Ganz bestimmt
Der amerikanische Afghanistankrieg steckt nicht nur im Wüstensand fest, mediale Stürme rücken den vergessenen Krieg wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit: McChrystal, Oberkommandierende der NATO Truppen in Afghanistan, lästerte mit seinen Leuten über die zivilen Weicheier im Pentagon, wie dieser Friedensnobelpreisträger Obama qua Auszeichnung einer ist. Unser “Verteidigungs”minister Guttenberg findet sowas das toll und würde am liebsten über sich selbst so herziehen dürfen. Doch im Gegensatz zu Guttenberg versteht Obama nichts vom militanten Frustabbau und schmeißt seinen pöbelnden “Feldherren” raus, schließlich braucht der unwürdige Krieg ein würdiges Oberhaupt - und das heißt jetzt Petraeus.
Zum Glück hat die ganze Farce nichts mit Deutschland zu tun, denn wir werden Weltmeister und verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch. Sollten einmal Deutsche Soldaten in einem verlorenen Krieg mit einer wirkungslosen Strategie sinnlos geopfert werden, dann werden die Qualitätsmedien sofort darüber berichten. Ganz bestimmt.
24. Juni 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg | Keine Kommentare
Guttenbergs Götterdämmerung?
Sind wir noch eine Demokratie? Sind die Taten der Politiker entscheidend oder ist es doch nur der massenmedial verliehene Glamour, der für den Machterhalt in unserem Land ausreicht?
Unser amtierender Verteidigungsminister Guttenberg war zum Zeitpunkt der Bombardierung am Kunduz noch der Superstar im Wirtschaftsministerium. Nach seinem Amtswechsel verkündete der populäre Minister, der Vorfall in Afghanistan sei “militärisch angemessen” gewesen. Diese Position ließ sich im Zuge neuer Fakten nicht mehr halten und der Minister korrigierte sich. Doch nicht nur das, er entließ den Vier-Sterne-General Wolfgang Schneiderhan und um Staatssekretär Peter Wichert mit dem schwerwiegenden Vorwurf, sie hätten ihm wichtige Dokumente vorenthalten. Erst dadurch sei seine Fehleinschätzung zustande gekommen.
Jetzt, kurz vor seiner Vernehmung im Kunduz-Untersuchungsausschuß, korrigiert sich der Minister erneut und sagt, die Beschuldigungen gegen die entlassenen Mitarbeiter der Hardhöhe seien falsch.
Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Zwei hochrangige Mitarbeiter wurden nach Gutsherrenart geopfert und der Minister “korrigiert” nicht nur die Entlassungsgründe, auch seine damalige Bewertung der “militärischen Angemessenheit” fällt nun in sich zusammen!
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11. März 2010 von stillewasser | Kategorie Krieg Politik | 2 Kommentare
Die friedliche Zeit ist vorbei
Zum Glück, denkt sich unser Politariat, ist diese besinnliche und so schrecklich friedliche Weihnachtszeit endlich vorbei! Jetzt können sie wieder so richtig loslegen. Unser einziger Minister, der seine eigene Überflüssigkeit vor Amtsantritt erkannte, möchte den Brunnenbau in Afghanistan nur noch von Hilfsverbänden durchführen lassen, die zur Kooperation mit der Bundeswehr bereit sind. Gemäß dem neuen Leitsatz: Human ist, was Waffen schaffen.
Noch besser drauf ist unser Außenminister: Er droht, sollte sich in der Afghanistanpolitik die transatlantisch harte Linie Guttenbergs durchsetzen, die von der Bundesregierung mitinitiierte Afghanistankonferenz zu boykottieren. Ein gelungenes Beispiel, wie unsere Regierung selbst richtige und wichtige Themen kindlich verspielt zum unvermeidlichen Misserfolg führt. Weiter-so!
Und weil es so gut läuft, eröffnet unser Friedensnobelpreisträger Obama noch eine neue Front im Kampf gegen den Terror. Nein, es ist nicht das Heimtland des Terrormusels aus dem nigerianischen Elitariat sondern der Jemen.
Irgendwie glaube ich, dass im Hartz-Jahr zwanzig-zehn das Mehr vom Brutto ganz schön blutig werden wird.
