Die Zeit der Zahlenakrobaten
In Krisenzeiten ist alles erlaubt, Banken dürfen für ihre Bilanzen ihre gesamte Kreativität einsetzen und unser Musterknabe der Finanzjongleurakrobatik, Josef Ackermann, hat wieder einmal ein Meisterstück abgeliefert.
Die EU möchte sich in der Kunst des Statistikdopings von Deutschland nicht in den Schatten stellen lassen und zeigt in der Schuldenberechnung der EU-Länder, wie graziös sie im Sinne des französischen laissez faire unerwünschte Kosten weggezaubert kann.
Ein angenehm beschwinglicher Sommerzirkus im Weltwirtschaftskrisenjahr.
29. Juli 2009 von stillewasser | Kategorie EU Finanzkrise | Keine Kommentare
Wo bitte geht es zur Bad Bank?
Es war ein langer Weg zur Bad Bank, ein hartes Stück Arbeit für unsere Regierung. Im Februar sagte unsere Kanzlerin, es werde keine Bad Bank geben, so wie es ein Monat zuvor unser Finanzminister noch versicherte. Zuvor musste in den Wirren der Finanzkrise zuerst in aller Eile die SoFFin gegründet und 480 Milliarden Euro in das marode Bankensystem gepumpt werden. Bereits damals wurde ganz klar gesagt, das diese Summe einfach viel zu wenig Geld für die Banken ist. Denn sie brauchen mehr, viel mehr Geld für ihren unersättlichen 25 % rendite Schlund. Genau aus diesem Grund ist die Bad Bank alternativlos. Steinbrück, unser Kieselstein in der Brandung, hat uns Bürgern versprochen, die Bad Bank werde den Steuerzahler nicht belasten. Natürlich kann es gut sein, dass unser Finanzminister das Prinzip der Bad Bank nicht verstanden hat: es ist eine gigantische Subventionierung, die Bänker können ihren Giftmüll zu angenehmen Konditionen beim Staat abladen und sich so leicht von ihrer Verantwortung freikaufen - und das alles auf Kosten der Steuerzahler!
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3. Juli 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Medienkritik | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (2): Wir brauchen die Bad Banks!
Die Kugel im Finanzcasino rollt wieder, die amerikanischen Banken möchten die staatlichen Zügel los werden und sich frei kaufen. In Deutschland zaubert allen voran Herr Ackermann wieder eine 25 % Traumrendite in das Quartalsergebnis der Deutschen Bank. Das wurde auch Zeit. Nach dem 480 Milliarden Euro Rettungsschirm, dem G-20 Bilanzdoping und der Verstaatlichung der HRE ist für den miesepetrige Michel diese angloamerikanische Finanzpower genau das Richtige, um im Tunnel der Weltwirtschaftsdepression endlich das Licht des entgegenkommenden Zuges sehen zu können.
Was war das für eine schwere Zeit! Zuletzt haben die Aktionärs auf der Hauptversammlung zur Verstaatlichung der HRE randaliert wie linke Chaoten. Diese unhaltbaren Zustände riefen unser Soffin-Chef, Herrn Rehm, zu einem energischen Eingreifen auf. Unmissverständlich stellte er klar, dass zwar die Aktionäre der HRE Störfeuer sind, aber dennoch die besseren Eigentümer bleiben. So kehrte flugs wieder Ruhe ein. 100 Milliarden Euro zu verspekulieren kann schließlich jedem einmal passieren. Zum Glück hat das Management der HRE vorgesorgt und eine systemische Vollkasko-Versicherung bei unseren Finanzminister persönlich abgeschlossen. Ansonsten hätte am Ende wirklich ein Schaden entstehen können!
Mit allem Recht und allem Stolz darf daher unsere Kanzlerin heute mit markigen Worten verkünden:
«Die Bankenrettung ist im Wesentlichen so einigermaßen gelungen»
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3. Juni 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Hofberichtblogging Politik Satire Wirtschaftskrise | Keine Kommentare
Wie funktionieren Bad Banks?
