Neues aus dem Elitariat (12): Noch einer verlässt das sinkende Schiff
Erst Koch, dann Köhler, irgendwie auch sein Nachfolger Wulff und jetzt Beust. Da fragt man sich schon und man würde es sich auch am liebsten so wünschen: können Rücktritte ansteckend sein? Das wohl nicht, aber man muss sagen: das ist schon eine ausgewachsene Massenflucht aus den Bundes- und Ministerpräsidentenämter.
So langsam beschleicht einem das Gefühl, auf der RMS Titanic zu sein, nur dass dank der modernen Technik der Eisberg früh genug gesichtet wurde und diesmal die richtigen Maßnahmen noch rechtzeitig ergriffen werden konnten: die Abschottung zur Unterschicht wurde verstärkt und das Elitariat auf dem Oberdeck bringt sich mit den letzten verbleibenden Rettungsbooten in Sicherheit - nur der Kapitän verpasst seinen Absprung.
Das Schlimmste an diesem Drama ist das Gedudel der Qualitätsmedien. Sie Singen einstimmig ihr Loblieb auf das Elitariat, obwohl ihnen selbst das Wasser schon bis zum Hals steht.
Ich jedenfalls habe in der aktuellen Krisensituation das vollste Vertrauen in unser Elitariat: Sollte sich die Situation noch weiter verschärfen, dann bestünde die realistische Hoffnung, dass sie sich alle verpissen würden. Die Ursache der Krise wäre dann beseitigt, die Folgen allerdings noch lange nicht.
19. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat Neoliberalismuskritik Politik Satire | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (17): Wulff im Schafspelz
War das eine spannende Bundespräsidentenwahl! Keiner konnte doch ahnen, das wirklich das im voraus feststehende Ergebnis eintreten würde! Und es grenzt doch an eine wissenschaftliche Sensation, dass die Totenstarre der schwarz-gelben Regierung langsam in einen sichtbaren Verwesungprozess über geht. Allein die Linke sorgte an diesem historischen Abend für eine Überraschung und wählte so wie sie es angekündigt hatte. Dabei hatte sie die einmalige Chance, die Mathematik außer Kraft zu setzen: wenn jemand mit absoluter Mehrheit gewählt wird, ist das noch lange keine demokratische Entscheidung!
So, jetzt kehrt langsam wieder die politische und mediale Routine ein und das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl kann professionell kommuniziert werden: Wulff ist der bessere Hotte!
Hm, was ist eigentlich mit dem anderen Kandidaten? Wie war nochmal gleich der Name? Ach ja, Gauck, der Bundespräsident der Herzen. Hach, das ist doch das Angenehme am alzheimernden Michel, er vergisst so schnell, sogar noch schneller als die Journaille.
Bald wird sich keiner mehr an Gauck erinnern, der noch vor kurzem das Zentrum der bürgerlichen Mitte, der Inbegriff der Versöhnung und Aufarbeitung oder schlicht der Übervater des Politikolymp war - aber all das endete mit dem dritten Wahlgang. Jetzt fallen all diese schönen Eigenschaften Kraft der Medien dem neuen Präsidenten zu. Einfach ein paar Jubelbilder um etikettieren und Wulff wird zum gefeierten Medienstar.
Schauen wir nicht mehr zurück, denn ein solcher Blick ist immer ohne Hoffnung. Es könnte ja wirklich sein, dass der Lieblingsschwiegersohn aller Lämmermütter doch noch sein Schafspelz ablegt und sein Andenfreund Koch unter dem wohlwollenden Schutz des Präsidenten den politischen Merkelmord wagt.
Die Zeichen stehen gut, denn die Medien wollen das Blut der Regierung sehen solange es rot ist und es sich noch nicht mit den schleimigen Fäulnisflüssigkeiten der im Amt verwesenden Regierung vermischt hat.
