Die Burka der Blogger
Das Netz konnte sich Jahrzehnte lang nach seiner eigenen Philosophie und seinen Regeln entwickeln, das tat ihm sehr gut. Die ersten Berührungen mit der Offlinewelt fanden erst mit der Kommerzialisierung des Internets statt. Seit dem ist Frage des Urheberrechts in der digitalen Welt für die Musik- und Filmbranche ein Dauerbrennerthema.
Doch aus dieser tastenden, manchmal knirschenden Annäherung wird zunehmend ein ausgewachsener Kulturkampf. Anfangs bot das Internet mit seiner modernen Technologie neue, kostensparende Vertriebs- und Marketingkanäle. Mit den ersten Internetkonzernen jedoch, die das Netz zu einer Google machten, wurden völlig neuen Geschäftsmodelle eingeführt. Ganze Geschäftsbereiche mit einer langer Tradition, wie den Qualitätsjournalismus, gerieten daraufhin in unerwartet schwere Bedrängnis. Während Internetfirmen die Struktur und Möglichkeiten des Netzes nutzen, versuchen netzfremde Firmen und Konzerne ihre gewohnten Kontrolle und Deutungshoheit, die sie aus ihrer Offlinewelt kennen, im Netz möglichst uneingeschränkt durchzusetzen. Justiz, Politik und Medien sind dabei ihre willigen Helfer, die ihnen - wie sie es ja aus ihrer Welt gewohnt sind - zur Seite stehen, und sie beim Versuch des Zugriffs auf das Netz tatkräftig unterstützen. Das ganze wird mit einem schön einfachen Slogan legitimiert: das Netz ist ein rechtsfreier Raum, er muss dringend kontrolliert werden!
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3. September 2009 von stillewasser | Kategorie Medienkritik | Keine Kommentare
Blogger sind politische Extremisten
Im Grunde hatte jeder die Gefahr geahnt, aber keiner wollte sich ihr stellen. Im rechtsfreien Raum des Internets konnten sie sich diese verkommenen Subjekte unbehelligt und unkontrolliert ausbreiten:
Blogger, diese Terroristen und Extremisten!
Zensursula war nur der erste Schritt, jetzt fordert John Hartigan, der CEO von Rupert Murdochs News Limited, in einem Vortrag des National Press Club indirekt und etwas überspitzt formuliert, dass Blogger endlich zur Rechenschaft gezogen und wie in China eingesperrt werden sollten!
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3. Juli 2009 von stillewasser | Kategorie Medienkritik | Keine Kommentare
Zensur
Heute hat der Bundestag das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen verabschiedet gegen den sich im Netz ein heftiger und nachhaltiger Protest formiert hatte. Der Protest gegen die geplante und nun realisierte Sperrung von Internetseiten verbreitete sich unter dem Begriff Zensursula, eine Homage an die bedingungslose Verfechterin des Gesetzesvorhabens, mit viraler Geschwindigkeit im Netz. Das markanteste Zeichen des Protestes wurde die bisher erfolgreichste Online Petition “Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten”, die in der vierwöchigen Zeichnungsfrist von insgesamt 134.014 Bürgern unterzeichnet wurde. Beachtenswert ist, dass trotz des politisch aufgedrückten Makels der Kinderpädophelie viele Unterstützer nicht nur bereit waren ihren Namen zu veröffentlichen, sondern auch ihr Gesicht zu zeigen.
Das Gesetz ist verabschiedet, aber die Petition dümpelt noch in der parlamentarischen Prüfung. Die Initiatorin, Franziska Heine, darf also im Bundestag erst nach dem in Kraft treten des Gesetzes ihre Bedenken vortragen - welch kroteske Farce und welch heftiger Tiefschlag für engagierte Bürger!
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18. Juni 2009 von stillewasser | Kategorie Politik Zensur | Keine Kommentare







