Zurückbeis(s)en (2): Die Ausplünderung der Mittelschicht
Es ist bei einer Buchbesprechung üblich, es auch zu lesen. Beim neuen Buch von Marc Beise “Die Ausplünderung der Mittelschicht” habe ich es nicht gemacht, denn für mich zählt die zwanghafte Aneinanderreihung neoliberaler Thesen als Folter. Ich bin daher mehr als froh, dass der Oeffinger Freidenker das Buch gelesen und eine ausführliche Rezension darüber geschrieben hat.
Ich vergreife mich dennoch mal an der Kernthese des Buches: die diffuse Mittelschicht, die empirisch ermittelt werden könnte, was aber tunlichst unterlassen werden sollte, beherbergt die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Diese möchten, können jedoch keine Leistung erbringen, weil sie daran gehindert werden. Schuld an dieser Misere ist natürlich der Staat, weil der Staat hat immer Schuld.
Für Beise fängt seine ominöse Mitte so etwa oberhalb von 100.000 € Jahresgehalt an, da erst ab dieser Höhe der schnöde Mammon auch als Motivator wirken kann.
Die Quintessenz dieser kausalisierten Tautologien ist, dass das lastvolle Leben der leistungsverhinderten oberen Mittelschichtso wie früher in den guten alten Zeiten der römischer Dekadenz auf die unteren Schichten gerecht verteilt werden muss, damit alle den freiheitlichen Blick nach oben auf die über alles schwebenden Eliten, die sich von allem losgelöst haben, geniesen können. Das alles funktioniert nur dann wieder wie FDP-geschmiert, wenn alle das Risiko der Eigenverantwortung auf sich nehmen, weil zuviel Fremdverantwortung sozialistische Arbeitsplätze schaffen könnte. Das darf nicht sein, denn Arbeit ist nur für die da, die sich etwas leisten können, nämlich das Jammern über das eigene Nichtsleisten.
Natürlich übernehme ich keine Garantie, dass ich das nicht gelesene Buch auch wirklich nicht verstanden habe. Wenn ihr also den Neoliberalismus in Textform gegossen in Händen halten wollt, kauft das Buch, oder wer sich nach meinem Plädoyer noch immer dem neoliberalen Götzendienst verweigern möchte, gehe zurück auf Hartz IV.
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13. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Neoliberalismuskritik Satire | Keine Kommentare
Die Auferstehung der DDR 2.0
Es ist eine Sensation! Die von langer Hand geplante Auferstehung der DDR 2.0 aus den neoliberalen Ruinen steht kurz vor ihrer Vollendung! Die schonungslose Taktik des Weiter-so unserer Bundeskanzlerin funktioniert tadellos, das ersehnte Ziel rückt in greifbarer Nähe.
Erst hat unsere Chefin während der Finanzkrise die Banken erfolgreich sozialisiert, jetzt steht mit der tatkräftigen Hilfe des Juniorpartners die totale Sozialisierung des Gesundheitssystems auf der Agenda. Es ist wieder einmal ein genialer Schachzug, der zum Erfolg führt: Die geplante Kopfpauschale, die der Mövenpick-Minister Philip Rösler auf Biegen und Brechen einführen möchte, führt nach Berechnungeen des Finanzministerium zu einem Spitzensteuersatz von bis zu 100 %!
Kaum zu glauben, aber die Einführung der Kopfpauschale würde somit die BRD praktisch über Nacht zur DDR 2.0 machen und die FDP wäre dabei der willige Geburtshelfer!
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11. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie DDR 2.0 Satire | 3 Kommentare
Ex-Exportweltmeister
Die deutschen Exporte sanken im Weltwirtschaftskrisenjahr mit - 15,9 % so stark wie noch nie in unserer Nachkriegsgeschichte. Während wir noch die Festigkeit der Bodenbildung prüfen, sind die meisten asiatischen Länder wie Südkorea, deren Exporte im Januar um stolze 47,1 % gestiegen sind, bereits aus diesem Jammertal der Rezession gkletter. Jetzt dürfen wir uns Ex-Exportweltmeister nennen und reichen den begehrten Exportweltmeisterpokal zum ersten mal an China weiter.
