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Zurückbeis(s)en (5): Griechenland ist systemrelevant???

zurueckbeissenAlso, nein, das geht nun wirklich nicht, Herr Beise. In ihrem aktuellen Beitrag gibt es gleich zwei große Patzer auf einmal!
Die griechische Tragödie war nicht vorhersehbar? Für Qualitätsjournalisten nicht, das stimmt, aber in diesen komischen Dingern - wie heißen die noch? Ja, richtig: Blogs - konnte sich jeder über dieser Gefahr bereits im Jahr 2007 oder im letzten Jahr rechtzeitig informieren.

Okay, das ist nur ein vergleichsweise kleiner Fauxpas gegenüber dem zweiten: Sie erzählen uns eine schaurige Geschichte vom armen Griechenland, das wir nicht im Stich lassen dürfen? Was soll das bitte schön? Wenn Griechenland fällt, fällt Europa. Hä? Dieses Märchen glaubt ihnen doch kein Mensch! Und was soll dieses unsäglich unsachliche Drücken auf die Tränendrüse? Ist das etwa eine Bewerbung für den Club der Gutmenschen?

Also mal so unter uns Neoliberalen: Banken sind systemisch, das ist ja wohl klar, aber doch nicht Staaten  *lol* Das ist doch der Feind, Mensch Beise! Und es ist doch wohl klar, wenn der Feind schon am Boden, dann helfe ich ihn doch nicht mehr auf die Füße! Die neoliberale Welt ist hart, wer eine solche Gelegenheit verpasst verliert! Und verlieren müssen immer die anderen, denken sie niemals darüber nach! Und für ihr Gewissen, sagen sie sich einfach: gnadenlos handeln ist der beste Gnadenakt für den Gegner ;-)

Aber woher kommt diese ungewohnte Beis(s)hemmung? Einfach den radikalen Marktkräften ihren freien Lauf lassen und ein wenig warten, bis sie das griechische Gerippe wieder ausspucken. Denn Rest kann man dann getrost irgendwo in der dritten Welt verschachern, die nehmen nämlich alles.
Also, wieder ran an das alternativlose Abwracken Griechenlands! Es wartet eine irrsinnige Rendite, wenn ein ganzer Staat ausgeweidet werden kann! Und Opfer muss es immer geben, sei es der Euro, die Union oder ein paar nutzlose Griechen.


Zurückbeis(s)en (4): Subversives Sandmännchen

zurueckbeissenIch freue mich schon auf morgen, denn dann ist es wieder soweit: auf der SZ gibt es wieder eine neue Folge von der Märchensaga “Korrekturen eines Marktwirtschaftlers”. Die Serie ist großartig und sie ist nicht nur für Kinder geeignet! Ich finde sie einfach wunderbar, denn jetzt kann ich zumindest an einem Tag in der Woche tief und fest schlafen! Es gibt nur eine Nebenwirkung dieses sagahaften Sedativums: Wenn meine Frau zu mir sagt: “Denk’ mal darüber nach!”, verfalle ich sofort in einen Sekundenschlaf - gerade wenn man Besuch hat, ist es peinlich …

Das letzte Mal hat Marc Beise in seiner Märchenstunde tief in die Mottenkiste gegriffen und den Herrn Alexander Rüstow und Ludwig Erhard, beides Väter der sozialen Marktwirtschaft, ausgegraben. Sie sollen als Beleg des “guten” neoliberalen Geistes dienen, dem traditionell-konservativen Ordoliberalismus. Eine Idee vom Wirtschaften, in der ein freier Markt in geordneten Bahnen herrscht. Wahrlich, das war ein schönes Märchen aus längst vergangenen Tagen. Ich habe sooo lang und süß geträumt, dass ich fast verpennt hätte diesen Artikel zu schreiben :-)


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Zurückbeis(s)en (3): Der Blut-, Schweiß- und Tränentango

zurueckbeissenIch mag Blut-, Schweiß- und Tränenreden, ihren aufstachelnden Pathos, mit dem jedes Wort durchtränkt ist und von dem jedes einzelne die gnadenlose Kraft besitzt, die hartzige Dekadenz aus Kopf und Gliedern aus zu treiben. Dieser unbändige Drang, die dem hypnotisierten Leser eingeimpft wird und ihn nach neuen Ufern verlangen lässt, ist die überfällige Antwort auf altersstarre Verkrustungen, die ihrem Aufbrechen harren. Der glühenden Rede folgt die epochale Tat!
Nur sollen solche Reden zu Blut-, Schweiß- und Tränen treibenden Taten anstacheln und sie nicht bereits beim Lesen fließen lassen, wie dies bei Marc Beises Tangotanz zumindest bei mir der Fall war.

