Die G-Punkte des Finanzmarkts
Nein, nicht nur die WM ist spannend - obwohl, wenn Schland spielt endet die Spannung nach wenigen Minuten - auch die Finanzmärkte spielen eine nette Meisterschaft.
Die Spieler sind ganze Länder und sie kämpfen um die Trophäe: wer wird nach Kirgistan der nächste failed state? Wird es der südländische Heissporn Griechenland oder sichert sich doch Großbritannien nach dem WM-Aus den nächsten Loser-Titel?
Eines ist sicher, die Finanzmärkte werden bald viele weitere Höhepunkte erleben, denn im Gegensatz zu Frauen sind sie nicht nur auf einen Buchstaben fixiert. Die übrigen südeuropäischen Finanzschlampen spüren schon den Druck, den die Finanzmärkte in ihrem Vorspiel aufbauen. Er bereits groß genug, dass eine leichte Stimulation der P-, I- oder S-Punkte zum erwünschten Ausbruch führen.
Sollten die Herren der Finanzmärkte doch Fussballfans sein, dann hat allein Spanien noch eine Chance vorerst verschont zu bleiben, alle anderen PIIGS-Staaten sind bereits ausgeschieden.
Ich muss euch ehrlich gestehen, ich finde die perversen Praktiken der Finanzmafia echt abgefahren, sie toppen für mich sogar die fantastische Schland-WM in Südafrika.
Lesenswerte Links zum Thema:
P.S: Dass ich mein unterirdisches Niveau erfolgreich unterbieten konnte, lag allein an der Hitze
4. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Neoliberalismuskritik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Hartz IV für Griechenland
Wow, wir sind wieder wer! Wer sein Blut auf den Schlachtfeldern der Ehre vergießt und Herz und Motor Europas ist, der darf ruhig auch mal sagen, wo es lang geht. Und eines ist ja wohl klar, wenn wir in spät römischer Dekadenz versinken, dann gibt es unseren südländischen EU-Mitgliedern noch lange nicht das Recht, es noch besser zu machen als wir!
Was würden wir ohne unsere gute, alte Bildzeitung machen? In ihrer moralisch autoritären Arroganz vermag sie dank der Kraft ihrer Schlagzeilen die richtigen Worte der Hetze in das willige Hirn der stumpfen Masse zu klopfen. Nur das eine oder andere Weichei wendet sich von der gerechten Empörung des Volkes ab, aber ansonsten steht die Heimatfront geschlossen gegen den innereuropäischen Feind!
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30. April 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Satire | 5 Kommentare
Risse
Täglich, nein stündlich tun sich neue Risse auf. Ja, doch man sieht sie nur, wenn man genau hinschaut. Sie sind von einem zähen und klebrigen Kleister aus massenmedialem Stumpfsinn überdeckt. Es ist leicht, sie zu übersehen, es ist leicht, sie zu ignorieren:
Riss 1: Obama attackiert vorerst verbal die Wall Street und kündigt eine Art Glass-Steagall Act 2.0 an.
Die im Jahre 1933 eingeführte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken war eine der wichtigen Lehren, die aus der ersten Weltwirtschaftskrise gezogen wurde. Bill Clinton schaffte 1999 das Gesetz ab und ermöglichte erst dadurch viele der Exzesse der Wall Street, die zur aktuellen Weltwirtschaftskrise führte.
Dieser unerwartete und heftige Angriff Obamas zeigt, dass die Machtkämpfe im Zuge der Wirtschaftskrise noch nicht ausgefochten sind oder vielleicht noch nicht einmal richtig begonnen haben.
Riss 2: Die Talanx AG, einer der größten Versicherungskonzerne Deutschlands, klagt per einstweiliger Verfügung auf die Eröffnung eines Kontos bei der Bundesbank.
Es ist offensichtlich, dass der Versicherer den Banken und dem Einlagensicherungsfonds nicht traut und auch in Zukunft mit heftigen Finanzkrisen rechnet.
Riss 3: Griechenland geht bei China betteln.
Die EU möchte aus ideologischer Verblendung ein Non-Bailout-Exempel statuieren und lässt Griechenland sehenden Auges am ausgestreckten Arm verhungern. Ein Umweg über den IWF ist wenig attraktiv, denn er enthält im Kleingedruckten eine neoliberale Roßkur, die bereits das Balitkum erfolgreich in den Abgrund reißt. Insofern handelt Griechenland vollkommen richtig und es möchte sich dort Hilfe holen, wo wirkliche Hilfe angeboten wird - am anderen Ende der Welt in China.
Die Krise zeigt, dass die EU über eine wenig stabile Gemeinschaftswährung und ansonsten über keinerlei Gemeinschaft verfügt.
Das Gefährliche ist weder die ständig wachsende Anzahl der Risse noch deren Tiefe. Das Gefährliche ist, dass sie alle über eine gemeinsame Ursache verfügen: die wahnwitzige Ideologie des Neoliberalismus.
29. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise Neoliberalismuskritik Politik Wirtschaftskrise | 3 Kommentare
Vau verpasst
Es ist ein schöner Traum gewesen, den uns die gewohnt naiven Top-Ökonomen professionell prognostiziert hatten: ein bisschen Weltwirtschaftskrise, dann kommt der V-förmige Aufschwung und es geht weiter-so wie gehabt.
Ja, es gab eine Erholung - etwas später als qualitätsmedial verkündet -, aber die Erholung ist vorerst gestoppt: Im Vergleich zum Vormonat brach der Maschinenbau um -7,6 % und die Automobilindustrie um -3,3 % ein. So stürmisch wie der Absturz kann der Aufschwung nicht mehr werden.
Die bisherigen Rettungsmaßnahmen haben zwar ihr Ziel erreicht, das Roulette dreht sich wieder und die Banken spendieren ihren Bänkern ihre Bonis - aber zu welchem Preis? Die Summen waren gewaltig, die strukturellen Probleme der Finanzwirtschaft bleiben: ihr aufgeblähter Wasserkopf. Ein weiteres Problem ist, dass jetzt langsam die Konjunkturpakete auslaufen und in Europa - im Gegensatz zu Asien - noch kein stabiler Aufschwung erzielt werden konnte. Weitere Gefahren für das weltweite Finanzsystem gibt es zur Genüge: der Pleite Dubais könnten weitere Folgen, sogar in Europa: Griechenlands Bonität wird deutlich herabgestuft.
Ein kurzer Blick in die Glaskugel verrät mir, die Erholung wird einen typischen WZL-Verlauf nehmen. Besonders der Mittelteil wird noch sehr lustig werden.
8. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Politik Wirtschaftskrise | Keine Kommentare







