Neues aus dem Elitariat (9): die Elite am Boden
Böse Zungen behaupten, die Isländer hätten ihre Ramschpapiere im Schlot des Eyjafjallajökull entsorgt. Egal was im brodelnden Vulkan verbrannt wird, die Asche, die er kilometerweit in die Atmosphäre pustet und über ganz Europa verteilt, hat jedenfalls den ganzen Luftverkehr im Euroraum lahm gelegt.
Das hat für unser armes Elitariat grausame Auswirkungen: es muss auf dem Boden bleiben. Die Oberschicht kann nicht mehr wie gewohnt sorglos über den Dingen schweben, von oben aus dem Flieger herab auf die im anstrengungslosen Wohlstand dekadierte Masse schauen oder sich entspannt der Abgehobenheit in all seiner Arroganz hingeben. Stattdessen müssen unsere selbst ernannten Leistungsträger während der Vulkanstaub den elitären Himmel vernebelt auf dem kargen Boden des Prekariats eine äußerst unangenehme Zeit erleiden. Das gemeine, an seinem Wohnort harzgebundene Volk hingegen genießt die friedliche Stille über ihm:
Das Elitariat ist am Boden und das elitelose Volk fühlt sich wie im polnischen Himmel!
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20. April 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat Medienkritik Politik SZ Watch Satire | Keine Kommentare
Eyjafjallajökull
Meine Güte, die kleine Insel am Rande Europas ist immer für eine Überraschung gut. Und ich muss schon sagen, trotz der erstaunlichen Tragweite der Auswirkungen klingt es auf islandisch irgendwie niedlich:
Der Zusammenbruch der drei größten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir haben beinahe den ersten Staatsbankrott in Europa verursacht. Mit der Initiative Icelove möchte Island in Kooperation mit Wikileaks den ersten Datenfreihafen der Welt eröffnen und das Internet umkrempeln. Und nun spukt der isländischer Vulkan Eyjafjallajökull seine Asche über 11 Kilometer in die Atmosphäre und legt mit ein bisschen heißer Luft nahezu den kompletten europäischen Flugverkehr lahm.
Den Namen des Vulkans werde ich mir beim besten Willen nicht merken können, ich traue mich nicht einmal ihn auszusprechen.
Es ist wirklich bemerkenswert, wie oft in letzter Zeit das unscheinbare Island die Geschicke des alten Europas lenkte. Was wird die nächste Überraschung aus dem hohen Norden sein? Wird der zukünftige Regierungssitz der EU nach Island verlegt, die Insel in Mordor umbenannt und die Herrschaft von Lord Voldemort ausgerufen? Halt, das ist doch schon Realität, oder nicht? Keine Ahnung, der Himmel Europas ist jedenfalls schon verdunkelt
16. April 2010 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Satire | 2 Kommentare
Sparen ist für den Arsch
Der Geiz ist nach der Psychoanalyse von Sigmund Freud auf den analen Charakter zurückzuführen. Wenn also der Bürger, der für die Schulden der Finanzzocker bezahlen soll, sich wie der letzte Arsch vorkommt, so lässt sich diese gefühlte These wissenschaftlich fundiert belegen.
Die Isländer, die dem sarrazinischen Ideal des Kaltduschers entsprechen, widersetzen sich gerade dieser um sich schlagenden Verarschung. Sie haben mit 95% gegen den Plan ihrer Regierung gestimmt, der die Rückzahlung der isländischen Schulden regeln sollte. Warum sollten auch die Isländer in Kollektivhaftung für die Fehler ihrer Bänker genommen werden? Weshalb sollten sie für den Leichtsinn der ausländischen Anleger haften, die bei ihren Zockerbanken Geld angelegt haben?
Nicht nur auf der kleinen isländischen Insel soll gespart werden, auch in Amerika und vor allem in Europa soll mit fiskalischer Askese die spätrömische Dekadenz beendet werden. Doch jetzt einfach so mit dem Sparen anzufangen ist ein schwerer Fehler. Das sagt zumindest kein geringerer als der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz. Er sieht in der aktuellen Politik die große Gefahr, dass sie zu einer dauerhaften Stagnation führt.
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10. März 2010 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Politik Sozialstaatsdebatte Wirtschaftskrise | 3 Kommentare
Icelove
Island stand schon einmal im Zentrum einer stürmischen Entwicklung. Als das einstige neoliberale Musterland mit seinen fragwürdigen Finanzprodukten Schiffbruch erlitt, musste die Regierung - es drohte ein Staatsbankrott - die drei größten Banken des Landes in einer dramatischen Aktion verstaatlichen. Island konnte sich von seiner schweren Krise noch nicht erholen, die Altschulden drücken und die spärliche Wirtschaft ist am Boden. Aus dieser prekären Situation sucht Island verzweifelt einen Ausweg und zieht dabei auch unkonventionelle Lösungen in Betracht. Eine Idee, die aktuell diskutiert wird, ist wirklich visionär:
Island soll der erste Datenfreihafen der Welt werden!
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21. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion Finanzkrise Neoliberalismuskritik SZ Watch Zensur | Keine Kommentare







