden Regierung vermischt hat.
2. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Politik Satire | 2 Kommentare
Wir haben einen neuen Bundespräsidenten - und alle so: Yeaaahh
Seitdem Hotte sich aus dem Staub machte, ist Schloss Bellevue verwaist. Der “Quer-”einsteiger hatte gegen die oberste Politikerregel verstoßen: sage niemals die Wahrheit!
Heute war nun der Tag der Entscheidung, sein Nachfolger musste gewählt werden. Die Wahl auf einem WM-freien Tag zu legen, war - das muss man offen zugestehen - eine taktische Meisterleistung unserer Mutti. Eine bessere Lehrstunde, um dem dummen Volk den Unterschied zwischen Politik und Fußball zu vermittelt, kann es nicht geben.
Fußball, das ist die zweit schönste Nebensache der Welt, das ist schweißtreibender Wettkampf mit robusten Körpereinsatz, der mit fairen Regeln auf dem Platz ausgetragen wird. Am Ende gewinnt der Bessere.
Und Politik? Eine demokratische Auseinandersetzungen auf freiheitlicher Grundordnung basierend findet nicht mehr statt. Die entscheidenden Strippen werden hinter verschlossenen Türen gezogen, während vor den Kameras der Öffentlichkeit Profilsüchtige eine Nebelkerze nach der anderen zünden dürfen. Und am Ende gewinnt immer der kleinste gemeinsame Nenner.
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30. Juni 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Politik Satire | Keine Kommentare







