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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

“Rammt eure Zähne in ihr Fleisch und lasst nicht mehr los”

isaf“Rammt eure Zähne in ihr Fleisch und lasst nicht mehr los”, das ist die neue Afghanistan-Strategie des NATO-Chefs Petraeus. Mit diesen Worten ist die diesjährige Saison des elitären und beliebten Volkssports “Menschenjagd  am Hindukusch” offiziell eröffnet. Der Friedensnobelpreisträger Obama hat sich, damit diese neue Strategie ihre volle Wirkung entfalten kann, einem Verbot der geächteten Streubomben verweigert.
Na, da klingt doch alles viel erfolgversprechender als Brunnen bohren und Frauen beschützen! Nur, die Niederländer hauen einfach aus Afghanistan ab - feige Schweine sowas!


Der alte Geist der neuen Kommandotruppen

soldatEin starkes Stück Hofberichterstattung findet sich bei der Zeit. Unter dem Titel “Unter Kriegern” wird selbst an der Heimatfront embedded über die KSK der Bundeswehr berichtet. In blumigen Worten wird  über die “geilen Macker” mit ihren “dicken Uhren” berichtet - die kriegslüsterne Bewunderung für die Elitesoldaten trieft aus jeder Zeile, jedem Komma der Autorin.
Lesens- und bemerkenswert ist auch das Verständnis des Pfarrers, der die Spezialkräfte betreut. Immerhin bestehen die Aufgaben der Truppe in der Jagd nach “Zielpersonen”, die nicht selten aus blutigen “Hausbesuchen” besteht. Den kirchlichen Segen erhalten die Krieger mit dem unbiblischen Begriff der Resilienz, der einen schonenden Umgang mit dem  Töten erlaubt.


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Die Vietghan Akten

isafWikileaks hat einen neuen Scoop gelandet: über 91.000 zum größten Teil geheime Dokumente über den Afghanistankrieg hat die Whistleblower-Plattform veröffentlicht. Bevor der riesige Aktenberg frei gegeben wurde, durften der Guardian,  der New York Times und der Spiegel ihn vorab begutachten, um ihre Echtheit zu überprüfen. Ja, sie sind es und sie erlauben zum ersten Mal einen umfassenden Blick auf den Krieg.
Wow, und was sind die neuen Erkenntnisse vom fernen Hindukusch?
Die Militärs und die Politik haben die Lage in Afghanistan falsch dargestellt - oh, das ist ja nicht zu fassen! Der Krieg ist schmutzig und es werden genau die Grenzen übertreten, die wir vorgeben zu verteidigen - nein, das kann doch nicht wahr sein! Wir, die Besatzer, sind nicht die Lösung, sondern ein Teil des Problems - ach du meine Güte, das konnte ja wirklich keiner ahnen! Und der Krieg ist schon lange verloren -na so was, das darf man doch gar nicht denken und erst recht nicht  bloggen!

Was haben unsere Qualitätsmedien in der Zwischenzeit eigentlich gemacht? Haben sie diese offensichtlichen Fakten nicht selbst recherchieren können? Brauchte es dazu wirklich Wikileaks? Es ist erstaunlich, dass die Medien nicht selbst merken, dass sie sich mit der Veröffentlichung der Dokumente ihr eigenes Armutszeugnis ausstellen.

Es ist der längste Krieg, nach über acht Jahren wird die Sicherheitslage in Afghanistan immer schlechter. Militärisch ist Afghanistan nicht zu befrieden. Nicht umsonst hat es sich den Ruf als Friedhof der Supermächte erkämpft, Amerika und die NATO sollten dem Respekt zollen.

Ach ja, ich finde übrigens, wir sollten mit dem Krieg weiter machen. Er tut doch nicht weh, jedenfalls nicht hier, hinter den TV-Bildschirmen der Heimatfront. Und ob wir unsere Kinder zur Bundeswehr oder zur Loveparade schicken, das macht doch keinen Unterschied mehr.


