Vietghan: Die nächsten Toten kommen bestimmt
15. April 2010 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Krieg | Keine Kommentare
Vietghan
“Die Supermacht unter der Führung ihres Friedensnobelpreiträgers Barack Obama hatte mit seiner neuen, genialen Strategie nichts anderes als Formel für den Frieden gefunden!
Mit einer in der amerikanischen Militärgeschichte größten Truppen- und Materialverlegung aus dem Irak nach Afghanistan wurden die Weichen für dieses historische Ereignis gestellt. In einem unvergleichlichen Durchmarsch mit erstaunlich wenig Kollateralschäden - ein toter Afghane ist immer ein Taliban
- wurde in kürzester Zeit das kriegsgeschundene Land befriedet. Der Aufbau einer Demokratie nach westlichem Standard stellte, dank der Begeisterung der wenigen Überlebenden, für den missionarischen Eifer des Westens keine Überforderung mehr da. Nicht nur das westliche Militär und die Politik fühlte sich, zu recht von diesem unvergleichlichen Erfolg berauscht, wie Götter auf dem Olymp der Globalisierung, auch die Afghanen erkannten in diesem siegreichen Krieg des Westens ein Gotteswerk und konvertierten freiwillig und geschlossen zum Christentum.
Der Leuchtturm der Freiheit und Demokratie erstrahlt am Hindukusch heller als zuvor versprochen!
Dieser unvergleichliche Triumph ist der moralischen, wirtschaftlichen und religiösen Überlegenheit der USA geschuldet, die das Militär erst zu ihrer durchschlagenden Wirkung verhilft.
Ohne die Koalition der Willigen wäre diese Herkulesaufgabe selbst für eine Supermacht nicht zu schultern gewesen. Ein besonderer Anteil an diesem grandiosen Sieg hat der wichtigste Verbündete im Afghanistankrieg: Deutschland! Nur unter der harten und unbeugsamen Führung der Kanzlerin ….”
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11. April 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik Satire USA | 3 Kommentare
Wir sind die Guten!
Der moderne Krieg ist chirurgisch - medizinisch notwendig, er ist gerecht - nur die Bösen werden getötet, und er ist sauber - an den Händen der Soldaten klebt kein Blut. Der Zuschauer zu hause darf die Kriegsberichterstattungen der Medien ohne schlechtes Gewissen verfolgen. Unser militärisches Engagement für die Welt ist gut, richtig und alternativlos!
Das demokratisch legitimierte Töten setzt eine besondere Sorgfalt voraus. Strenge Regeln und Vorschriften wurden ausgearbeitet, auf ihre Einhaltung wird penibel geachtet und Verstöße registriert.
Wikileaks hat heute einen Lehrfilm westlicher Kriegsführung veröffentlicht, der an einem realen Beispiel zeigt, wie zwei Reuters-Journalisten, ein Verwundeter, zu Hilfe eilende Zivilisten und Kinder von einem amerikanischen Kampfhubschrauber unter Beschuss genommen werden. Später eintreffende Bodentruppen überfahren unter Gelächter eine der vielen umher liegenden Leichen.
All dies erfolgte nach Aussagen des amerikanischen Militärs streng nach den Einsatzregeln (”Rules of Engagement”) und ist somit per Definition eine saubere militärische Operation.
Hinweis: Das Video zeigt den Krieg - nicht das sauber blankpolierte Medienbild, sondern den Schmutz. Es ist also nichts für schwache Nerven!
Der Vorfall ereignete sich bereits vor 3 Jahren im Irak. Wikileaks wurde, seit sie den Besitz dieses Videos bekannt gaben, von Geheimdiensten überwacht. Ein großes Dank gilt daher dem Mut und der beharrlichen Ausdauer von Wikileaks, die eine Veröffentlichung erst ermöglichten! Auf der Whistleblower -Plattform können geheime Dokumente anonym eingereicht werden, eine Veröffentlichung erfolgt erst nach einer eingehenden Analyse. Für den investigativen Journalismus wird Wikileaks immer bedeutender. Eine Spende für dieses Projekt ist daher in meinen Augen eine gute Investition.