Von diesem ehrwürdigen Titel für Ökonomiefetischisten kann man sich viel kaufen, besonders wir als Seriensieger von 2003 bis 2008. Für die ehrlich erworbenen Preisgelder haben wir uns immerhin einen ansehnlichen Haufen an Schrottpapiere andrehen lassen, um unseren Wasserkopf des Finanzsystems und nun auch die Bad Banks damit zu füttern. Darauf müssen wir einfach nur stolz sein, denn etwas anderes bleibt uns nicht.
Mal so ganz im Ernst: ich glaube, es hätte eine bessere Anlagestrategien gegeben, um sich auf den Exportweltmeisterlorbeeren mal wirklich ausruhen zu können. Zum Beispiel hätten wir in die Bildung und somit in die Zukunft unserer Kinder investieren können. Es wurde zwar immer vollmundig von unserem Politikelitariat angekündigt, aber getan haben sie wie immer nichts. Im Gegenteil, sie haben die Zukunft unserer Kinder schlicht und einfach verharzt.
Bildquelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.
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10. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie China Elitariat Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Wirtschaftskrise | 2 Kommentare
Neues aus dem Elitariat (6): Bananen im Winter
Es ist ein für die Jahreszeit unerwartetes Ereignis eingetreten: es schneit und es ist bitter kalt. Gut, dass wir Deutsche uns immer so gründlich vorbereiten. Selbst das Ersatzrad bekommt ein Winterprofil und wird zur Akklimatisierung im Schnee gewälzt, es soll schließlich ohne Schweinegrippe durch den Winter kommen.
Ja, wir sind schon eine zwanghafte Nation von Autonarren. Wir tuen einfach alles dafür, dass wir auf unseren 4 Rädern durch jedes Wetter rasen können. Nur diesmal klappt das nicht so wie gewohnt, denn in diesem Winter lässt das Elitariat nichts unverfroren. Ihre klimaerwärmten Gehirne haben letztes Jahr in Davos etwas besonderes ausgebrütet: statt das Salz für längere Schneeperioden wie diese zu horten, haben sie es lieber in freudiger Inbrunst in die offenen Wunden des Sozialstaats gerieben. Das Ergebnis dieses listigen Plans ist jetzt zu bewundern: den ersten Städten geht das Salz aus und sie müssen den Winterdienst einstellen. Da wird das Autofahren doch wieder zu einem spannenden Abenteuer!
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3. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie DDR 2.0 Elitariat Satire | Keine Kommentare
Kinder.net
Das Netz muss sauber werden, denn wenn Kinder den ganzen Schmutz sehen ist das nicht gut. Das klingt nicht nur verständlich, das ist es auch. Aber wie soll denn bitteschön das ganze Netz jugendfrei werden? Selbst wenn es gelänge, alle Seiten in Deutschland zu säubern und gefährliche Inhalte hinter Zugangsschranken zu verbergen, was machen wir dann mit den ausländischen Seiten? Für alle sperren, denn irgendwie sind wir alle noch Kinder???
Jugendschutz ist wichtig und es müssen dringend Wege gefunden werden, damit sich Kinder und Jugendliche gefahrlos im Internet bewegen können. Nur darf über diesen Umweg die geplante, aber nicht eingeführte Zensur-Infrastruktur nicht doch noch umgesetzt werden.

(Grafik von marax79 via netzpolitik)
Hintergrundinformationen zum geplanten Jungendmedienschutzgesetz findet ihr auf AK-Zensur: “Der JMStV-Entwurf muss vom Tisch!” oder bei 1&1 zu den Unsicherheiten und Missverständnissen für Internetprovider. Bei Isotopp findet ihr Informationen zur Motivation und Hintergründe von Politik und Massenmedien zu diesem Gesetz sowie ein bereits 10 Jahre alter, aber immer noch aktueller Artikel “Why Internet Content Rating and Selection does not work” (in englisch), der die technischen und sozialen Gründe nennt, weshalb Inhaltsbewertungs- und beschränkungssysteme im Internet nicht funktionieren.