Bad Banks sollen den Steuerzahler nichts kosten, meint unser Finanzminister. Recht hat er, wir können sie uns im Grunde gar nicht leisten.
(via nachdenkseiten)
18. Mai 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise | Keine Kommentare
Vor der Krise ist nach der Krise
Die deutschen Banken sollen nach einem internen und streng geheimen Liste toxische Papiere im Wert von 816 Milliarden Euro noch in den Bilanzen stehen haben. Der 480 Milliarden Rettungsschirm der Soffin ist nicht reiß fest genug und die Politik bastelt nach dem missglückten G-20 Bilanzdoping an einem neuen Konzept, den Bad Banks. Diese sollen die Rettung bringen und - das ist ja unglaublich - den Steuerzahler nicht belasten. Um dieses Versprechen einhalten zu können, wird eine Gesetzesinitiative vorbereitet, den Steuerzahler in monetäre Mischl-Melkkuh umzubenennen.
Während alle noch in der Krise sind, ist Ackermann schon weiter. Der Vortsand der Deutschen Bank verkündet mit kräftigen Worten das 25 % Renditeziel erreicht zu haben. Also, keine weitere Rettungsmaßnahmen mehr, denn die nächste Runde im Finanzkasino hat begonnen!
26. April 2009 von stillewasser | Kategorie Finanzkrise Satire | Keine Kommentare
Ackermann, ein “bad” Bänker?

Zu Beginn dieses Jahres blickte der Zeit Blog Herdentrieb in die Glaskugel, um Erhellendes über das düstere Zukunft der Finanzkrise sagen zu können. Eine der erstaunlichen Weissagungen war: Josef Ackermann werde sich schämen müssen, weil die Deutsche Bank unter den staatlichen Rettungsschirm krieche - und das bereits im ersten Quartal 2009. Diese Vorhersage hat sich in Teilen bereits bestätigt. Über den Einstieg der Post im Zuge der Übernahme durch die Postbank wird sich der Staat indirekt an der Deutschen Bank beteiligen. Herr Ackermann sieht sich dennoch ohne direkte Beteiligung des Staates und somit ohne Schämfaktor durch den Sturm Finanzkrise lavieren. Sein Optimismus wird nicht von allen geteilt, das Wasser unterm Kiel versiegt schneller als die Quartalsberichte gedruckt werden.
Woher kommen solch ungemütliche Prophezeihungen? Der private Banksektor erweist sich trotz der offenen Geldschleusen der Zentralbanken in weiten Teilen immer noch als trockene, öde Wüste. Die Fata Morgana eines gesunden privaten Banksektors in Deutschland, der nur vereinzelt falsch aufgestellte Banken trifft, hat sich in der heißen Luft aufgelöst. Die dürstenden Manager schleichen sich einer langsam, einer nach dem anderen, zur einzig verbliebenen Geldquelle - dem Staat. Nur scheinen Hitze und Dürre unsere Bittsteller gezeichnet zu haben. Nach dem Versprechungen von blühenden Landschaften, die zu Staub verfallen sind, erzählen sie uns ein weiteres Märchen von 1001 Nacht: Es ist die Legende von der Bad Bank.