2. Juli 2010 von stillewasser | Kategorie Medienkritik Politik Satire | 2 Kommentare
Koch geht – das System Koch bleibt
von Wolf Wetzel
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat am 25.5.2010 seinen Rücktritt erklärt. Bevor man über diese Ankündigung jubelt, sollte man sich die Worte seiner Rücktrittsrede auf der Zunge zergehen lassen: Süffisant zitiert er eingangs aus seiner Geburtstagrede aus dem Jahr 2008, in der er im Gangsterjargon hat verlautbaren lassen, dass er in seiner Arbeit »noch etwas zu erledigen« hätte…. Dann schaut er auf seine »Arbeit« zurück und lässt uns wissen, dass alles »zu meiner vollsten Zufriedenheit geschehen« sei. »Mehr als zwölf Jahre …(und) eine wirklich tolle hessische CDU« liegen bald zurück und ein Wechsel in die Wirtschaft als Belohnung warten auf ihn.
Was und wen hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch »erledigt«?
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26. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Politik | Keine Kommentare
Hofberichtblogging (14): Koch wird arbeitslos
Wer hätte das gedacht. Unser Vorzeigelandesvater Roland Koch schmeißt seinen sicheren Job hin und meldet sich arbeitslos. Soll dies etwa als Aufforderung verstanden werden, es ihm gleich zu tun? Mitnichten!
Bevor einer im Format eines Kochs in die Dekadenz der Hatz Hartz IV Falle abrutscht, müsste zuerst sein Königreich zu Grunde gehen. Ein Mann wie er weiß wie es weiter geht.
Das Angebot als Unterwasserrohrkrepierer im Katastropheneinsatz, um das mexikanische Bohrloch mit einem Schlag zu schließen, hat er zum Bedauern vieler bereits abgelehnt. Vielleicht zieht es ihn zurück zur Basis. Mal so willkürlich die Hartz-Sanktionsmechanismen direkt an Unterschichtenmenschen von Angesicht zu Angesicht anzuwenden - das wäre bestimmt eine reizvolle Herausforderung für ihn. Doch die negativen Auswirkungen sind eindeutig zu harmlos. Ein Umzug nach Hamburg, versüßt mit einer staatlich subventionierten Umschulung zum Richter, wäre hingegen schon eine bedenkenswerte Alternative.
Die bisherigen Vorschläge sind für einen Politikgiganten wie Koch einfach zu schäbig. Er ist für die ganz großen Aufgaben auserkoren. Ich sehe ihn daher vielmehr als Korruptionsminister in Afghanistan oder als Ackermann Nachfolger.
Eins ist sicher, er wird wieder kommen. Freuen wir uns auf das Wiedersehen!
25. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Hofberichtblogging Politik Satire | Keine Kommentare
Neues aus dem Elitariat (10): Bruchlandung
Unser Elitariat gibt sich in Krisenzeiten erstaunlich bodennah. Kaum verzieht sich die isländische Vulkanasche, legt Roland Koch, ein besonders prächtiger Vertreter des Elitariats, eine Bruchland hin. Sein Blindflug war allerdings nicht der schlechten Sicht geschuldet, er verfing sich vielmehr in den Tücken des philippinischen Gesetzes.
Was kann man auf einer auf einer schönen Insel im pazifischen Ozean wollen? Hartz-Flüge in die Südseedekadenz? Nein, dort sollte ein neues internationales Terminal entstehen. Leider verbietet das philippinische Gesetz eine ausländische Beteiligung von mehr als 40% an wichtigen Infrastrukturprojekten. Mit Koch im Aufsichtrat herrschte wohl die Meinung, wenn in Hessen sich problemlos Gesetze aushebeln lassen, muss das doch erst recht mit einem kleinen, popligen Inselstaat möglich sein. FraPort pokerte, verlor und verbrannte dabei die stolze Summe von 500 Millionen Euro.
Wer ein Elitariat wie Koch im Aufsichtsrat hat, der kann über einen mickrigen Ascheregen, wie uns Eyjafjallajökull bescherte, nur müde lächeln
Lesenwerte Links zum Thema:
4. Mai 2010 von stillewasser | Kategorie Elitariat | 4 Kommentare
Let’s talk chinese
Angeblich will es keiner haben, das vermurkste Zugangserschwernisgesetzt. So so, aber die Stellungnahme der CDU zur Anhörung des Petitionsausschusses klingt da ein klein wenig etwas anders.