Ein kurioses und aktuelles Beispiel, wohin dieser Irrweg führt: In Australien verlangt die Zensurbehörde nach großbusigen Pornodastellern (in englisch), denn zu kleine Busen wertet die Behörde als Kinderpornographie.
30. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Cartoon Fundstücke Medienkritik Netzneutralität Politik Satire Zensur | Keine Kommentare
Bulos 1.000 Nachsteiger
Ich weiß nicht, ob ich im Titel Follower richtig übersetzt habe, aber im Moment traue ich mich einfach nicht, englische Worte zu verwenden. Der denglische Westerwave, unser schwänglischende Öttinger und Oberst Klein haben mir gezeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn ein Deutscher seine Muttersprache verlässt.
Ok, jetzt aber zu einer wirklich tollen Nachricht: Ich habe gewonnen!!!
Bei F!XMBR habe ich von einem spontanen Gewinnspiel bei Bulo erfahren. Seine satirischen Zeichnungen finde ich echt Klasse, sie haben oft bissigen Humor und viel Wortwitz, wie zum Beispiel eines meiner Lieblingswitze: “Ich bin Kohl .. ich Köhler”. Seine FDP-kritischen Zeichnungen kosten ihn immer Twitter-Nachsteiger und der Platz des 1.000 wurde wegen dieser Falschmeldung wieder frei. Wer ihn bekommt, auf den wartete eine Überraschung. Tja, da habe ich mich schnell bei Twitter registriert - bisher hatte ich von dem Gezwitscher nicht viel gehalten - flog flugs bei Bulo vorbei - und und siehe da: ich war der 1.000 Twitter-Dingens!
Seid ihr auch so gespannt auf den Preis, wie ich? Heute kam er per Post, eine persönliche Zeichnung:
Auf das Geschenk bin ich richtig stolz, es hat bei mir einen Ehrenplatz erhalten
Und lehrreich ist es auch, jedenfalls für mich: jeder bekommt das, was er verdient, außer unser Elitariat
Tausend Dank an den unvergleichlichen Bulo, ich werde dir weiterhin nachsteigen!
28. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Cartoon Elitariat Fundstücke Satire | 4 Kommentare
Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes
In einem lesenswerten Artikel verteidigt Marc Beise auf der Süddeutschen die Billiglöhner. Dies ist auch überfällig, denn beim Ausbau des Niedriglohnsektors wurde so einiges falsch kommuniziert. Der aktuelle Sicherheitsskandal auf dem Münchner Flughafen hat diesen Missstand schonungslos offen gelegt. Marc Beises Nachhilfe in Sachen Neoliberalismus ist daher überfällig. Insbesondere ein vermutliches Fehlverhalten der Billigsicherheitslöhner soll dem gewöhnlichen Fluggast und nichtsahnenden Terroristen seine Unschuld belassen haben. Wieso blieb eigentlich die in den Ausbildungsdrehbüchern beschriebene Schießerei aus? Wieso explodierte das als Bombe identifizierte Laptop nicht mit cineastischen Pyroeffekten bereits effektvoll im Scanner?
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25. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Medienkritik Neoliberalismuskritik SZ Watch Satire | 5 Kommentare
Vom Gelbfieber zur Gelbsucht
Der Gesundheitszustand unseres Gesundheitssystems hat sich rapide verschlechtert. War es zuerst nur leichtes Gelbfieber, so hat es sich nun zu einer richtigen Gelbsucht entwickelt. Die kleine Rosskur, auch unter dem Namen Rösler-Kürle bekannt, hat im Gesundheitssystem angeschlagen.
Das Ziel der Kur ist klar vorgegeben: die Zwei-Klassen-Medizin, in dem sich das Elitariat auch gesundheitlich vom gemeinen Volk abgrenzen darf. Die widernatürliche gesetzliche Einheitsversorgung muss so schnell wie möglich in kapitalgedeckte Privatmodelle überführt werden. Erst dann haben die Versicherten die Freiheit, je nach Geldbeutel ihre Gesundheit zu versichern oder zu erkaufen. Eine solche Selbstbeteiligungen ist in den Augen der FDP für ein kosten- und gesundheitsbewusstes Verhalten unerlässlich. Nur Reiche können sich dann die Gesundheit leisten und werden sie erst im Gegensatz zum armen und kranken Gesundheitsprekariat so richtig zu schätzen wissen.
