Trollologie (4): Trolldoping
Das Trollen ist eine sportliche Disziplin wie jede andere auch. In den nächsten 100 Jahren hat Trollen eine realistische Chance, olympisch werden zu können. Zuvor muss das gleiche schwere Problem gelöst werden, das jeder Spitzensport hat: Doping!
Wurde diese Problematik zunächst verharmlost und verheimlicht, so haben sich die Trolle in letzter Zeit dem zunehmenden Druck aus Internet gebeugt und ihre Fehler in der Kommunikationsstrategie eingesehen. Das Thema Trolldoping wird jetzt offensiv angegangen. Mit der Initiative die anonymen Trolloholiker wurden die ersten positiven Erfahrungen gesammelt. Nachdem das Programm “Jeder Troll braucht seine Promille” erfolgreich angelaufen ist, konnte die Internetgemeinde von der Notwendigkeit des Trinkens bei Trollen überzeugt werden. Problematisch sind noch die anderen trollerzeugende Suchtmittel, die leider an jedem Internetknoten angeboten werden ohne diese zuvor richtig zu vermarkten. Dort werden auch ständig neue, meist übel zusammengepantschte Drogen angeboten. Aktuell wird vor dem Konsum politischer Teletubbie Trips gewarnt. Sie stehen im Verdacht, irreparable Trollerei auszulösen.
Noch in einer rechtlichen Grauzone befindet sich das in Trollkreisen beliebte Mutationsdoping. Einfache Experimeten mit der Try and Error Methode am Erbgut führen schon zu erstaunlichen Ergebnissen. Stolz werden diese Trollmutanten in beliebten Fernsehshows wie Deutschland sucht den Trollstar oder Dschungelcamp auf der Trollwiese präsentiert.
In jeder Hinsicht ist der Umgang mit Doping in Trollkreisen als modern und vorbildlich zu bezeichnen. Den negativen Einflüssen wird offensiv mit der richtigen Kommunikationsstrategie begegnet und zugleich wird mit neuen Dopingmethoden freudig experimentiert.
11. Februar 2009 von admin | Kategorie Trollologie | 2 Kommentare
Trollologie (3): Copy & Paste Troll

Trotz seiner beachtlichen Grundausstattung an penetranten Trolleigenschaften hat sich der gemeine Forentroll in einem rasanten Evolutionsprozess in eine kaum noch überschaubare Artenvielfalt aufgespalten. Bedingt durch eine zunehmend trollfeindliche Umwelt, wie Trollwiesen und netiquettengeschulte Moderatoren, wurde die Verweildauer von Trollen in einigen Gefilden des Internets bis auf wenige Buchstaben reduziert. Dennoch sollte das primitive Verhaltensschema von Trollen nicht über ihre enorme Anpassungsfähigkeit täuschen.
Diese neuen Gefahrenquellen haben lernfähige Trolle zu einem hochkomplexen Anpassungsverhalten gezwungen. Der Zusammenhang zwischen der stakkatoartigen Wiederholung sinnleeren Sätze, wie “Nein, nein, nein, ich habe doch Recht, du dummer tastaturfolternder Pixelpupser! ” und dem sofortigen Löschung dieser Beiträge haben sie durchschaut und auch der anschließende obligatorischen Forenausschluss wurde in seiner Wirkungsweise vom Troll erkannt. Dieser Evolutionssprung in der Trollentwicklung setzte eine mehrzehntausendfachen Übungsperiode voraus, die nur die harten unter den härtesten Trollen überlebte.
Ein solcher Nextgeneration-Troll ist der Copy & Paste Troll. Im Grunde handelt es sich um eine simple, aber äußerst effektive Mimikry Methode. Die Trollbeiträge werden mit Fundstellen aus dem Internet überfrachtet, um mit ausufernden Beiträgen ein fundiertes Wissen zu simulieren. Beliebte Textbausteinreservoirs für diese Trollmethode sind mit wilden Buchstabenattacken angestoßene Google-Suchanfragen oder die Funktion Zufälliger Artikel auf wikipedia. So kann leicht mit wenigen Klicks ein Wissen vorgegaukelt werden, dass eben nur aus diesen Klicks besteht. Aufgrund dieser oftmals erfolgreichen Maskierung des Trollverhaltens wird diese Art des Trollens meist nicht als solche erkannt.
Ein Copy & Paste Troll ist meist daran zu erkennen, dass er selbst zu einfachen Themen, wie “Sollte es einen gesonderten Bereich für Dauerpinkler in öffentlichen Toiletten geben?” mit seitenlangen Essays beantwortet. Gezieltes Nachfragen zu Widersprüchlichkeiten oder offensichtlichen Fehlern in innerhalb seines Beitrags werden als unerhörte Dreistigkeit erachtet und mit heftigen persönlichen Attacken gegen diese mutmaßlichen Ignoranten beantwortet. In Fachkreisen wird dieses Verhalten als die proaktive Maulkorb-Taktik bezeichnet. In solchen Diskussionen regrediert der Copy & Paste Troll wieder zu einem üblichen diskussionszerstörenden gemeinen Forentroll.
