Hofberichtblogging (14): Koch wird arbeitslos
Wer hätte das gedacht. Unser Vorzeigelandesvater Roland Koch schmeißt seinen sicheren Job hin und meldet sich arbeitslos. Soll dies etwa als Aufforderung verstanden werden, es ihm gleich zu tun? Mitnichten!
Bevor einer im Format eines Kochs in die Dekadenz der Hatz Hartz IV Falle abrutscht, müsste zuerst sein Königreich zu Grunde gehen. Ein Mann wie er weiß wie es weiter geht.
Das Angebot als Unterwasserrohrkrepierer im Katastropheneinsatz, um das mexikanische Bohrloch mit einem Schlag zu schließen, hat er zum Bedauern vieler bereits abgelehnt. Vielleicht zieht es ihn zurück zur Basis. Mal so willkürlich die Hartz-Sanktionsmechanismen direkt an Unterschichtenmenschen von Angesicht zu Angesicht anzuwenden - das wäre bestimmt eine reizvolle Herausforderung für ihn. Doch die negativen Auswirkungen sind eindeutig zu harmlos. Ein Umzug nach Hamburg, versüßt mit einer staatlich subventionierten Umschulung zum Richter, wäre hingegen schon eine bedenkenswerte Alternative.
Die bisherigen Vorschläge sind für einen Politikgiganten wie Koch einfach zu schäbig. Er ist für die ganz großen Aufgaben auserkoren. Ich sehe ihn daher vielmehr als Korruptionsminister in Afghanistan oder als Ackermann Nachfolger.
Eins ist sicher, er wird wieder kommen. Freuen wir uns auf das Wiedersehen!
25. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Politik Satire | Keine Kommentare
Zeitloser Greisengeist
Einen alten Geist möchte ich unseren Bundespräsidenten wirklich nicht nennen, obwohl sein seltenes und scheues Auftreten etwas spukhaftes an sich hat. Öffentlich für alle sichtbar weilt er noch unter uns und dennoch: er und sein Volk kommen sich, trotz einer zweiten Chance, einfach nicht näher. Aus seiner Verzweiflung sucht der oberste Mann im Staate sein Heil bei alten Geistern.
Seit langem gibt es für diesen schrecklichen Verdacht eindeutige Belege. Als er aus der Ferne vom Schloss Bellevue zur Einführung des neuen Gerichtspräsidenten nach Karlsruhe reiste, bekundete er seine Sorgen über die zunehmenden Verstöße gegen das Grundgesetz. Im Gegensatz zum Volk, das für diesen Missstand eindeutig die Politik verantwortlich macht, beschwört der Bundespräsident lieber alte Geister. Diese flüstern ihm die genial einfache Lösung zu: die Leute müssen damit aufhören beim Verfassungsgericht zu klagen!
Es ist das alte Herrschaftsdenken, das sich der Bundespräsident zu eigen macht: wenn unsere Rechte auf dem Papier stehen, reicht das völlig aus. Sie auch tatsächlich juristisch einzufordern, geht jedoch genau einen entscheidenden Schritt zu weit.
Wie weit unser Präsident schon vom Boden des Grundgesetzes abgehoben hat, zeigt sein Verständnis für den Einsatz der Bundeswehr. Während eines Radiointerviews offenbarte er, dass unser Militär nicht nur für die Verteidigung des Vaterlands hier und am Hindukusch da ist:
Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‘freie Handelswege’. Es gelte, Zitat ‘ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen’ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten.
Quelle: Interview im Deutschlandradio, in der Zwischenzeit wurde diese Passage gekürzt.
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25. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik Satire | 5 Kommentare
Bestie Pharmalobbyist
Es ist bereits einige Artikel her, da habe ich mal an die Bestie Pharmalobbyist mit diesem Augenzeugenbericht Host Seehofers heran getraut.