[update] Ich habe mir das Video mehrmals angeschaut und ich bin zur Überzeugung gelangt, dass die Gruppe nicht bewaffnet war. Sie trugen weder Maschinengewehre (AK 47’s) noch Panzerfäuste (RPG’s), sie hatten schlicht ihre Kameraausrüstung dabei. [update 3] Zwischen 3:39 und 3:45 sind zwei bewaffnete Männer erkennbar, von denen einer eine Panzerfaust (RPG) hat. Sie scheinen jedoch nicht zur beschossenen Gruppe zu gehören. [/update] Auch der angebliche Beschuss ohne Mündungsfeuer war wohl nichts anderes als harmloses Fotografieren. Tragisch könnte diese Verwechslung sein, ein Kollateralschaden eben. Nur, das was danach mit dem Schwerverletzen oder den Helfern geschah, ist unentschuldbar.
Die militärischen Handlungen waren regelkonform und das ist korrekt. Der Krieg lässt sich nicht steuern, er zwängt sich nicht in Konventionen. Der Krieg wird immer das bleiben was er ist: eine Barbarei.
Noch eine Anmerkung, die mir wichtig ist: Die Schlachtfelder im Irak oder Afghanistan scheinen weit weg. Nur, die Soldaten kommen irgendwann aus dem Krieg zurück. Jeder sollte sich daher in einer ruhigen Minute mal die Frage stellen, ob er einen der Schützen gerne als Nachbarn hätte. [/update]
[update 2] Ein Interview mit dem Wikileaks Mitbegründer Julian Assange über die Veröffentlichung des Videos. Es gibt nur eine englische Version leider ohne Untertitel.
[/update]
Lesenswerte Links zum Thema:
- Collateral Murder
- Transkript des Funkverkehrs in deutsch
- WikiLeaks - Spekulationen über geheimnisvolles Video haben ein Ende
- [16.04.10] Wikileaks-Sprecher kündigt neues Enthüllungsvideo an
5. April 2010 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Krieg Terror USA | 1 Kommentar
Afghanische Ostereier
In unserer modernen Welt ist es an Feiertagen wie an Ostern üblich, sich mit seiner Familie zu treffen und in einer angenehm oberflächlichen Atmosphäre gegenseitig Nettigkeiten und allerlei Konsumkrimskrams auszutauschen. Dabei sollte darauf geachtet werden, nicht zu tief hinter den gesellschaftlich Schleier der heilen Welt zu blicken.
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3. April 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Satire | 1 Kommentar
Guttenbergs Götterdämmerung?
Sind wir noch eine Demokratie? Sind die Taten der Politiker entscheidend oder ist es doch nur der massenmedial verliehene Glamour, der für den Machterhalt in unserem Land ausreicht?
Unser amtierender Verteidigungsminister Guttenberg war zum Zeitpunkt der Bombardierung am Kunduz noch der Superstar im Wirtschaftsministerium. Nach seinem Amtswechsel verkündete der populäre Minister, der Vorfall in Afghanistan sei “militärisch angemessen” gewesen. Diese Position ließ sich im Zuge neuer Fakten nicht mehr halten und der Minister korrigierte sich. Doch nicht nur das, er entließ den Vier-Sterne-General Wolfgang Schneiderhan und um Staatssekretär Peter Wichert mit dem schwerwiegenden Vorwurf, sie hätten ihm wichtige Dokumente vorenthalten. Erst dadurch sei seine Fehleinschätzung zustande gekommen.
Jetzt, kurz vor seiner Vernehmung im Kunduz-Untersuchungsausschuß, korrigiert sich der Minister erneut und sagt, die Beschuldigungen gegen die entlassenen Mitarbeiter der Hardhöhe seien falsch.
Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Zwei hochrangige Mitarbeiter wurden nach Gutsherrenart geopfert und der Minister “korrigiert” nicht nur die Entlassungsgründe, auch seine damalige Bewertung der “militärischen Angemessenheit” fällt nun in sich zusammen!
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11. März 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik | 2 Kommentare
Hofberichtblogging (11): Afghanistan
Während der Abstimmung zur notwendigen Truppenaufstockung für den alternativlosen Afghanistaneinsatz provozierte die LINKE einen Eklat. Sie hat damit dem parlamentarischen Vorgang seine angemessene Würde genommen. Was für ein unglaublicher Frevel, eine solch staatstragende Entscheidung so zu diskreditieren!
Gut, dass die harte Hand des Bundestagspräsidenten Lammert schnell und entschieden durchgriff, ein weiterer Schaden konnte somit abgewendet werden.
Zur Nebensächlichkeit wurde, was nebensächlich ist: mit dem Beschluss ist unser Kontingent in Afghanistan um 850 auf 5.350 Soldaten erhöht worden und es kann jederzeit mit einer flexiblen Reserve auf 5.700 Männern und Frauen aufgestockt werden.
Solche unerhörte Aktionen aus dem extremistischen Spektrum erschweren den Einsatz. Ohnehin leidet das Image des Militärs, weitere Kratzer in der tadellosen, olivgrünen Panzerung sind unerwünscht. Zum Ausbessern und Blankpolieren solcher unangenehmen Blessuren ist eine solide Hofberichterstattung oder die etwas modernere Form des Hofberichtbloggings vonnöten. Fangen wir mit den Ausbesserungsmaßnahmen an:
Die Alternativlosigkeit des Afghanistaneinsatzes ist im Grunde offensichtlich, nur leider kann sie nicht jeder verstehen. Sie liegt im Wesen unserer Kultur begründet: wie sonst lässt sich unser kindlicher Expansionsdrang noch ungehindert austoben - außer eben im Krieg? Hm?
(via erlkönig)
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27. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Krieg Satire | 1 Kommentar
Die Bischöfin und die Buße
Gastbeitrag von Frank Benedikt
Ganze vier Monate war sie im Amt, nun ist sie als Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der EKD zurückgetreten: Margot Käßmann. Unbequem war sie, eine streitbare “Gotteskriegerin”, die sich für die Schwachen einsetzte und zuletzt erst bei der Afghanistanfrage auch den Diskurs mit Verteidigungsminister zu Guttenberg nicht scheute. Eine mutige Frau, die auch öffentlich über ihre Scheidung und ihren Brustkrebs sprach – für eine Frau in ihrer Position sicher nicht selbstverständlich.
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24. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik | 6 Kommentare
Die friedliche Zeit ist vorbei
Zum Glück, denkt sich unser Politariat, ist diese besinnliche und so schrecklich friedliche Weihnachtszeit endlich vorbei! Jetzt können sie wieder so richtig loslegen. Unser einziger Minister, der seine eigene Überflüssigkeit vor Amtsantritt erkannte, möchte den Brunnenbau in Afghanistan nur noch von Hilfsverbänden durchführen lassen, die zur Kooperation mit der Bundeswehr bereit sind. Gemäß dem neuen Leitsatz: Human ist, was Waffen schaffen.
Noch besser drauf ist unser Außenminister: Er droht, sollte sich in der Afghanistanpolitik die transatlantisch harte Linie Guttenbergs durchsetzen, die von der Bundesregierung mitinitiierte Afghanistankonferenz zu boykottieren. Ein gelungenes Beispiel, wie unsere Regierung selbst richtige und wichtige Themen kindlich verspielt zum unvermeidlichen Misserfolg führt. Weiter-so!
Und weil es so gut läuft, eröffnet unser Friedensnobelpreisträger Obama noch eine neue Front im Kampf gegen den Terror. Nein, es ist nicht das Heimtland des Terrormusels aus dem nigerianischen Elitariat sondern der Jemen.