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23. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Politik Satire | 4 Kommentare
SZ meets Web-Idiotae
Es gibt Schranken, die müssen einfach geschlossen bleiben, zum Beispiel ist die Blut-Hirn-Schranke eine solche. Es wäre ja auch echt blöd, wenn sich das Hirn einfach in die Blutbahn ergießen würde. Eine weitere sinnvolle Schranke ist die zwischen den gehaltvollen Qualitätsmedien und dem ach so schrecklich rechtsfreien und chaotischen Internet. Hier werden selbst kleinste Übertretungen sofort bestraft.
Das musste die Süddeutsche erfahren, als sie ihr neues iPhone Applet viral vermarkten wollte. Die Strategie, sich das Bloggerlob der Web-Idiotae auf schnöde Weise zu erkaufen, erntete viel Spott. Qualität ist schließlich nicht käuflich - außer man ist Minister bei der FDP oder eben Kommerz-Blogger. Inzwischen wurde diese Aktion eingestellt und die Social Media Agentur Trigami nahm die Schuld auf sich. Wie problematisch diese pikante Geschichte ist, erklärt Thomas Stadler auf seinem Law-Blog: es könnte sich um unerlaubte Schleichwerbung handeln.
Wie gut, dass es im Internet solche Bezahlschranken gibt. Wenn einfach jeder jeden bezahlen dürfte, wäre das doch glatt Anarchie. Und eine solche Querfinanzierung des Graswurzeljournalismusses verstößt mindestens gegen 8 verschiedene Paragraphen des Qualitätsjournalismusethos - und das ausgerechnet von der SZ! Es ist besser wenn die Qualitätsmedien ihre Inhalte mit Bezahlhürden beschränken. Das hat seine Berechtigung, ebenso wie die gegenseitige Ausschränkung von Blogosphäre von der umschränkten Qualität des unbezahlbaren Journalismus. Wem das nun zu beschränkt klingt, dem kann ich nur sagen: das ist es auch.
Zum Abschluss noch ein Schlussgeschranke Schlussgedanke. Lassen wir besser die Schranken unten, sonst ergießen sich die Aberbillionen an qualitativen Finanzkapital unkontrolliert und ungehindert in das rechtsfreie Internet. Das kann nun wirklich niemand wollen.
18. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie SZ Watch Satire | Keine Kommentare
Die friedliche Zeit ist vorbei
Zum Glück, denkt sich unser Politariat, ist diese besinnliche und so schrecklich friedliche Weihnachtszeit endlich vorbei! Jetzt können sie wieder so richtig loslegen. Unser einziger Minister, der seine eigene Überflüssigkeit vor Amtsantritt erkannte, möchte den Brunnenbau in Afghanistan nur noch von Hilfsverbänden durchführen lassen, die zur Kooperation mit der Bundeswehr bereit sind. Gemäß dem neuen Leitsatz: Human ist, was Waffen schaffen.
Noch besser drauf ist unser Außenminister: Er droht, sollte sich in der Afghanistanpolitik die transatlantisch harte Linie Guttenbergs durchsetzen, die von der Bundesregierung mitinitiierte Afghanistankonferenz zu boykottieren. Ein gelungenes Beispiel, wie unsere Regierung selbst richtige und wichtige Themen kindlich verspielt zum unvermeidlichen Misserfolg führt. Weiter-so!
Und weil es so gut läuft, eröffnet unser Friedensnobelpreisträger Obama noch eine neue Front im Kampf gegen den Terror. Nein, es ist nicht das Heimtland des Terrormusels aus dem nigerianischen Elitariat sondern der Jemen.
Irgendwie glaube ich, dass im Hartz-Jahr zwanzig-zehn das Mehr vom Brutto ganz schön blutig werden wird.
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29. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Krieg Satire | Keine Kommentare