Jetzt ist es gelungen, die Bestie in freier Wildbahn aufzuspüren. Der Investigativjournalisten Martin Sonneborn, dem dieses Meisterstück an Qualitätssatire gelang, konnte nur unter erheblicher Eigengefährdung und unter Einnahme starker Drogen dieses spektakuläre Interview führen:
(via stationäre Aufnahme)
Die Höhle des Lobby-Löwen
… nicht vorstellbare Abgründe
… ich brauche erstmal eine Aspirin ©
[update 21.05] Dieses Interview sorgt für Aufregung beim ZDF. Programmchef Bellut is not amused. Sonneborn hat sich das Vertrauen der Pharma-”Bestie” dadurch erschlichen, dass er das Interview “in einer der ,heute’-Sendungen, bevorzugt im ,heute-journal’ platzieren” wolle. Das es am Ende leider nur für die Satiresendung ,heute-show’ reichte, konnte ja keiner ahnen … [/update]
17. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Satire | 2 Kommentare
Der Tod der schwäbischen Hausfrau
Es war Mord, kaltblütig wurde er vor den Augen der Weltöffentlichkeit begangen. Das ahnungslose Opfer, die schwäbische Hausfrau, hatte nicht die geringste Spur einer Chance. Scheinheilig führte die Täterin die Hausfrau aus der schwäbischen Provinz auf das internationale Pakett, doch das war nichts anderes als eine hinterhältige Falle. Geduldig wartete die Mörderin auf den richtigen Zeitpunkt. Schließlich war es soweit: die Zustimmung von Frau Merkel zum aufgespannte Rettungsschirm für den Euro mit einem Volumen von über 720 Milliarden Euro war der gezielte Todesstoß: unsere harte Währung nach guter alten schwäbischen Kleinbürgerart ist Geschichte.
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13. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie EU Neoliberalismuskritik Politik Satire | 1 Kommentar
Guido Gutmensch (2)
Ich wusste es schon beim ersten mal als ich diese Lichtgestalt sah:
Guido hat ein Herz aus Gold!
Dieser Anmut, diese Grazie und vor allem sein gütiges Lächeln haben ihn verraten: Guido ist ein unverbesserlicher Gutmensch aus dem Friede-, Freude-, Eierkochbuch!
Erst opfert er sich auf, um seinen pisageschädigten Untertanen eine Nachhilfe in spätrömischer Geschichte zu erteilen. Kurze Zeit später folgte eine weitere Lehrstunde über das kleine 1×1.
Was ist das Geheimnis dieses unbändige Antriebs Gutes zu tun - und dieses obwohl dieser überaus beschäftigten Menschen so gekonnt wie kein anderer Beruf und Privates vereinen kann? Diese selbstvergessene Aufopferung unseres Außenministers kennt nur ein Ziel: uns allen eine leistungslose Weiterbildung und somit eine dekadente Zukunft zu ermöglichen!
Endlich ein Politiker, der nicht an sich und seine Lobbyisten Geschäftspartner Familie Freunde denkt, sondern - welch Ungeheuerlichkeit für einen Politiker - an sein Volk! Zu Recht wird dieser Ausnahmepolitiker ob dieser gottgleichen Eigenschaften verehrt wie keiner jemals zuvor.
Doch seine jetzige segenhafte Großtat sprengt alles bisher da gewesene! Unser Gutmensch ist der Meinung, nicht die Griechen sollen für die Krise bluten, sondern die Banken! Ist das nicht unglaublich herzig? Ja, unser Obersteuersenkungsfanatist möchten eine Extrasteuer für Banken einführen und das - mir kommen die Tränen - als Zugeständnis für die Ex-Volkspartei SPD.
Ich frage euch: gab es je eine friedensnobelpreiswürdigere Geste eines Politikers?
Ich bin noch völlig gerührt von dieser Geschichte. Mir war es längst klar: wenn solche Übermenschen wie Guido zu den Eliten unseres Landes zählen, dann müssen wir uns bedingungslos in ihre vertrauensvolle Hände begeben und wir werden nicht nur diese Krise, sondern selbst den Weltuntergang und das jüngste Gericht meistern.