An der deutschen Exportfixierung soll die Welt genesen, so das alternativlose Mantra des Klosterbruders des Neoliberalismus. Diese Kernthese der neoliberalen Ideologie hat ein Problem, das sie mit allen Ideologien teilt: die Realität. Wenn uns die Nachbarn, wie nun die französischen Finanzministerin Christine Lagarde, beständig und immer mehr vernehmbar kritisieren, liegt das allein daran, dass sie mit ihren Vorwürfen recht haben.

Eine der Lehren aus der Weltwirschaftskrise sollte nämlich sein, dass Ungleichgewichte Krisen verursachen. Im Fall der chinesischen Devisen erreicht diese Erkenntnis noch das neoliberal vernebelte Gehirn, im Falle unserer eigenen Exportsünden nicht mehr.


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Zurückbeis(s)en (2): Die Ausplünderung der Mittelschicht

zurueckbeissenEs ist bei einer Buchbesprechung üblich, es auch zu lesen. Beim neuen Buch von Marc Beise “Die Ausplünderung der Mittelschicht” habe ich es nicht gemacht, denn für mich zählt die zwanghafte Aneinanderreihung neoliberaler Thesen als Folter. Ich bin daher mehr als froh, dass der Oeffinger Freidenker das Buch gelesen und eine ausführliche Rezension darüber geschrieben hat.
Ich vergreife mich dennoch mal an der Kernthese des Buches: die diffuse Mittelschicht, die empirisch ermittelt werden könnte, was aber tunlichst unterlassen werden sollte, beherbergt die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Diese möchten, können jedoch keine Leistung erbringen, weil sie daran gehindert werden. Schuld an dieser Misere ist natürlich der Staat, weil der Staat hat immer Schuld.
Für Beise fängt seine ominöse Mitte so etwa oberhalb von 100.000 € Jahresgehalt an, da erst ab dieser Höhe der schnöde Mammon auch als Motivator wirken kann.
Die Quintessenz dieser kausalisierten Tautologien ist, dass das lastvolle Leben der leistungsverhinderten oberen Mittelschichtso wie früher in den guten alten Zeiten der römischer Dekadenz auf die unteren Schichten gerecht verteilt werden muss, damit alle den freiheitlichen Blick nach oben auf die über alles schwebenden Eliten, die sich von allem losgelöst haben, geniesen können. Das alles funktioniert nur dann wieder wie FDP-geschmiert, wenn alle das Risiko der Eigenverantwortung auf sich nehmen, weil zuviel Fremdverantwortung sozialistische Arbeitsplätze schaffen könnte. Das darf nicht sein, denn Arbeit ist nur für die da, die sich etwas leisten können, nämlich das Jammern über das eigene Nichtsleisten.

Natürlich übernehme ich keine Garantie, dass ich das nicht gelesene Buch auch wirklich nicht verstanden habe. Wenn ihr also den Neoliberalismus in Textform gegossen in Händen halten wollt, kauft das Buch, oder wer sich nach meinem Plädoyer noch immer dem neoliberalen Götzendienst verweigern möchte, gehe zurück auf Hartz IV.

Lesenswerte Links zum Thema:


Zurückbeis(s)en (1): Die Motivation des Geldes

zurueckbeissenIn einem lesenswerten Artikel verteidigt Marc Beise auf der Süddeutschen die Billiglöhner. Dies ist auch überfällig, denn beim Ausbau des Niedriglohnsektors wurde so einiges falsch kommuniziert. Der aktuelle Sicherheitsskandal auf dem Münchner Flughafen hat diesen Missstand schonungslos offen gelegt. Marc Beises Nachhilfe in Sachen Neoliberalismus ist daher überfällig. Insbesondere ein vermutliches Fehlverhalten der Billigsicherheitslöhner soll dem gewöhnlichen Fluggast und nichtsahnenden Terroristen seine Unschuld belassen haben. Wieso blieb eigentlich die in den Ausbildungsdrehbüchern beschriebene Schießerei aus? Wieso explodierte das als Bombe identifizierte Laptop nicht mit cineastischen Pyroeffekten bereits effektvoll im Scanner?


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