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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Bankensozialismus

ddr20Ich gehöre zu den bedauernswerten Bundesbürger, die vor dem Fall der Mauer im Westen geboren wurden. Bereits mit der Muttermilch infiltrierte mich der kapitalistische Virus. In meiner Kindheit konnte ich nur staunend einen Blick über die Mauer werfen und die Errungenschaften der Planwirtschaft bewundern, die mittels einer zentrale Verwaltungsinstanz für die Unterversorgung und Fehlallokation der Gütern für ihre Bürgern sorgte. Wir im Westen wurden medial und real mit jedem erdenklichen und vermarktungsfähigen Konsummüll terrorisiert. Die Lethargie bannte uns vor den Flimmerkisten der Verheißungsindustrie und harrten der Errettung unserer besseren Hälfte.


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Die Jahrhundertflaute

flauteDie Gefährlichkeit des Sturmes kennt jedes Kind, wer aber am Wasser lebt kennt auch die Gefahr seines harmlos klingenden Bruders: die Flaute.

Die Wirtschaftskrise hat eine Jahrhundertflaute auf den Weltmeeren ausgelöst, die Reedereien, Werften, Emissionshäuser, Finanzierer und ganze Regionen einbrechen lassen. Gerade deutsche Schiffsbauer haben Schlagseite erlitten und die Flautegeier umkreisen die kriselnde HSH Nordbank. In dieser großen Not werden Rufe nach Rettungsschirmen und Bad Banks laut: Bei systemischen Rettungsmaßnahmen herrscht immer noch Windstärke 10.


Wo geht es zur good Bank?

BanktresorDie heftigen Stürmen der Finanz- und Wirtschaftskrise toben und entfalten langsam ihre gesamte zerstörerische Kraft. Die brüchigen Fassaden der Banken in Amerika, Europa und weiten Teilen der Welt sind durch die entfesselten Naturgewalten eingestürzt und aus den Trümmern sind Krugmanscher Zombiebanken auferstanden. Staunend sieht man, wie sie ihren unstillbaren Hunger an der einzig verbliebene Blutquelle stillen: den Staat.

Ein Land ist nicht von dieser grausigen Plage befallen: Kananda!

Das Bankensystem ist konservativ ausgerichtet und unterliegt einer strengen staatlichen Aufsicht. Gut gemacht, Jungs!

[update] Die Financial Times hat ebenfalls noch ein paar  good banks gefunden und aufgelistet. [/update]

[update] Auch Südafrika erweist sich als good banker [/update]


Der Tanz der Narren geht weiter

narrDie Party ist zu Ende und zurück bleibt ein heftiger Kater. So ist das üblicherweise am Aschermittwoch. Doch in der Weltwirtschaftskise gelten andere Regeln. Die Musik spielt immer noch, die Narren tanzen weiter um das goldene Finanzkalb und die Politiker ziehen weiter durch die Straßen und werfen mit bunten Konfetti, dem Geld der Bürger, um sich. Den neusten Coup haben Hamburg und Schleswig-Holstein gelandet. Sie retten ihre systemische Landesbank HSH und sind jetzt auf einem guten Weg in den bankrott. Es ist immer noch Karneval. Helau!!!
Aber seltsam ist diese Party schon, und vor allem der Ort an dem gefeiert wird, hört sich nicht gut an.


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Bad bank for dead banks

Weltwirtschaftskrise reloadedDer Staat hat zum Schutz gegen das weltweite Unwetter, das die Finanzkrise ausgelöst hat, bereits  so viele Rettungsschirme aufgespannt, dass kein Tropfen mehr den Boden erreichen dürfte. Dennoch rufen die Bänker nach noch mehr Schutz. Und jedes Mal wird der Ruf lauter.

Die Schirme behindern die Sicht auf den freien Himmel und wohl auch auf einige entscheidende Tatsachen. Das zur Verfügung stehnde Geld ist weder unendlich groß, noch scheint es auszureichen, den Abwärtsstrudel der Finanzmärkte  zu stoppen.  Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaft, zeigt in seinem Blog  an einem einfachen Beispiel, weshalb die derzeitigen Rettungsmaßnahmen vergeblich sind und bezeichnet sie als Wall Street Voodoo.


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Ackermann, ein “bad” Bänker?

Quelle: Agência Brasil

Zu Beginn dieses Jahres blickte der Zeit Blog Herdentrieb in die Glaskugel, um Erhellendes über das düstere Zukunft der Finanzkrise sagen zu können. Eine der erstaunlichen Weissagungen war: Josef Ackermann werde sich schämen müssen, weil die Deutsche Bank unter den staatlichen Rettungsschirm krieche - und das bereits im ersten Quartal 2009. Diese Vorhersage hat sich in Teilen bereits bestätigt. Über den Einstieg der Post im Zuge der Übernahme durch die Postbank wird sich der Staat indirekt an der Deutschen Bank beteiligen. Herr Ackermann  sieht sich dennoch ohne direkte Beteiligung des Staates und somit ohne Schämfaktor durch den Sturm Finanzkrise lavieren. Sein Optimismus wird nicht von allen geteilt, das Wasser unterm Kiel versiegt  schneller als die Quartalsberichte gedruckt werden.