Ganz bestimmt

isafDer amerikanische Afghanistankrieg steckt nicht nur im Wüstensand fest, mediale Stürme rücken den vergessenen Krieg wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit: McChrystal, Oberkommandierende der NATO Truppen in Afghanistan, lästerte mit seinen Leuten über die zivilen Weicheier im Pentagon, wie dieser Friedensnobelpreisträger Obama qua Auszeichnung einer ist. Unser “Verteidigungs”minister Guttenberg findet sowas das toll und würde am liebsten über sich selbst so herziehen dürfen. Doch im Gegensatz zu Guttenberg versteht Obama nichts vom militanten Frustabbau und schmeißt seinen pöbelnden “Feldherren” raus, schließlich braucht der unwürdige Krieg ein würdiges Oberhaupt - und das heißt jetzt Petraeus.

Zum Glück hat die ganze Farce nichts mit Deutschland zu tun, denn wir werden Weltmeister und verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch. Sollten einmal Deutsche Soldaten in einem verlorenen Krieg mit einer wirkungslosen Strategie sinnlos geopfert werden, dann werden die Qualitätsmedien sofort darüber berichten. Ganz bestimmt.


If we want, we can

nopeNa, das ist ja mal ein ungewohntes Wort aus dem Munde unserer Kanzlerin! Merkel  wirft dem großen Bruder Obama das schröderische Basta-Wort entgegen: NOPE!

Danke, das ich diesen Tag erleben darf! Das überfällige Nein zum Krieg!
Morgen ziehen wir unsere Jungs aus dem sinnlosen Krieg ab und holen sie nach Hause. Dann setzten wir uns mit unseren Freunden in den USA und der EU zusammen und legen mit einer modernen, aufgrund der deutscher Handschrift entsprechend gemäßigten expansiven Wirtschaftspolitik und zusammen mit dem Abbau von Ungleichgewichten den Grundstein für den Wachstum der Weltwirtschaft, der auch den Arbeitsmarkt erfasst, und sorgen so wieder für mehr Wohlstand für alle.

Halt! Ich habe wieder einmal vergessen, dass wir in einer alternativlosen Welt leben und das heißt natürlich: wir führen weiterhin einen irrsinnigen Krieg und bilden uns ein, in der Hochfinanz eine Führerrolle einzunehmen und unsere Ideologie entgegen dem Willen der restlichen Welt und zum Wohle der Superreichen durchsetzen zu können.
Und merkeln wir uns, in Krisenzeiten dürfen wir niemals den wahren Feind aus den Augen verlieren! Die Armen und Schwachen in Afghanistan und hier.


Hofberichtblogging (15): Mach’s noch einmal, Horst!

koehlerHerr Köhler, so ein Fehler kann jedem einmal passieren, ganz ehrlich. Das macht nichts, es geht bald vorbei und hinterlässt auch keine bleibenden Schäden. Nicht nur Sie, auch anderen vor Ihnen ist es schon passiert und sie haben einmal die Wahrheit gesagt. Ja, auch Politiker.
Und falls es Sie beruhigen sollte – Sie müssen es auch bestimmt nicht wieder tun. Bei Karrieren wie Ihrer werden die Momente der Wahrheit einmalige Ereignisse bleiben. Also keine Angst, keiner wird ihnen diesen Fauxpas nachtragen.

Es wäre wirklich schade, wenn ein Mann Ihres Formats dem mysteriösen Afghanistan-Fluch zum Opfer fiele. Sie erinnern sich? Zuerst traf es den damaligen Nichtverteidigungsminister Jung und ein paar hochrangige Bedienstete der Hardthöhe, die von dessen Nachfolger Guttenberg abgesägt wurden. Den schmerzvollsten Verlust erlitt die Truppe allerdings mit dem Rücktritt des Oberstleutnants Sanftleben, der die Anstalt verlassen wird.