Latrinum Troll
Der Latrinum Troll ist eine Spielart des Copy & Paste Trolls. Er verwendet lediglich ein aus Lateinzitaten bestehende Kopiervorlage für das Würzen seiner Beiträge. Ein fehlender inhaltliche Bezug des lateinischen Zitats mit der Diskussion, dem eigentlichen Beitrag oder der Realität ist auch bei dieser Trollvariante gegeben.
Hinweis des Trollveteranen: Ein Copy & Paste Troll kann leicht aus dem Forum gelockt werden. Einfach selbst einen Copy & Paste Trollbeitrag mit wild zusammenkopierten Google-Suchergebnisse schreiben und am Schluss noch den Satz “In Forum xyz gibt es noch viel mehr davon!” zur Sicherheit als weiterführenden Link anfügen - und weg ist er! Verfügt das Forum über eine Trollwiese kann alternativ die Rattenfängermethode angewendet werden. Einen eigenen Copy & Paste Trollbeitrag in der Trollwiese veröffentlichen und warten bis er anbeißt. Wurden auf die Trollwiese erfolgreich eine großen Anzahl von Copy & Paste Trollen gelockt, muss die IT-Infrastruktur für das explosionsartigen Anschwellen der Datenbank mit bizarren Diskussionen in ausreichendem Maße skalierbar ausgelegt sein.
1. Februar 2009 von stillewasser | Kategorie Trollologie | Keine Kommentare
Trollologie (2): Der Trollstalker

Mag das Paarunsgverhalten bei Trollen eine kurzweilige Angelegenheit sein, so sind die übrigen Trollverhaltensweisen stets von einer hartnäckigen und enormen Ausdauer geprägt. Beim Stalken zeigen die Trolle komplexe, vielschichtige und ungeahnt kreative Verhaltensweisen. Eine harmlose und sehr sonderbare Form ist das sogenannte autostalken.
Autostalking
In das Autostalking verfallen Trolle gerne, wenn sie kein Opfer gefunden haben oder ihr ausgesuchtes Ziel entkommen konnte. Daher ist diese Verhaltensweise oft bei jungen oder unerfahrenen Trollen zu beobachten. In Ermangelung eines Stalkingzieles wenden sie die einfache, aber dennoch geniale Strategie an:
Das beste Opfer bin ich selbst, weil ich alle meine Schritte im voraus kenne.
Durch dieses Vorgehen gewinnen die Trolle einen Gesprächspartner, das Gefühl des Begehrtwerdens und eine nahezu 100 prozentige Erfolgsaussicht ihrer Stalkerei. Ich wollte diese These zuerst nicht glauben, aber das Studium von seitenlange Selbstgespräche von Autostalkern in ihren eigenen Gästebüchern hat mich schließlich eines Besseren belehrt. Eine lustige Variante ist, dass sie zu ihrer eigenen Zerstreuung sich Textfragmente vorzugsweise aus Wikipedia in ihr Gästebuch kopieren und dann damit beginnen, mit diesen zu diskutieren. Bei erfahrenen Autostalker konnte ich beobachten, wie sie ihre eigene Stalkerei ignorierten, damit sie es mit sich selbst nicht zu einfach hatten.
Einen Autostalker sollte man nicht auf sein merkwürdiges Verhalten hinweisen, da er auf jede Störung äußerst aggressiv reagiert. Zudem besteht die Gefahr, dass er aus seinem Muster ausbricht und zum Trollstalker mutiert, dessen erstes Opfer man selbst wird.
Stalkernoia
Der Trollstalkernoiker fühlt sich ständig von Stalkern verfolgt. Wenn es jemand noch nicht wusste, wird er vehement über diesen Sachverhalt aufgeklärt: Stalking lauert an jeder Ecke! Der Trollstalkernoiker handelt nach dem Motto:
Wenn jemand mit mir redet, kann es nur ein Stalker sein!
Ein einfaches “Hallo” reicht aus und man wird der unglaublichsten, übelsten und hartnäckisten Trollerei bezeichnet. Diese Vorwürfe werden nicht einmal, zweimal, nein, sie werden einem bis ins dunkle Grab nachgetragen! In anderen Worten, das Opfer des Trollstalkernoiker wird zum Täter und der eigentliche Täters wird zum Opfer stilisiert. Dabei wendet der Troll gerne die beliebte und bewährte Trolltechnik an: wer am lautesten schreit, der hat recht!
Wer einmal in die Fänge eines Trollstalkernoikers gefangen war, der wird aus leidvoller Erfahrung wissen, wie teuflisch gut diese Stratgie ist.
Ein Tipp des Trollveteranen: Lassen sie sich scheinbar auf die Anschuldigungen ein, schweifen ein bisschen mit ihm umher und gehen dann mit ihm zu seiner eigenen Profilseite. Sie müssen ihm dann nur noch erklären, dass diese Kopie wohl der übelste Stalker sei, denn sie je gesehen hätten. Und so wird im Handumdrehen ein Trollstalkernoiker zum Autostalker.
