SZenso

unabhängig - medienkritisch - mit Spuren von Satire

Bestie Pharmalobbyist

Es ist bereits einige Artikel her, da habe ich mal an die Bestie Pharmalobbyist mit diesem Augenzeugenbericht Host Seehofers heran getraut.

Jetzt ist es gelungen, die Bestie in freier Wildbahn aufzuspüren. Der Investigativjournalisten Martin Sonneborn, dem dieses Meisterstück an Qualitätssatire gelang, konnte nur unter erheblicher Eigengefährdung und unter Einnahme starker Drogen dieses spektakuläre Interview führen:

(via stationäre Aufnahme)

Die Höhle des Lobby-Löwen :evil: … nicht vorstellbare Abgründe 8O … ich brauche erstmal eine Aspirin ©

[update 21.05] Dieses Interview sorgt für Aufregung beim ZDF.  Programmchef Bellut is not amused. Sonneborn hat sich das Vertrauen der Pharma-”Bestie” dadurch erschlichen, dass er das Interview “in einer der ,heute’-Sendungen, bevorzugt im ,heute-journal’ platzieren” wolle. Das es am Ende leider nur für die Satiresendung ,heute-show’ reichte, konnte ja keiner ahnen …  [/update]


Schwein gehabt

schweinErst kam das Grauen in die kleine mexikanische Stadt La Gloria. Doch jetzt breitet sich das Unheil unaufhaltsam aus, erst langsam und dann immer schneller! Die Lage wirde immer hoffnungsloser, immer verzweifelter! Es gibt kein Entrinnen! Die Menschheit ist von ihrem Untergang bedroht! Keiner mag das entsetzliche Grauen bei seinen Namen nennen, nur heimlich flüstert man ihn sich furchtvoll zu: Schweinegrippe!

Was nach der Ankündigung eines schönden Hollywood-Thrillers mit einer schlechten B-Prominenz-Besetzung klingt, war nichts anderes als die Berichterstattung zur angekündigten Grippe-Epidemie. Wie sich jetzt zu fast aller Überraschung herausstellt, war es nur eine hysterische Überreaktion. Der Schweinegrippe-Erreger entpuppte sich als gewöhnlicher Grippevirus, der zudem erstaunlich harmlos war.
Wer sein Hirn nicht durch ein Marketingempfangsgerät ersetzt hatte, der konnte das schon früher wissen. Trotz aller Kommunikationskünststücke der Pharma-PR und der willigen Unterstützung ihrer Hofberichtspresse war eines seit Anbeging offensichtlich: Die angebliche Gefahr bestand überwiegend aus Spekulationen und möglichen Entwicklungen, für eine konkrete Bedrohung einer Pandemie fehlten einfach die harten Fakten.


» Beitrag “Schwein gehabt” weiterlesen


Kartoffelsalat á la Frankenstein

euDie EU Kommission verpasst uns einen Kartoffelsalat, der nicht genießbar ist: eine gentechnisch veränderte Knolle, aus der die Industrie tollen Kleber produzieren kann und die als nette Zugabe ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum enthält.
Sollte also nach der nächsten Tüte Chips das Antibiotikum plötzlich nicht mehr wirken, der Mund nicht mehr aufgehen und zeitgleich einem die gerade festgeklebte Deckenlampe dumpf auf’ s Hirn aufschlagen, dann hat der Bauer wohl seine Felder vertauscht.
Das ist nicht lustig? Es geht noch besser! Die Turbo-Kuh steht in den Startlöchern: das EU-Patentamt hat das entsprechende Patent erteilt. Die Turbo-Milch dieser genveränderten Kuh schafft den Weg von der Mund- bis zur Analöffnung in der Rekordzeit von 0,3 Sekunden!

Es sind genau diese Fortschritte, auf welche die Menschheit seit dem Urknall sehnlichst gewartet hat und die uns erst die EU und ihr Lobbyistenapparat ermöglichten. Danke, danke, danke!

Lesenswerte Links zum Thema:


Vom Gelbfieber zur Gelbsucht

aeskulapDer Gesundheitszustand unseres Gesundheitssystems hat sich rapide verschlechtert. War es zuerst nur leichtes Gelbfieber, so hat es sich nun zu einer richtigen Gelbsucht entwickelt. Die kleine Rosskur, auch unter dem Namen Rösler-Kürle bekannt,  hat im Gesundheitssystem angeschlagen.
Das Ziel der Kur ist klar vorgegeben: die  Zwei-Klassen-Medizin, in dem sich das Elitariat auch gesundheitlich vom gemeinen Volk abgrenzen darf. Die widernatürliche gesetzliche Einheitsversorgung muss so schnell wie möglich in kapitalgedeckte Privatmodelle überführt werden. Erst dann haben die Versicherten die Freiheit, je nach Geldbeutel ihre Gesundheit zu versichern oder zu erkaufen. Eine solche Selbstbeteiligungen ist in den Augen der FDP für ein kosten- und gesundheitsbewusstes Verhalten unerlässlich. Nur Reiche können sich dann die Gesundheit leisten und werden sie erst im Gegensatz zum armen und kranken Gesundheitsprekariat so richtig zu schätzen wissen.