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Krieg muss sich lohnen

militaerkoehlerSchön, jetzt haben es auch die Qualitätsmedien bemerkt, was unser Bundeshotte so alles über Krieg und Wirtschaft gesagt hat, nachdem sie schon das Weißbuch der Bundeswehr nicht richtig lesen konnten. Natürlich war es wieder missverständlich, wieder eines dieser Kommunikationsprobleme - wenn man es nur richtig versteht, war es alles rechtens, was unser Oberhaupt  sagte.
Mit einem Friedensnobelpreisträger an unserer Seite und einem Wisch von der UN - ist wegen der Akten -  könne wir unser  Grundgesetz ruhig stecken lassen und bedenkenlos zu den Waffen greifen. Militär und Krieg ist doch das Normalste der Welt für uns Deutsche, schließlich sind wir die einzigen Weltkriegsweltmeisterverlierer.


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Zeitloser Greisengeist

koehlerEinen alten Geist möchte ich unseren Bundespräsidenten wirklich nicht nennen, obwohl sein seltenes und scheues Auftreten etwas spukhaftes an sich hat. Öffentlich für alle sichtbar weilt er noch unter uns und dennoch: er und sein Volk kommen sich, trotz einer zweiten Chance, einfach nicht näher. Aus seiner Verzweiflung sucht der oberste Mann im Staate sein Heil bei alten Geistern.

Seit langem gibt es für diesen schrecklichen Verdacht eindeutige Belege. Als er aus der Ferne vom Schloss Bellevue zur Einführung des neuen Gerichtspräsidenten nach Karlsruhe reiste, bekundete er seine Sorgen über die zunehmenden Verstöße gegen das Grundgesetz. Im Gegensatz zum Volk, das für diesen Missstand eindeutig die Politik verantwortlich macht, beschwört der Bundespräsident lieber alte Geister. Diese flüstern ihm die genial einfache Lösung zu: die Leute müssen damit aufhören beim Verfassungsgericht zu klagen!
Es ist das alte Herrschaftsdenken, das sich der Bundespräsident zu eigen macht: wenn unsere Rechte auf dem Papier stehen, reicht das völlig aus. Sie auch tatsächlich juristisch einzufordern, geht jedoch genau einen entscheidenden Schritt zu weit.

Wie weit unser Präsident schon vom Boden des Grundgesetzes abgehoben hat, zeigt sein Verständnis für den Einsatz der Bundeswehr. Während  eines Radiointerviews offenbarte er, dass unser Militär nicht nur für die Verteidigung des Vaterlands hier und am Hindukusch da ist:

Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‘freie Handelswege’. Es gelte, Zitat ‘ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen’ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten.

Quelle: Interview im Deutschlandradio, in der Zwischenzeit wurde diese Passage gekürzt.


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Die „Kriegsakte“ der Süddeutschen

Von Frank Benedikt

auto-anthropophagMan muß ja als Leser der Süddeutschen Zeitung schon seit langen Jahren so einiges ertragen, nicht zuletzt die oft unsäglichen Kommentare eines Stefan Kornelius, aber heute, heute ist er zu weit gegangen. Diese wilden Phantastereien muß man sich nicht mehr anhören: Nordkorea hat mit der mutmaßlichen Versenkung einer Korvette einen „Kriegsakt“ begangen und „sucht die Konfrontation“. Wieviel Unwissen oder aber gezielte Desinformation gehört dazu, derlei zu schreiben?


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Hofberichtblogging (12): Über die Unbedenklichkeit des Kollaterierens

isafDas sind doch gute Nachrichten: das Ermittlungsverfahren gegen Oberst Klein wegen des Bombenabwurfs auf die Tanklaster im Fluss Kundus, der den Tod von Dutzenden afghanischen Zivilisten zur Folge hatte, ist eingestellt worden. Krieg und Kollateralschäden gehören zusammen, das sieht auch das Völkerstrafgesetzbuch so. Und das Völkerstrafrecht muss hier Anwendung finden, denn schließlich handelt es sich juristisch - nicht umgangssprachlich - um einen “nicht internationalen bewaffneten Konflikt”, d.h. es ist - umgangssprachlich formuliert - ein Bürgerkrieg. Weshalb wir als nichtafghanische Bürger bei diesem Krieg mittöten und -sterben, ist jedoch keine Frage, die wir uns in Kriegszeiten stellen sollten.


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