Ihr fragt euch daher bestimmt ebenso wie ich:
wann wird unser Papst diese überirdische Erscheinung heilig sprechen?
Lang lebe Guido Gutmensch!
Lesenswerte Links zum Thema:
7. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Politik Satire | 2 Kommentare
Hofberichtblogging (13): Merkels Unschuld
ich kann es ebenso wie sie nicht verstehen, dass böswillige Menschen ihnen eine Mitschuld an der nun tödlich eskalierenden Griechenlandkrise geben. Natürlich kann es nur einen Schuldigen geben, die Linke Gerhard Schröder! Jedem fällt es wie Schuppen aus den Haaren, dass die sieben Jahre Basta-Politik wirkmächtiger waren als das folgende folgenlose Nichtregieren unter ihrer Regentschaft.
Und wenn wir schon dabei sind, räumen wir doch gleich mit den restlichen Ungeheuerlichkeiten auf:
Für die Finanzkrise sind eindeutig die Chinesen verantwortlich, denn sie haben bekanntermaßen das Papiergeld erfunden. Als in der Krise der Deutsche Staat und somit der Steuerzahler um Garantien in der Höhe von 480 Milliarden Euro erpresst wurde, darf das nicht ihnen als regierende Kanzlerin angelastet werden, denn sie dürfen sich als uckermärkisches Mauerblümchen auf ihre einfältige Bedarftheit berufen. Und zu guter Letzt sind die Toten der Afghanistanfront keine Folge misslungener Politik, sondern die Erfolge unseres militärischen Erwachens! Die deutsche Seele lechzt wieder nach dem heldenhaften Tod! Und nur so erlangen wir die Stärke und die moralische Integrität zurück, auch mal selbst bei unseren disziplinlosen europäischen Nachbarn vorbei zu schauen und für Ordnung zu sorgen! Die militärische Karte muss im politischen Handeln wieder alternativlos werden, auch in Europa!
Wirklich, Frau Merkel, die Unschuld haftet an ihnen wie Achselschweiß im Hochsommer. Keiner, wirklich keiner kann ihnen irgendeine Schuld nachweisen, denn wie wir alle nach 5 Jahrzehnten Jahren wissen, machen sie wirklich nichts.
Bleiben sie wie sie sind!
Untertänigst, ihr Hofberichtblogger
5. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Satire | 4 Kommentare
Neues aus dem Elitariat (10): Bruchlandung
Unser Elitariat gibt sich in Krisenzeiten erstaunlich bodennah. Kaum verzieht sich die isländische Vulkanasche, legt Roland Koch, ein besonders prächtiger Vertreter des Elitariats, eine Bruchland hin. Sein Blindflug war allerdings nicht der schlechten Sicht geschuldet, er verfing sich vielmehr in den Tücken des philippinischen Gesetzes.
Was kann man auf einer auf einer schönen Insel im pazifischen Ozean wollen? Hartz-Flüge in die Südseedekadenz? Nein, dort sollte ein neues internationales Terminal entstehen. Leider verbietet das philippinische Gesetz eine ausländische Beteiligung von mehr als 40% an wichtigen Infrastrukturprojekten. Mit Koch im Aufsichtrat herrschte wohl die Meinung, wenn in Hessen sich problemlos Gesetze aushebeln lassen, muss das doch erst recht mit einem kleinen, popligen Inselstaat möglich sein. FraPort pokerte, verlor und verbrannte dabei die stolze Summe von 500 Millionen Euro.
Wer ein Elitariat wie Koch im Aufsichtsrat hat, der kann über einen mickrigen Ascheregen, wie uns Eyjafjallajökull bescherte, nur müde lächeln
Lesenwerte Links zum Thema:
4. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat | 4 Kommentare
Hartz IV für Griechenland
Wow, wir sind wieder wer! Wer sein Blut auf den Schlachtfeldern der Ehre vergießt und Herz und Motor Europas ist, der darf ruhig auch mal sagen, wo es lang geht. Und eines ist ja wohl klar, wenn wir in spät römischer Dekadenz versinken, dann gibt es unseren südländischen EU-Mitgliedern noch lange nicht das Recht, es noch besser zu machen als wir!