Unser Bundespräsident hat das umstrittene Gesetz unterschrieben und ab heute existiert die rechtliche Grundlage, um die Zensurinfrastruktur einsetzen zu können. Die Stoppschilder fehlen noch, aber wie ich unsere Grundgesetzverachter kenne, werden sie kommen. Die Versuchung ist einfach zu groß. Klar, zuerst werden die Stoppschilder nur Kinderpornographie verdecken, später werden es noch andere schwere Verbrechen wie der Extremismus oder so sein. Und wenn wir schon dabei sind, können wir ja gleich all die anderen unappetitlichen Sachen im Netz verdecken:
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24. Februar 2010 von stillewasser | Kategorie Politik Zensur | Keine Kommentare
In eigener Sache: Happy Birthday :-)
Genau vor einem Jahr habe ich diesen Blog eröffnet. Zur Feier des Tages habe ich die alte Freeze-Torte wieder aufgetaut, sie ist noch von der Happy-Freeze-Party zum einjährigen Bestehens der Kommentaröffnungszeiten der SZ übrig geblieben.
Was ging das damals hitzig her, als es hier ein Protestforum und noch keinen Blog gab. Die guten alten Zeiten eben. Ein wenig habe ich zu diesen Ereignissen in meinem allerersten Blogartikel “Du hast eine Meinung?” geschrieben.
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16. Januar 2010 von stillewasser | Kategorie Aktion | 2 Kommentare
Heute rollen die Köpfe
Der Vertrag des ZDF Chefredakteurs Brender wird auf öffentlichen Druck von Roland Koch, der sich mit wohlwollender Billigung unserer Kanzlerin anstauen durfte, nicht verlängert. Diese Entscheidung ist nichts anderes als ein politisches Diktat, dem sich der öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefälligst unterzuordnen hat.
Ein Journalist in unserem Land hat natürlich die freie Auswahl, er darf Parteibuchinhaber, Hofberichterstatter, neoliberales Mietmaul oder PR- und Werbetexter sein. Nur eines sollte er in unserer Demokratie nicht haben: eine unabhängige Meinung!
Im Vorfeld gab es ungewohnt heftige Kritik an dieser angekündigten Demontage der politischen Unabhängigkeit des ZDF’s. Der Gang zum Bundesverfassungsgericht wurde bereits angedroht. Muss wieder einmal Karlsruhe für demokratische Spielregeln in unserem Land sorgen?
27. November 2009 von stillewasser | Kategorie Fundstücke Politik | Keine Kommentare
Medienpolitik in der Krise
In der Krise gelten andere Spielregeln, natürlich auch für die Medien. In einem Interview erklärt der hessische Ministerpräsident der Nach-Ypsilanti-Ära, Roland Koch, weshalb der Vertrag des ZDF-Chefredakteus Brender aufgrund rapid fallender Quoten auslaufen müsse. Diese offensichtliche Quotenkrise könnte jedoch eine unbemerkte Machtdemonstration verdecken. Der starke politische Druck auf einen öffentlich-rechtlicher Chefredakteur dürfte zur Sicherstellung des Parteienproporzes in den Kremien der Medienanstalten dienen. Jedenfalls sehen viele im Vorgehen Kochs einen schwerwiegenden Eingriff in die Rundfunkfreiheit und stehen Brender bei.
Dieser nun seit einigen Tagen schwelende Konflikt hat eine neue Dimension bekommen. Nach Informationen von Spiegel Online befürwortet die Bundeskanzlerin Merkel eine Absetzung Benders. Dieser Wendung ist verständlich. Die Rettungsmaßnahmen der Regierung in der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen statt in unnötigen Worten in angemessenen Bildern zelebriert werden. Die für die Bürger nachhaltigen Unterschriften unter die Blankoschecks für die Finanzjongleure bedürfen gemäß einer guten Kriseninszenierung der entsprechenden medialen Präsentation.
Schön, dass die Kanzlerin in der Krise bereit ist, ein Opfer - hier in Form eines undiplomatischen Chefredakteurs - zu bringen
3. März 2009 von stillewasser | Kategorie Medienkritik | Keine Kommentare








