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unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Die Burka der Blogger

burkaDas Netz konnte sich Jahrzehnte lang nach seiner eigenen Philosophie und seinen Regeln entwickeln, das tat ihm sehr gut. Die ersten Berührungen mit der Offlinewelt fanden erst mit der Kommerzialisierung des Internets statt. Seit dem ist Frage des Urheberrechts in der digitalen Welt für die Musik- und Filmbranche ein Dauerbrennerthema.
Doch aus dieser tastenden, manchmal knirschenden Annäherung wird zunehmend ein ausgewachsener Kulturkampf. Anfangs bot das Internet mit seiner modernen Technologie neue, kostensparende Vertriebs- und Marketingkanäle. Mit den ersten Internetkonzernen jedoch, die das Netz zu einer Google machten, wurden völlig neuen Geschäftsmodelle eingeführt. Ganze Geschäftsbereiche mit einer langer Tradition, wie den Qualitätsjournalismus, gerieten daraufhin in unerwartet schwere Bedrängnis. Während Internetfirmen die Struktur und Möglichkeiten des Netzes nutzen, versuchen netzfremde Firmen und Konzerne ihre gewohnten Kontrolle und Deutungshoheit, die sie aus ihrer Offlinewelt kennen, im Netz möglichst uneingeschränkt durchzusetzen. Justiz, Politik und Medien sind dabei ihre willigen Helfer, die ihnen - wie sie es ja aus ihrer Welt gewohnt sind - zur Seite stehen, und sie beim Versuch des Zugriffs auf das Netz tatkräftig unterstützen. Das ganze wird mit einem schön einfachen Slogan legitimiert: das Netz ist ein rechtsfreier Raum, er muss dringend kontrolliert werden!


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Das Internet ist dumm - und das ist auch gut so!

nulllinieWer die “German Techno-Angst” hautnah erleben möchte, der Frage in der heutigen Zeit einfach einen Politiker oder Qualitätsjournalisten nach dem Internet. Die ganze Abscheu vor dem Wandel bricht an die Oberfläche und all die üblen Vorurteile der Technik- und Zukunftshasser springen einem direkt ins Gesicht: das Internet ist ein rechtsfreier Chaosraum, von Extremisten bevölkert, die Politik muss schnell und in aller Härte eingreifen, “sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen”!

Die Politik möchte nach den positiven Erfahrungen mit dem Stoppschild das Internet mit einem ganzen Schilderwald beglücken, inklusive Tempo 30 auf allen Datenwegen und Mautstellen an jeder Kabelung. Es muss endlich das kleinkarierte Recht und die zwanghafte Ordnung für Jedermann herrschen, wie es im real existierenden Altersheim unserer Eliten bereits erfolglos vorexerziert wird!

Die existentielle Frage des Internets lautet nun, wie kann sich nur der arme, verunglimpfte Chaosraum gegen diese Übermacht wehren? Ganz einfach, das Netz muss sich nur zu seiner einzigen Stärke bewusst sein:

Das Internet ist dumm - und das ist auch gut so!

P.S: es ist ein verdammt befreiendes Gefühl, ein Teil dieser Stärke zu sein :-D


Linke Link-Ökonomie

Das Internet ist ein rechtsfreier Raum, aber das kann ein rechtschaffener Mann wie Hubert Burda nicht so einfach hinnehmen. Mutig macht sich der bekannte Verleger auf zu einem Kreuzzug gegen das Machtzentrum des Bösen im Netz: Google & Co.! Wortgewand klagt er an, dass Suchmaschinen mit ihrer linken “Link-Ökonomie” überproportional von den teuer erstellten Inhalten der Medien profitieren. Ihre üblen versklavten Helfer, die Crawler, schleichen durch alle Datenleitungen und sammeln und sie verwerten alles, was sie in die Finger bekommen können und - das ist ja das Schlimme - bezahlen nichts für ihre virtuellen Raubzüge! Jedoch, es gäbe einen einfachen Schutz vor dieser Plage: die Medien könnten ihre Webangebote mit ein paar Zeilen Programmcode schützen. Sie müssten in ihrer robots.txt folgende Zeilen hinzufügen und sie hätten vor Suchmaschinen und lästigen Besuchern absolute Ruhe:

User-agent: *
Disallow: /

Wahlweise könnte auch ein Stoppschild vor den Internetseiten unserer netzphobischen Medienelite aufgestellt werden. Das dumme Internetvolk muss nämlich dringend vor einer Überdosis an Qualitätsjournalismus beschützt werden.