Was würden wir ohne unsere gute, alte Bildzeitung machen? In ihrer moralisch autoritären Arroganz vermag sie dank der Kraft ihrer Schlagzeilen die richtigen Worte der Hetze in das willige Hirn der stumpfen Masse zu klopfen. Nur das eine oder andere Weichei wendet sich von der gerechten Empörung des Volkes ab, aber ansonsten steht die Heimatfront geschlossen gegen den innereuropäischen Feind!
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30. April 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Satire | 5 Kommentare
Zurückbeis(s)en (5): Griechenland ist systemrelevant???
Also, nein, das geht nun wirklich nicht, Herr Beise. In ihrem aktuellen Beitrag gibt es gleich zwei große Patzer auf einmal!
Die griechische Tragödie war nicht vorhersehbar? Für Qualitätsjournalisten nicht, das stimmt, aber in diesen komischen Dingern - wie heißen die noch? Ja, richtig: Blogs - konnte sich jeder über dieser Gefahr bereits im Jahr 2007 oder im letzten Jahr rechtzeitig informieren.
Okay, das ist nur ein vergleichsweise kleiner Fauxpas gegenüber dem zweiten: Sie erzählen uns eine schaurige Geschichte vom armen Griechenland, das wir nicht im Stich lassen dürfen? Was soll das bitte schön? Wenn Griechenland fällt, fällt Europa. Hä? Dieses Märchen glaubt ihnen doch kein Mensch! Und was soll dieses unsäglich unsachliche Drücken auf die Tränendrüse? Ist das etwa eine Bewerbung für den Club der Gutmenschen?
Also mal so unter uns Neoliberalen: Banken sind systemisch, das ist ja wohl klar, aber doch nicht Staaten *lol* Das ist doch der Feind, Mensch Beise! Und es ist doch wohl klar, wenn der Feind schon am Boden, dann helfe ich ihn doch nicht mehr auf die Füße! Die neoliberale Welt ist hart, wer eine solche Gelegenheit verpasst verliert! Und verlieren müssen immer die anderen, denken sie niemals darüber nach! Und für ihr Gewissen, sagen sie sich einfach: gnadenlos handeln ist der beste Gnadenakt für den Gegner
Aber woher kommt diese ungewohnte Beis(s)hemmung? Einfach den radikalen Marktkräften ihren freien Lauf lassen und ein wenig warten, bis sie das griechische Gerippe wieder ausspucken. Denn Rest kann man dann getrost irgendwo in der dritten Welt verschachern, die nehmen nämlich alles.
Also, wieder ran an das alternativlose Abwracken Griechenlands! Es wartet eine irrsinnige Rendite, wenn ein ganzer Staat ausgeweidet werden kann! Und Opfer muss es immer geben, sei es der Euro, die Union oder ein paar nutzlose Griechen.
28. April 2010 von stillewasser | Kategorie Satire | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (12): Über die Unbedenklichkeit des Kollaterierens
Das sind doch gute Nachrichten: das Ermittlungsverfahren gegen Oberst Klein wegen des Bombenabwurfs auf die Tanklaster im Fluss Kundus, der den Tod von Dutzenden afghanischen Zivilisten zur Folge hatte, ist eingestellt worden. Krieg und Kollateralschäden gehören zusammen, das sieht auch das Völkerstrafgesetzbuch so. Und das Völkerstrafrecht muss hier Anwendung finden, denn schließlich handelt es sich juristisch - nicht umgangssprachlich - um einen “nicht internationalen bewaffneten Konflikt”, d.h. es ist - umgangssprachlich formuliert - ein Bürgerkrieg. Weshalb wir als nichtafghanische Bürger bei diesem Krieg mittöten und -sterben, ist jedoch keine Frage, die wir uns in Kriegszeiten stellen sollten.
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21. April 2010 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Krieg Satire | 1 Kommentar