Es ist eine alte, sehr alte Geschichte. Sie begann weit vor der großen Finanzdürre, zu einer Zeit, als im Finanzeden des elitären Aufschwungs die ersten Oasen giftig und trüb wurden. Im Jahre 2003 gerieten die Dresdner Bank, Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank ob ihrer dubiosen Investmentgeschäfte in Schwierigkeiten. Hinter verschlossenen Türen strickte Herr Ackermann an der Geschichte von der alternativlosen Bad Bank. Denn nach einer schwedischen Heldensage kann sie den Giftmüll der Finanzinstitute in Gold verwandeln. Ein Körnchen Wahrheit enthält diese Geschichte sogar. Werden die Verluste der Bad Bank auf die Steuerzahler abgewälzt, wird das Versagen der Finanzelite vergoldet. Damit dies nicht Eintritt, müsste die die Verantwortung und eine finanzielle Beteiligung an einer Bad Bank von den Banken selbst geleistet werden und, ein starker Staat müsste beherzt in den Finanzmarkt intervenieren. Jedoch sind solche Maßnahmen außerhalb aller gängiger Vernunft in unserem Lande, denn bisher wurden die Verursacher der Krise mit immer größer werdenden Rettungsschirmen bedacht. Demnach entspricht nur eine Blanko Bad Bank, für die allein der Steuerzahler krumm stehen muss, dem vorherrschenden Geist und bietet das perfekte, weich gepolsterte Auffangnetz für unsere gestrauchelten Finanzmanager. Dies lässt sich mit deutscher Gründlichkeit in einem Nebensatz des Klein gedruckten juristisch einwandfrei absichern und die Verantwortung kann ohne schlechtes Gewissen zum Staat abgeschoben werden, denn dies dient rein seinem neoliberalen Zweck.

Nach diesem ersten Geplänkel herrschte erst einmal eine unheilvolle Ruhe, es war die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem Kollaps des amerikanischen Investmentbankings meldete sich das Thema Bad Bank lautstark zurück und erreichte schnell in den Turbulenzen der Hypo Real Estate auch Deutschland. Es war wieder Herr Ackermann, der hartnäckigsten an der Legende der Bad Bank weiter strickte. Seit die Deutsche Bank einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro für das 3. Quartal 2008 erwartet, haben sich zum Branchenprimus Ackermann noch weitere Märchenerzähler gesellt, wie der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger oder der Bundesverband deutscher Banken. Trotz dieser Sirenengesänge aus den staubigen Finanz-, Politik- und Verbandswüsten widersetzt sich unser Finanzminister Herr Steinbrück bisher erstaunlich resolut diesen Plänen. Er sieht keine Möglichkeit der Finanzierung der 150 bis 200 Milliarden Euro, die eine bundesweite Bad Bank als Kapitalunterlegung seiner Schätzung nach benötige. Im Gegensatz zur Bankenkrise in Schweden dürfte diese auch wirklich nötig und in Anspruch genommen werden, denn eine Rückzahlung der faulen Kredite wird angesichts der weltweiten Rezession immer unwahrscheinlicher. Zudem überraschte die Finanzkrise bisher immer mit einer exponentiellen Steigerung der Dimension. Es ist daher nicht überraschend, dass bereits weit sagenhaftere Zahlen im Umlauf sind, Schätzungen gehen von einem finanziellen Giftmülllager von 300 Milliarden Euro in deutschen Banktresoren aus. Die Prognose des Internationale Währungsfond, die erst vor kurzem seine realen Prognosen der märchenhaften Dimension der Finanzkrise angepasst hatte und nun einen weltweiten Abschreibungsbedarf durch die Finanzkrise von 1,4 Billionen Dollar sieht, wird gezwungen sein, diese horrende Zahlen noch anheben zu müssen. Spätestens jetzt wird die Geschichte der Bad Bank zu einem düsteren Albtraum.
Die Weichen sind gestellt, die mediale Inszenierung einer alternativlosen Bad Bank ist angelaufen und sie wird, ausgestattet mit einer Blankoscheckeinlage als goldener Handschlag für krisenhaftes Missmanagement, letztendlich kommen. Das Einknicken der Regierung ist, wie in und außerhalb der Krise, nur eine Frage des Wahltermins. Doch wenn es soweit sein wird, heißt es vielleicht nicht mehr too big to fail, sondern too bad to save. Selbst ein Serienexportweltmeister kann nicht jeden Scheck einlösen.
17. Januar 2009 von stillewasser | Kategorie FinanzkriseComments Off