» Beitrag “Vom Gelbfieber zur Gelbsucht” weiterlesen


Rote Ampel für den Verbraucherschutz

(c) schroeder.68 / PIXELIO

(c) schroeder.68 / PIXELIO

Seit langem Kämpfen die Verbraucherschützer für eine einfache und verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, um schnell und effektiv die gefährlichen Zuckerbomben in den Supermärkten entschärfen zu können.
Die Zeichen standen lange Zeit auf grün: es gab eine reale Chance, dass eine von Foodwatch entwickelte Ampelkennzeichnung EU-weit eingeführt würde. Doch dann machten die Industrie-Lobbyisten mobil und mit spielerischer Leichtigkeit hebelten sie das Vorhaben aus. Es könnte sogar soweit kommen, dass die bisherigen freiwilligen Ampelkennzeichnungen, wie sie bereits in Großbritanien existieren, durch die EU verboten werden.
Wie ist so etwas möglich? Dieses kurze Statement dürfte es verdeutlichen:

Die Verbraucherverbände hätten vielfach die besseren Argumente, so Kartika Liotard von den Linken, aber ihnen fehle das Geld. “Über 80 Prozent des Lobbyings kam von der Industrie”, so die Abgeordnete. In Stoßzeiten bekam sie 50 E-Mails pro Tag.

Treffender kann am die Funktionsweise des Lobbyismus in Brüssel nicht beschreiben.

(via fefe)

Lesenswerte Links zum Thema:


Die Gesundheitspolitik auf der Intensivstation

Der Gesundheitsfond macht nicht gesund, er kostet nur viel Geld, sehr viel. Aktuell fehlen 7,5 Milliarden Euro. Jetzt kommt die Tigerentenreform des Gesundheitswesens und das Gesundheitswesen wird endlich genesen. Naja, zumindest der systemische Teil, die Pharmaindustrie. Für die Bürger, gesund oder krank, wird dieser Lobbyisten-Kuschelkurs vor allem eines: teuer und für Unterschichtige mehr und mehr unbezahlbar.
Warum ist das immer das alternativlose Ergebnis einer Gesundheitsreform? Der ehemalige Gesundheitsminister Horst Seehofer gibt uns die überaus überraschende Antwort:


» Beitrag “Die Gesundheitspolitik auf der Intensivstation” weiterlesen


Der Staat als Waffendealer

Nach dem Amoklauf von Winnenden forderten insbesondere die Hinterbliebenen der Opfer in einem offenen Brief als wichtigste Maßnahme eine drastische Verschärfung des Waffenrechts. Herausgekommen ist nach erfolgreicher Intervention der Waffenlobby und Schützenvereinen eine weichgespülte Version, die zudem immer noch einen Passus enthält, das Spielen von Paintball mit einem Bußgeld bestrafen zu können.

Eine Reportage des NDR deckte nun auf, dass ausgemusterte Polizeiwaffen aus Niedersachsen über den legalen Waffenmarkt verkauft werden. Der Staat als Waffendealer möchte sich mit einem zu strengen Waffengesetz wohl seinen Absatzmarkt nicht gefährden. Es handelt sich schießlich um die stolze Anzahl von 13.000 HK P7 Pistolen. Der Verkauf spülte fast 3 Millionen Euro in die krisengeschüttelte Landeskasse. Die Empörung ist groß, dieser umstrittene Deal dürfte weitaus mehr Waffen in Umlauf bringen als durch neue Gesetz entzogen werden, in dem die Abgabe illegaler Waffen straf frei gestellt wurde. Es ist offensichtlich, die Politik fördert den Zugang zu Waffen, ihre großmundig Versprechen nach dem Amoklauf sind wie immer nur falsche Lippenbekenntnisse. Übrigens haben andere Bundesländer mehr Skrupel als Niedersachsen und lassen ihre alten Waffen verschrotten.


Tödliche Farbkugeln?

paintballAls Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden werden die Waffengesetze verschärft. Eine gute Nachricht. Etwas verwunderlich ist nur, dass aufgrund dieser Verschärfung die Freizeitsportart Paintball verboten wird, während der Aufbau eines zentralen Waffenregisters für metallene Kugelschleudern nur schleppend vorankommen. Und, müsste eigentlich die Bundeswehr als größter Veranstalter von Paintballspielen für junge Männer nicht ebenfalls verboten werden?

Ein weiterer gelungener Versuch unserer Politiker, ihre Schwäche gegenüber den Lobbyisten in aller Öffentlichkeit bloß zu stellen und ihren gewohnt sinnlosen Aktionismus gegen vermeindliche Randgruppen unserer Gesellschaft vorzuführen.

[update] Hola, das Paintballverbot wird wohl doch nicht kommen. [/update]


5.178.835.253 $

money Der Finanzsektor in den USA hat zwischen 1998 und 2008 für Wahlkampfhilfen und Lobbying die stolze Summe von

5.178.835.253 $

ausgegeben. Eine Investition, die sich lohnte. In dieser Zeit sind zahlreiche Schranken, die den Finanzmarkt regulierten, gefallen. Bill Clinton hob den Glass-Steagall Act auf, der die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken festschrieb,  es wurden Off-Balance-Geschäfte ermöglicht, die amerikanische Finanzaufsicht SEC wurde in ihrer Personalausstattung und ihren Kompetenzen beschnitten. Das waren nur die größten Gefälligkeiten neben zahlreichen weiteren.

In Deutschland ist die Politik bescheidener, möchten aber auch in  Krisenzeiten für die Bereitstellung der Rettungsschirme die Hand geöffnet lassen. Der geringere Preis für politische Leistungen in unserem Land ist auf den häufigen Rückgriff auf amerikanische Importware zurückzuführen.


Schlagworte

Aktionen