Irgendwie glaube ich, dass im Hartz-Jahr zwanzig-zehn das Mehr vom Brutto ganz schön blutig werden wird.
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29. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Krieg Satire | Keine Kommentare
Adventfeuer
Eisiger Wind faucht über das Land. Schmutziger Stadtschnee häuft sich zu schützenden Wällen auf. Tannenbäume flackern unruhig im adventigem Gefechtsfeuer. Es sind die Vorboten kriegsähnlicher Zustände. Der Terror hält das ganze Land in seinen Fängen und dringt bis in die hintersten Winkel der privaten Trutzburgen. Doch diesmal sind wir gewarnt und bestens vorbereitet. Die neuste Generation an Weihnachtsschmucktechnik wehrt erfolgreich jeden Gedanken an Besinnung ab.
Im Tiefflug nähert sich dieser angststarren Idylle unerlaubt ein bemanntes Flugobjekt. Auf einem Renntierschlitten durchbricht ein Vermummter die Front der doppelbödigen Friedfertigkeit. Ohne nennenswerte Gegenwehr verschafft sich der hinterhältige Eindringling durch den Kamin einen Zugang zum Allerheiligsten: den eigenen vier Wänden. Teuflisch grinsend greift der Talibanbärtige in seinen Sack und holt langsam verdächtige Pakete heraus und deponiert sie unter die für ihn angebrachten Markierungslichter des Tannenbaums. Es ist zu spät. Der Terroranschlag war zu gut geplant, seine Durchführung zu bestialisch, zu kaltherzig.
Die Geschenke der Gutmenschen explodieren die Wahrheit: es ist Kriegsweihnacht.
20. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Krieg | 2 Kommentare
Yes, we make peace ?!
Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Für mich eine überraschende und auch eine zweifelhafte Entscheidung. In seinen ersten neun Monaten hat er viele vollmundige Ankündigungen gemacht, konnte davon jedoch wenig Konkretes umgesetzen: eine neue Ära des atomaren Abrüstens versprochen, der Truppenabzug aus dem Irak ist angekündigt, Guantanamo wird voraussichtlich nicht im angekündigten Zeitrahmen geschlossen, in Afghanistan wurden die Truppen erhöht, das Kriegsgebiet in Pakistan wurde massiv ausgeweitet und die militärische Gewalt in den Kriegsgebieten eskaliert.
Obama bot keinen Einhalt gegen die Verbrechen der israelischen Armee an der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza. Auch zu einem weiteren wichtigen aktuellen Brennpunkt, dem Iran, ist vom amerikanischen Präsidenten viel Schweigen zu hören, das mit martialischen Untertönen aus den Reihen des Militärs unterlegt ist.
Nach der apokalyptisch kreuzzüglerischen Strategie des “Krieges gegen den Terror” seines Vorgängers Georg W. Bush ist eine friedlichere Politik unabdingbar, Obama hat diese mit seinem “Yes, we can” entschlossen eingeläutet. Frieden herrscht allerdings noch lange nicht, wie die Konfliktherde Irak, Afghanistan und Pakistan zeigen. Und ob sich Obama nicht doch zu einem weiteren Waffengang gezwungen sieht, wird erst die Zukunft zeigen.
Falls der Friedensnobelpreis für Barack Obama zu einem erfolgreichen Faustpfand wird, um die Ziele der Supermacht USA auf einem friedlichen Weg zu verwirklichen, dann ist jedoch heute ein sehr guter Tag!
[update] Erst in wenigen Tagen, am 10. Dezember, wird Obama offiziell der Friedensnobelpreis verliehen. Meine - zugegeben - naive Hoffnung auf friedlichere Zeiten sind bereits jetzt schon an der Realität zerschollen: Der amerikanische Präsident läutet eine weitere Eskalationsstufe im Afghanistankrieg ein. Obama sollte den Preis ablehnen. [/update]
9. Oktober 2009 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik USA | Keine Kommentare