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29. Dezember 2009 von stillewasser | Kategorie Krieg Satire | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (8) … goes mainstream
Wenn ich in den Spiegel schauen, wird es mir zunehmend unangenehm. Das liegt weder an mir noch an meinem Alter, sondern an der sinkenden Qualität der Zeitschrift. Das einstige journalistische Flaggschiff verkommt zusehends zu einer Boulevardzeitung, das im wesentlichen aus weichgespültem neoliberalen Mainstream besteht. Der kritisch investigativer Journalismus spürt nur noch den Klischees der Randgruppen nach, das Elitariat hingegen wird hofiert.
Dieser bedauernswerte Zustand hat eine Auffälligkeit erreicht, die selbst Qualitätsjournalisten nicht mehr negieren können. Der Bericht im Spiegel über die Afghanistanreise unseres Verteidigungsministers Guttenberg wird in der FAZ so kommentiert:
„Hofberichterstattung” ist gar kein Ausdruck. Sieht man genauer hin, dann fällt auf, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für blanke Selbstverständlichkeiten gepriesen wird.
Es freut mich sehr, dass die Journalisten endlich Kritik am Kritikwürdigen üben. Ihr dürft übrigens gerne diese Serie für mich fortführen, lasst mich einfach noch über das Elitariat lästern und ich bin glücklich
Lesenswerte Links zum Thema:
- Unterwürfiges Sturmgeschütz
- Guttenberg, selbstleuchtend
Wer dachte, SPON’s Hofberichterstattung sei nicht mehr zu toppen, der lese einfach mal diese Stilkritik des Verteidigungsministers zur Afghanistanreise - ein unglaubliches Armutszeugnis des Qualitätsjournalismuses
Alle Achtung! Die SZ demonstriert eindrucksvoll, wie satirisch gut Hofberichterstattung sein kann.
14. November 2009 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Medienkritik SZ Watch Satire | 2 Kommentare
Steht das Zensurgesetz vor dem Aus?
Eigentlich war alles klar: das Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen wurde am 18. Juni im Bundestag verabschiedet und sollte möglichst bald in Kraft treten. Obwohl unser Bundespräsident noch nicht einmal den Füller herausholen konnte, um das Gesetz zu unterschreiben, fordert unsere Familienministerin bereits weitere Maßnahmen, um im rechtsfreien Chaosraum endlich weiter aufräumen zu können. Die Befürchtungen, dieses Gesetz sei nur ein Türöffner, um in Deutschland eine Zensurinfrastruktur einzuführen, hat sich bewahrheitet.
Unser pflichtbewusster Wirtschaftsminister, der in diesem Gesetz “einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht” zu sehen vermag, hat das Gesetz aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben nach Brüssel geschickt. Das Problem ist nur, dass es erst wieder am 8. Oktober zurück nach Deutschland gesendet wird - also nach der Bundestagswahl! Gemäß Artikel 39 GG könnte das Zensurgesetz daher verfallen
[update] Politik und Jura können einem jeden Spass verderben: die Unterzeichnung könnte nach der Wahl doch rechtskräftig sein ![]()
(via) [/update]
4. August 2009 von stillewasser | Kategorie Politik Zensur | Keine Kommentare
Gequirltes Quallenfett
Es ist lange her, dass mich ein mainstreamiger Journalist zum Lachen brachte. Die Häme wurde ausnahmsweise nicht über das Internet ausgeschüttet, sondern traf einen Politiker - und nicht einen dieser bösen radikalen Linken oder irgendeinen Hinterbänkler, nein, diesmal traf sie unseren Gewinner von Deutschland Sucht den Superwirtschaftsminister: Herr von und zu Guttenberg persönlich!
Wie kommt es nur, dass unser Politik-Shootingstar und stylischer Jetset-Krisensunnyboy mit medialer Kritik konfrontiert wird? Wie immer ist es der schlichte Grund, er hat etwas richtig gemacht!
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31. Mai 2009 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Politik | Keine Kommentare
Schablonenhafte Politik
Spätestens Seit dem Wahlkampf Obamas weiß jeder Provinzpolitiker wie wichtig es ist, seine Spuren im Netz zu hinterlassen. Diese Strategie machte sich unser neuer Wirtschaftsminister zu eigen und stapft den Größen seiner Kabinettskollegen hinterher. Mit einem kurzen Auftritt in der Tagesschau hat er das Netz in Wallung gebracht. Wegen seiner ahnungslosen Betroffenheit über die erfolgreiche Online-Petition zur Internetzensur wurde unser blaublütiger Minister nach der Schäublone und der Zensursula in die passende Schablone gepresst.
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12. Mai 2009 von stillewasser | Kategorie Politik Zensur | Keine Kommentare