Woher kommen solch ungemütliche Prophezeihungen? Der private Banksektor erweist sich trotz der offenen Geldschleusen der Zentralbanken in weiten Teilen immer noch als trockene, öde Wüste. Die Fata Morgana eines gesunden privaten Banksektors in Deutschland, der nur vereinzelt falsch aufgestellte Banken trifft, hat sich in der heißen Luft aufgelöst. Die dürstenden Manager schleichen sich einer langsam, einer nach dem anderen, zur einzig verbliebenen Geldquelle - dem Staat. Nur scheinen Hitze und Dürre unsere Bittsteller gezeichnet zu haben. Nach dem Versprechungen von blühenden Landschaften, die zu Staub verfallen sind, erzählen sie uns ein weiteres Märchen von 1001 Nacht: Es ist die Legende von der Bad Bank.

Es ist eine alte, sehr alte Geschichte. Sie begann weit vor der großen Finanzdürre, zu einer Zeit, als im Finanzeden des elitären Aufschwungs die ersten Oasen giftig und trüb wurden. Im Jahre 2003 gerieten die Dresdner Bank, Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank ob ihrer dubiosen Investmentgeschäfte in Schwierigkeiten. Hinter verschlossenen Türen strickte Herr Ackermann an der Geschichte von der alternativlosen Bad Bank. Denn nach einer schwedischen Heldensage kann sie den Giftmüll der Finanzinstitute in Gold verwandeln. Ein Körnchen Wahrheit enthält diese Geschichte sogar. Werden die Verluste der Bad Bank auf die Steuerzahler abgewälzt, wird das Versagen der Finanzelite vergoldet. Damit dies nicht Eintritt, müsste die die Verantwortung und eine finanzielle Beteiligung an einer Bad Bank von den Banken selbst geleistet werden und, ein starker Staat müsste beherzt in den Finanzmarkt intervenieren. Jedoch sind solche Maßnahmen außerhalb aller gängiger Vernunft in unserem Lande, denn bisher wurden die Verursacher der Krise mit immer größer werdenden Rettungsschirmen bedacht. Demnach entspricht nur eine Blanko Bad Bank, für die allein der Steuerzahler krumm stehen muss, dem vorherrschenden Geist und bietet das perfekte, weich gepolsterte Auffangnetz für unsere gestrauchelten Finanzmanager. Dies lässt sich mit deutscher Gründlichkeit in einem Nebensatz des Klein gedruckten juristisch einwandfrei absichern und die Verantwortung kann ohne schlechtes Gewissen zum Staat abgeschoben werden, denn dies dient rein seinem neoliberalen Zweck.

Die beiden Bürotürme der Deutschen Bank in Frankfurt

Nach diesem ersten Geplänkel herrschte erst einmal eine unheilvolle Ruhe, es war die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem Kollaps des amerikanischen Investmentbankings meldete sich das Thema Bad Bank lautstark zurück und erreichte schnell in den Turbulenzen der Hypo Real Estate auch Deutschland. Es war wieder Herr Ackermann, der hartnäckigsten an der Legende der Bad Bank weiter strickte. Seit die Deutsche Bank einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro für das 3. Quartal 2008 erwartet, haben sich zum Branchenprimus Ackermann noch weitere Märchenerzähler gesellt, wie der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger oder der Bundesverband deutscher Banken. Trotz dieser Sirenengesänge aus den staubigen Finanz-,  Politik- und Verbandswüsten widersetzt sich unser Finanzminister Herr Steinbrück bisher erstaunlich resolut diesen Plänen. Er sieht keine Möglichkeit der Finanzierung der 150 bis 200 Milliarden Euro, die eine bundesweite Bad Bank als Kapitalunterlegung seiner Schätzung nach benötige. Im Gegensatz zur Bankenkrise in Schweden dürfte diese auch wirklich nötig und in Anspruch genommen werden, denn eine Rückzahlung der faulen Kredite wird angesichts der weltweiten Rezession immer unwahrscheinlicher. Zudem überraschte die Finanzkrise bisher immer mit einer exponentiellen Steigerung der Dimension. Es ist daher nicht überraschend, dass bereits weit sagenhaftere Zahlen im Umlauf sind, Schätzungen gehen von einem finanziellen Giftmülllager von 300 Milliarden Euro in deutschen Banktresoren aus. Die Prognose des Internationale Währungsfond, die erst vor kurzem seine realen Prognosen der märchenhaften Dimension der Finanzkrise angepasst hatte und nun einen weltweiten Abschreibungsbedarf durch die Finanzkrise von 1,4 Billionen Dollar sieht, wird gezwungen sein, diese horrende Zahlen noch anheben zu müssen. Spätestens jetzt wird die Geschichte der Bad Bank zu einem düsteren Albtraum.

Die Weichen sind gestellt, die mediale Inszenierung einer alternativlosen Bad Bank ist angelaufen und sie wird, ausgestattet mit einer Blankoscheckeinlage als goldener Handschlag für krisenhaftes Missmanagement, letztendlich kommen. Das Einknicken der Regierung ist, wie in und außerhalb der Krise, nur eine Frage des Wahltermins. Doch wenn es soweit sein wird, heißt es vielleicht nicht mehr too big to fail, sondern too bad to save. Selbst ein Serienexportweltmeister kann nicht jeden Scheck einlösen.


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