[update] In Fragen des Geldes und der Macht der Medien muss natürlich auch Springer mitspringen und fordert eine Zwangsabgabe auf Computer. Mit diesen in einem stetig steigenden Stakkato vorgetragenen  Forderungen nach Subventionen des Qualitätsjournalismus setzt sich der Perlentaucher auseinander und belegt, dass es sich hierbei nur im die Sicherung von Pfründen und der Erhaltung überkommener Geschäftsmodelle handelt. [/update]

[update] Der DJV-Bundesvorsitzender Michael Konke bläst in das gleiche Angriffshorn auf Google wie Burda. Google hat aufgrund dieser merkwürdigen Attacken aus dem alten Europa in einem Blogbeitrag den Verlegern empfohlen, ihre robots.txt zu ändern :-D
[/update]

(via chefarztfraulicher:beobachter)


Glaskugel (1): Was kommt nach der Wahl?

glaskugelWie könnte die Welt nach den Bundestagswahlen aussehen? Ich probiere mal meine neue Glaskugel aus, die ich mir gerade selbst geschenkt habe:

Die CDU wird gemäß dem in Frankreich verfasssungswidrigen Vorbild den Bürgern das Internet abschalten,  wenn sie sich im rechtsfreien Raum des Internets eines Rechtsverstoßes schuldig machen. Die SPD wird ihr Lieblingsgesetz, die Internetzensur, auf ganz Europa ausweiten und, ach ja, die Steuern werden erhöht - einfach tolle Aussichten.
Ah, ihr wollt eine wirklich positive Nachricht? Gut, dass meine Kugel ein Anti-Politik-Programm hat: Also, die Welt wird auch nach der Wahl noch rund sein - mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 95 % !


popkomm popt nicht mehr

Das grausame, gnadenlose Monster hat wieder zugeschlagen und das bedauernswerte Opfer ist wieder einmal die wehrlose Musikindustrie. In diesem Jahr fällt die Musikmesse popkomm aus und die alleinige Ursache für dieses Unglück ist für Dieter Gorny, den Gründer der Messe, eindeutig das Internet mit seinen bösen Internetpiraten. Nja, vielleicht ist der Grund auch, dass es immer weniger Pfadfinder gibt und die verbliebene Stammkundschaft nicht mehr die berliner Straßen überqueren können.
Ein süffisanter und lesenwerter Abgesang der einst größten Musikmesse in Deutschland könnt ihr unter dem Titel “popgeh statt popkomm” auf der Zeit lesen.


Es muss ein Ende haben!

sackgasseUnser Innenminister meint, im Internet wimmelt es von Gefährdern, unsere Familienministerin vermutet hinter jedem Link Kinderpornographie, die Musik- und Filmindustrie kämpft gegen filesharende Raubkopierer und der Qualitätsjournalismus verzweifelt ob der grassierenden Dummheit im Netz.

Und was machen wir gegen all das Übel im Internet? Wir wehren uns gegen die maßvolle Kontrolle, wir wollen keine Straßenschilder im Internet, wir machen mit Internet-Piraten gemeinsame Sache und und bloggen ungefragt und ungenehmigt unsere Meinung über die boulevardesken Qualitäten der Virtualität.

Das geht einfach zu weit! So kann es einfach nicht weiter gehen! Das muss ein Ende haben! Jetzt, sofort!

Ich habe den Aus-Schalter des Internets gefunden. Ihr müsst verstehen, zum Wohle Aller muss ich ihn drücken! Das Böse muss besiegt werden! Das war es …


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