Präventives Stalken
Eine fortgeschrittene Methode ist das präventive Stalking. Es erfordert einiges an Vorbereitung. Nach der Wahl eines Opfers werden zufällig harmlose Diskussionen angefangen. Wenn der Troll mit den Stalkingattacken anfängt, kann er auf diese doch nicht mehr so harmlosen Diskussionen verweisen und sagen:
“Schau, du hast mit dem Stalken angefangen und bevor du noch mehr zum Stalker wirst, musste ich dir zuvor kommen!”
Auch hier werden wieder Opfer und Täter vertauscht. Als effektive Gegenmaßnahme hat sich die Weitergabe einer Telefonnummer an den Trollstalkernoiker erwiesen. Falls bekannt, am besten die eigene Telefonnummer des Trolls weitergeben oder andernfalls die einer beliebigen Telefonseelsorge.
Sekundäre Trollstalkerei
Leider besteht eine erhebliche Gefahr, dass bei diesen ständigen Wechseln der Täter und Opfer Rollen die Trollrollenidentifikation gestört wird. Ein zuvor völlig gesundes Opfer kann so selbst zum Trollstalker mutieren. Das führt zur schönen Situation, dass Täter und Opfer eine Symbiose eingehen und beide zu stalkenden Tätern werden. Lustigerweise hat somit jeder der Kontrahenten mit seinen Vorwürfen der Stalkerei im Grunde vollkommen Recht.
Diese Form der Ansteckung auch zuvor gesunder Foristen ist bei Trollattacken generell sehr hoch.
20. Januar 2009 von stillewasser | Kategorie Trollologie | Keine Kommentare
Trollologie (1): Der Bagger Troll und seine Brut
Einleitung
Als alter Trollveteran konnte ich meine Artgenossen sehr genau studieren. In einer kleinen Serie möchte ich einige typische Vertreter dieser Gattung vorstellen. Ich habe versucht, die einzelnen Charaktere zu überzeichnen, doch oftmals reichen meine rhetorischen Fähigkeiten dafür einfach nicht aus. Die vielfältige und lebhafte Welt der Trolle ist einfach unbeschreiblich.
Hinweis: Ähnlichkeiten zu lebenden Trollen sind natürlich beabsichtigt.
Der Bagger Troll
Der Bagger Troll ist in der wenigen Trolle, der dieselben Verhaltensweisen der realen Welt auch 1:1 in seinem virtuellen Trollcharakter zeigt. Es ist eine ausgefeilte und tausendfach erfolgreich erprobte Werbungstechnik, die zum Aufstöbern paarungswilliger (Troll-)weibchen dient. Das Balzverhalten läuft nach einem strikten Schema ab und wird zu 92,7 % mit exakt den gleichen Worten in derselben Reihenfolge eingehalten. Nur in 7,3 % der Fälle bemerkt der Bagger Troll, dass er sein anvisiertes Trollgeschlecht verfehlt hat, und stellt seine weiteren sexuellen Handlungen noch rechtzeitig ein.
Hier ein Beispiel der wenige Millisekunden dauernde Balz, die millionenfach in freier Wildbahn beobachtet werden kann:
-
Bagger Troll> m/w ? Opfer> w
(Hinweis des Autors: Das war die falsche Antwort!)Bagger Troll> Handynummer? Treffen? F****?
Eine Antwort des Opfers, die oberhalb jeglicher Schamgrenze liegt oder einfach preislich übertrieben ist, veranlasst den Bagger Troll von seinem Opfer abzulassen und im nächstgelegenen Forum nach neuen Opfern zu suchen. Dabei wird die Tatsache, dass es auf der Datenautobahn weder Geschwindigkeits-, noch Alkoholkontrollen gibt, rigoros ausgenutzt. Solch exzessive Trollstreifzüge enden meist mit einem Ausnüchterungsschläfchen auf der Trollwiese oder nicht selten frontal in einer Firewall.
Die Trollfachwelt sieht die rasante Verbreitung der Trolle eben auch in der Tatsache begründet, dass das Paarungsverhalten der Trolle kurz, wahl- und schamlos ist. Die Parallele zur Tröpfcheninfektion ist offensichtlich.
Die Brut des Bagger Trolls
Die Frühreife der Trollkinder - die erste Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht via Facebook & Co. erfolgt noch nabelschnurgebunden im Mutterleib - ist für die massenhafte Verbreitung für Trollkinderpornographie im Internet verantwortlich.
Ebenso wie beim Umgang mit dem Bagger Troll selbst hilft daher im Umgang mit seiner zahllosen Brut nur das aktive Wegsehen. Solange es noch keine Stoppschilder im Netz gibt, sollte zur eigenen Sicherheit nur mit geschlossenen Augen gesurft werden!
18. Januar 2009 von stillewasser | Kategorie Trollologie | Keine Kommentare







